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12.06.2011

11:51 Uhr

Theaterförderung

Das wundersame Festspielhaus

VonSven Prange, Claudia Schumacher

Das Baden-Badener Festspielhaus ist das einzige deutsche Theater, das kein Geld vom Staat nimmt. Baden-Baden ist aber auch eine Bühne, die innovative Ideen den staatlichen Subventionen vorzieht.

Probe für "Der Freischütz" in Baden-Baden.

Probe für "Der Freischütz" in Baden-Baden.

Nach sechs Wochen im Amt hält Andreas Mölich-Zebhauser es nicht mehr aus. Es ist das Jahr 1998, und er ist der neue Intendant des Festspielhauses in Baden-Baden. Aber kaum einer kommt hin, kaum einer, der sich etwa das Hamburger Ballett mit Leonard Bernstein Dances anschauen möchte, selbst das Sankt Petersburger Mariinsky-Theater zieht nicht. In den Büchern, die er übernimmt, stehen hohe Kosten und geringe Einnahmen.

Mölich-Zebhausers Vater war Dirigent und Pianist, die Mutter Sängerin, und er hatte immerhin Lehramt studiert, bevor er ins Musikmanagement einstieg und auch mal BWL im Nebenfach studierte. Dort lernte er ein einfaches Gesetz: wo keine Nachfrage, da ist womöglich der Preis zu hoch.

Mölich-Zebhauser zieht eine radikale Schlussfolgerung: Er verschenkt die Eintrittskarten. Zum ersten Mal seit Monaten füllt sich eines der größten Festspielhäuser Europas mit 2500 Plätzen bis auf den letzten Platz.

Die Freikarten-Aktion ist Auftakt einer Innovations-Serie in der Baden-Badener Kulturwelt, die zu einer überraschenden Pointe führt: Heute leitet Mölich-Zebhauser das einzige deutsche Haus für Hochkultur, das ohne Geld vom Staat auskommt.

Das illuminierte Festspielhaus.

Das illuminierte Festspielhaus.

Der Intendant hat zusammen mit seinem Geschäftsführer Michael Drautz beim Festspielhaus Baden-Baden die im Kulturbetrieb weit verbreitete Subventionitis geheilt. Die Methode war gar nicht so abwegig: betriebswirtschaftliches Einmaleins. Sie umzusetzen schon eher: Im Betrieb der Hochkultur ist der Gedanke, keine Subventionen zu nehmen, für viele Manager undenkbar – sie sind Teil der Geschäftsgrundlage.

Kaum irgendwo hat sich die Subventionitis so epidemisch ausgebreitet wie in der deutschen Hochkultur. Es gibt etwa 900 Bühnen im Land – Opern, Ballette, Theater – die nur dank 2,1 Milliarden Euro aus Steuergeldern existieren können.

Wer auf Subventionen vertrauen kann, wird oftmals träge. Er muss sich ja nicht mehr um seine Einnahmen kümmern – und gewöhnt sich schnell an das Geld vom Staat. Doch im Gegensatz zu so mancher Kultureinrichtung messen die Subventionsgeber etwa die Landwirte an harten Kriterien: Sie müssen die Landschaft schützen, die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen, Fortschritte im Tierschutz nachweisen.

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