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03.06.2015

08:37 Uhr

Theater und Oper 2.0

Die Bühne auf dem Bildschirm

Mehr und mehr Theater- und Opernhäuser zeigen Aufführungen nicht mehr nur auf der Bühne, sondern auch im Netz. Ersetzen Smartphones und Computer bald den Zuschauersaal?

Das Ulmer Stadttheater überträgt ausgewählte Inszenierungen via Livestream in das Internet. dpa

Livestream Theater

Das Ulmer Stadttheater überträgt ausgewählte Inszenierungen via Livestream in das Internet.

UlmEine Hochkultur öffnet sich der digitalen Welt: Immer mehr Theaterhäuser bieten ihre Aufführungen nicht mehr nur live auf der Bühne an, sondern auch online. Theater im Netz sei eine große Chance, „um mit einem Publikum in Kontakt zu treten, das nicht zu den typischen Theaterbesuchern gehört, und um neue Kommunikationswege zu finden“, meint der Deutsche Bühnenverein.

Der Verband befasste sich erst am Wochenende auf seiner Jahreshauptversammlung mit dem Thema. Die rund 250 Intendanten und Direktoren diskutierten auf ihrer Tagung in Potsdam auch über eine stärkere Präsenz im Netz.

Vor kurzem kündigten 15 Opernhäuser aus ganz Europa an, einige ihrer Produktionen über die „Opera Platform“ ins Netz stellen zu wollen. Zum Start zeigte das Teatro Real in Madrid live Giuseppe Verdis „La Traviata“.

Mit am Start ist auch der europäische Kulturkanal Arte, aus Deutschland beteiligen sich die Komische Oper Berlin und die Oper Stuttgart. Die Produktionen sind sechs Monate frei im Archiv abrufbar und werden in sechs Sprachen untertitelt. Dazu gibt es Hintergründe, Interviews und einen Blick hinter die Kulissen.

Streaming-Dienste

Nutzen statt besitzen

Beim Musik-Streaming werden Songs direkt aus dem Internet abgespielt, statt sie auf die Geräte herunterzuladen. Dafür werden die Dateien in viele kleine Pakete zerlegt und in einem konstanten Strom aufs Gerät übertragen. Fans können damit Musik nutzen, ohne sie zu besitzen.

Marktführer Spotify

Es ist ein noch relativ kleines aber schnell wachsendes Geschäft. Größter Anbieter ist die schwedische Firma Spotify mit aktuell 15 Millionen zahlenden Kunden und 45 Millionen Gratis-Nutzern. Es gibt aber auch zahlreiche andere Dienste – allein in Deutschland gibt es 15 Anbieter, darunter Radio und Deezer und Apple Music.

Volle Auswahl für 10 Euro

Die meisten Anbieter setzen auf ein Abo-Modell: Für einen monatlichen Betrag gibt es den Zugriff auf ein Angebot aus Millionen Songs. Die Paketpreise beginnen bei fünf Euro, für rund 10 Euro bekommen Nutzer oft auch eine Offline-Funktion. In einigen Fällen können Musikfans eine werbefinanzierte Variante mit weniger Funktionen auch kostenlos nutzen.

Erfolg im zweiten Versuch

Schon vor rund zehn Jahren versuchten verschiedene Anbieter, Abo-Dienste zu etablieren – der Durchbruch kam aber erst mit der Verbreitung von Smartphones und allgegenwärtigen schnellen Datenverbindungen.

Mäßiger Sound

Als eine Schwäche gilt bei Musik-Enthusiasten die starke Kompression, die nötig ist, um die Dateien möglichst sparsam durch die Netze zu kriegen. Das kann die Sound-Qualität drücken.

Stand: Januar 2015

Theater-Streaming ist ebenfalls ein Lieblings-Thema des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner. Chris Dercon, Intendant der Berliner Volksbühne, plant sogar Extra-Streaming-Stücke, es soll eine neue „digitale Bühne“, genannt Terminal Plus, geben. Künstler sollen ihre dafür geschaffenen Produktionen in der Studiobühne der Volksbühne aufzeichnen und live senden. Die Bremer Schwankhalle bietet Audio-Streams an, aber auch Podcasts zum Nachhören.

Die Bayerische Staatsoper zeigt Aufführungen unter dem Label StaatsoperTV und erreicht nach eigenen Angaben pro Stream zwischen 40.000 und 100.000 User. Da die Staatsoper seit Jahren unverändert an einer Auslastung von 100 Prozent kratzt, verliert sie dadurch keine Zuschauer, sondern „generiert zusätzliches Publikum“, wie eine Sprecherin sagte.

Am ältesten städtischen Theater Deutschlands in Ulm werden schon seit 2012 Vorführungen von der Bühne abgefilmt und gestreamt. Auf 4000 Online-Zuschauer kommen sie erst pro Spielzeit. „Das ist jetzt noch nichts, wo man Angst haben muss, dass man sich das Haus leerstreamt“, sagte Verwaltungsdirektorin Angelika Weißhardt. Nicht nur Schwaben schalteten dabei zu. „Zwei Drittel sind überregional.“

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