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12.01.2007

10:56 Uhr

Themenschwerpunkt Katalonien

Sant Jordi oder die Liebe zum Buch

VonStefanie Müller

Bei der kommenden Frankfurter Buchmesse soll die spanische Region Katalonien besonders herausgestellt werden. Rund 1 800 Repräsentanten der literaturbegeisterten Region werden im Oktober für das heimische Verlagswesen werden, doch ausgerechnet das internationale Aushängeschild, der Autor Juan Marsé, weigert sich, dabei mitzumachen.

BARCELONA. Wer in Spanien ein Buch veröffentlichen will, der kommt an Barcelona nicht vorbei. Dort sitzen die meisten Literaturagenten und viele bedeutende Verlage des Landes. Die katalanische Hauptstadt hat aber auch wichtige Schriftsteller hervorgebracht, wie den Krimi-Autor Manuel Vázquez Montalbán (1939-2003), der auch in Deutschland beliebt ist, oder den politischen Schriftsteller und Journalisten Josep Pla i Casadevall (1897-1981). Die Liebe der Katalanen zum Buch beweist auch die Tradition des Sant Jordi, des heiligen Georg. Das Fest zu Ehren des katalanischen Schutzheiligen am 23. April machten die Buchhändler zur Promotion in eigener Sache: Verliebte schenken sich eine Rose - und ein Buch.

Die große Affinität der Katalanen für das Buchgeschäft ist ein Grund, warum die autonome spanische Region bei der kommenden Buchmesse in Frankfurt besonders herausgestellt werden soll. 1 800 Repräsentanten werden im Oktober für das katalanische Verlagswesen werben. 200 Schriftsteller der Region werden ihre Werke vorstellen, und 15 Kulturveranstaltungen auf der Messe sollen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Allerdings ist der Markt für Literatur in katalanischer Sprache klein: Rund um den Globus sprechen nur etwa zehn Millionen Menschen die dem Spanischen verwandte Sprache. "Wir hoffen deswegen, viele ausländische Verleger von der Übersetzung katalanischer Werke zu überzeugen", erklärt Anna Soler-Pont, Projektverantwortliche.

Auf die Unterstützung vieler bekannter heimischer Literaten muss sie dabei jedoch verzichten. "Wir Katalanen haben immer gewusst, unsere Kultur gut zu verkaufen und Networking zu betreiben. Aber ohne Spanisch und Spanien kommen wir einfach nicht weiter", sagt Juan Marsé, einer der bekanntesten lebenden katalanischen Schriftsteller, dessen in Barcelona handelnde Erzählungen bereits in viele verschiedene Sprachen übersetzt wurden - zuerst aber immer auf Spanisch erscheinen. Er kritisiert, dass Katalonien sich als kulturelle Insel innerhalb Spaniens betrachtet.

Das Projekt der Frankfurter Buchmesse sah zum Beispiel zunächst vor, nur solche Autoren zu präsentieren, die katalanisch schreiben. Nur wegen der starken Kritik der Schriftsteller hat man das Konzept geändert und auch solche katalanischen Autoren zugelassen, die spanisch schreiben, wie Marsé. Aber der Autor selbst, der von sich sagt, er sei kein Intellektueller, weigert sich noch immer, dabei mitzumachen: "Ich will nicht von der Politik instrumentalisiert werden."

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