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31.03.2012

17:53 Uhr

Tefaf V

Angemessen oder überteuert?

VonChristian Herchenröder

Jeder Sammler fragt sich, wie realistisch der Preis für das Objekt seiner Begierde ist. Die international renommierte Maastrichter Kunstmesse Tefaf bietet tiefe Einblicke in die Preisgestaltung.

Tilman Riemenschneider: Das kostbare, spätgotische Alabasterrelief der „Verkündigung an Maria“ ist mit Gold verziert. Ursprünglich diente es als privates Andachtsbild. Tilman Riemenschneider

Tilman Riemenschneider: Das kostbare, spätgotische Alabasterrelief der „Verkündigung an Maria“ ist mit Gold verziert. Ursprünglich diente es als privates Andachtsbild.

MaastrichtDie Stimmung könnte nicht besser sein. „Amerika ist wieder da“, jubelten die Händler schon nach dem ersten Wochenende. The European Fine Art Fair, kurz die Tefaf, kann ihr Silberjubiläum deutlich entspannter feiern als die Messe im letzten Jahr. Abgesandte der amerikanischen Museen kamen „so gut wie geschlossen“, wie mehrere Altmeisterhändler betonen. Die wirtschaftliche Situation in den USA hat sich gebessert, und in den Schwellenländern werden die Reichen immer reicher. Chinesische Besucher treten in Gruppen auf, und auch die chinesische Presse ist zur Stelle.

Der Asiatica-Handel hat sich mit einem breiten Programm auf diese neuen Interessenten eingestellt.

So viel Han- und Tang-Keramik in allen Größen gab es in Maastricht noch nie, und auch die Jadesammler werden mit hochkarätiger Materialfülle gelockt. Unglasierte Tonfiguren von Pferden, Hofdamen oder Palastwächtern sind an mehreren Ständen für über 100.000 Euro zu haben. Im Vergleich dazu erscheint der exzeptionelle, mehrfarbig in „Sancai“-Technik glasierte „Reitende Musikant“ aus dem frühen 8. Jahrhundert bei Ben Janssens (London) mit 300.000 Euro geradezu moderat: Ein fast identisches, abweichend glasiertes Pendant steht im Pariser Musée Guimet.

Die Altmeisterhändler sind mehr als zufrieden. Bei Bernheimer war die frühe „Kreuzigung“ von Rubens aus spanischem Privatbesitz schon in der ersten Messestunde an den Bostoner Niederländer-Sammler Eijk van Otterloo verkauft. Die Cranach-Madonna erwarb ein deutscher Sammler. In die USA geht auch die achtstellig bezifferte monumentale Allegorie von Frans Francken II, für die Bernheimer, Naumann, van Haeften und Herzig im Dorotheum schon über 7 Millionen Euro einsetzen mussten.

Das Altmeisterangebot ist gemischt und keineswegs so durchgängig erste Wahl, wie es die Reklame zum „Silver Jubilee“ suggeriert. Viele Bilder sind Reprisen aus den vergangenen Messejahren, was ihre Qualität nicht mindert. Aber das zeigt, dass dieser Sektor kaum von neuen Käufern lebt und dass wenig herausragendes Material in den Markt zurückfließt.

Caravaggisten sind Trumpf, hier sind noch gute Bilder italienischer oder niederländischer Meister zu finden. Allein von dem Utrechter Matthias Stomer, von dem sich die meisten Werke in Museumsbesitz befinden, hängen auf dieser Messe sechs Bilder, von denen bis jetzt nur das weltliche Sujet der „Alten Frau, die Geld zählt“ bei Jean-Luc Baroni verkauft ist. Caravaggio am nächsten ist das anrührende Gemälde „Christus vor Pilatus“ aus der Sammlung Koelliker bei Robilant & Voena (London-Mailand). Es ist im Inkarnat etwas dünn, aber besitzt die magische Lichtregie, die der Kenner schätzt. Mit 250.000 Euro ist es der preiswerteste Stomer der Messe. Demgegenüber erscheinen die 1,8 Millionen Euro, die Salomon Lilian (Amsterdam) für Stomers theatralisches „Absaloms Fest“ verlangt, reichlich hoch.

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