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31.03.2014

12:35 Uhr

Teppichkunst

Kauflaune in Ausnahmefällen

VonSabine Spindler

Ein kleiner kaukasischer Teppich wird bei Nagel in Stuttgart für fast das Zwanzigfache seines Schätzwertes versteigert. Das Spitzenlos, ein Teppich aus der Wüste Gobi, geht jedoch zurück.

Von geschätzten 1.500 auf 28.000 Euro kletterte dieser kaukasische Teppich mit eingeknüpfter Datierung. (Ausschnitt) Nagel Auktionen, Stuttgart

Von geschätzten 1.500 auf 28.000 Euro kletterte dieser kaukasische Teppich mit eingeknüpfter Datierung. (Ausschnitt)

StuttgartSammler alter Teppiche geben sich nach wie vor zögerlich. Nur wenige Stücke konnten im Stuttgarter Auktionshaus Nagel oberhalb der Taxe veräußert werden. Begehrt war ein vielfach publiziertes Exemplar aus dem 18. Jahrhundert. Dabei verlief der Auftakt der Auktion „Teppiche und Ethnologica“ blendend. Mit einer Steigerung des ersten Loses von geschätzten 1.500 auf 28.000 Euro inkl. 33 Prozent Aufgeld kam gute Stimmung in den Saal. Ein deutsches Sammlerpaar hatte lange gegen mehrere Telefonbieter gekämpft, bis es den kleinformatigen Kaukasenteppich aus dem frühen 19. Jahrhundert mit der eingewebten Datierung 1240 sein Eigen nennen konnte.

Entdeckung in einer Jurte

Aber die Kauflaune verflog schnell. Der Teppichmarkt erwies sich an diesem Nachmittag erneut als schwierig. Nur etwas mehr als ein Drittel der 214 angebotenen Textilien konnte zugeschlagen werden. Die größte Investition tätigte mit 48.000 Euro ein Sammler aus Italien für einen fein gemusterten, anatolischen Uschak aus der Zeit um 1750. Die Wertschätzung dieses Teppichs beruht zum Teil auf seiner Popularität. Unter Kennern wird er in Bezug auf das Standardwerk von Johan Iten-Maritz nur als „Iten-Maritz Medaillon-Uschak“ bezeichnet.

Enttäuscht zeigte man sich bei Nagel über den Rückgang des Spitzenloses. Der mit 30.000 Euro aufgerufene, im Standardwerk „Teppiche aus Ostturkestan“ publizierte Kothan aus der Sammlung Hans Bidders ist ein Stück, das schon durch seine Erwerbsgeschichte eine Besonderheit darstellt . Ende der 1930er-Jahre entdeckte der Diplomat in einer Jurte in der Wüste Gobi das reizvolle Exemplar. Nur kaufen konnte er es nie. Der Teppich wurde ihm vom Jurtenbesitzer überraschenderweise nach dessen Tod vermacht.

Das syrische Fliesenpaneel (16./17. Jh.) war einem Bieter 8.000 Euro (inkl. Aufgeld) wert. (Ausschnitt) Nagel Auktionen, Stuttgart

Das syrische Fliesenpaneel (16./17. Jh.) war einem Bieter 8.000 Euro (inkl. Aufgeld) wert. (Ausschnitt)

Bieter aus dem Vorderen Orient

Sammler aus Europa und dem Vorderen Orient zeigten zufriedenstellendes, aber wenig gewagtes Interesse bei der 160 Lose umfassenden Ethnologica-Offerte. Die Ergebnisliste führen ein breites, aus Damaskus stammendes Fliesenpaneel des 16./17. Jahrhundert sowie eine prachtvolle persische Gouache mit der Darstellung eines Adlers vor goldenem Hintergrund an. Beide Arbeiten wurden jeweils für 8.000 Euro verkauft.

Insgesamt erzielte Nagel in seiner Auktion „Teppiche & Ethnologica“ bei einer wertbezogenen Quote von 60 Prozent 310.000 Euro Umsatz. 50 Prozent der Lose fanden einen Abnehmer. Bei den Teppichen fand nur etwas mehr als ein Drittel des Angebots einen Käufer.

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