Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2015

18:27 Uhr

Thomas Gottschalk zum 65.

Ein Fernsehkönig ohne Reich

Thomas Gottschalk ist der letzte große Showmaster des deutschen Fernsehens. Seine Art und seine Fähigkeiten sind einzigartig – doch heute kaum noch gefragt. An seinem 65. Geburtstag ist seine Zukunft offener denn je.

Der Showmaster gehört einer aussterbenden Berufsgattung an. Gelingt ihm noch ein Comeback? dpa

Thomas Gottschalk wird 65

Der Showmaster gehört einer aussterbenden Berufsgattung an. Gelingt ihm noch ein Comeback?

Berlin65 Jahre und die Stunde null: Wenn andere Menschen beginnen, in privater Umgebung ihre Rente zu genießen, steht Profi-Entertainer Thomas Gottschalk an der Schwelle eines neuen, beruflichen Lebensabschnitts. Der langjährige „Wetten, dass..?“-Moderator, der 2011 mit feuchten Augen von der Bühne abtrat, schmiedet Zukunftspläne, auch wenn noch nicht so ganz klar ist, in welche Richtung der Zug abfährt.

Fest steht aber: Gottschalk füllt die große Bühne aus, er ist vermutlich der einzige Showmaster in Deutschland, der den galanten Grandseigneur geben kann, mit Stil, mit Witz, mit Charme. Nicht klar ist: Wird er für so einen Job noch gebraucht, will der Deutsche noch eine Show sehen, in der ein Strahlemann mit schriller Abendrobe und ausgebreiteten Armen die Showtreppe hinab schreitet?

Thomas Gottschalk: Die wichtigsten Stationen seiner Karriere

Ab 1971

Gottschalk ist freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk (BR), ab 1973 ist er Sprecher der „Abendschau“-Nachrichten.

1976

Gottschalk bekommt eine Festanstellung beim BR und heiratet seine Freundin Thea. Seine witzigen Ansagen in der Hörfunksendung „Pop nach acht“ kommen bei den Zuhörern gut an.

1977

Er moderiert die Sendung „Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit in der ARD zu sehen ist.

1982 Teil 1

Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm „Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen.

1982 Teil 2

Gottschalk wechselt zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort „Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow.

26. September 1987

Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung „Wetten, dass...?“ als Nachfolger von Frank Elstner. Knapp 21 Millionen Menschen sehen zu. Mit Ausnahme einer Pause in den Jahren 1992 und 1993 war er bis 2011 Showmaster der Sendung.

1990

Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show.

1995 bis 1997

Auf Sat.1 moderiert er „Gottschalks Hausparty“.

1999

Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma dolce media GmbH in München.

2004

„Thomas Gottschalk. Die Biografie“ von Gert Heidenreich erscheint.

September 2009

Mit Michelle Hunziker hat Gottschalk erstmals eine Co-Moderatorin bei „Wetten, dass..?“

4. Dezember 2010

Der Kandidat Samuel Koch verunglückt bei einer Wette schwer und bleibt gelähmt.

12. Februar 2011

Gottschalk kündigt seinen Rücktritt nach Ablauf der Staffel im Sommer an.

30. April 2011

Gottschalk moderiert seine letzte reguläre „Wetten, dass..?“-Sendung.

18. Juni 2011

Gottschalk moderiert die letzte Sommer-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ auf Mallorca.

2012

Seit Januar 2012 moderierte er viermal wöchentlich Gottschalk Live, eine halbstündige Vorabend-Talkshow der ARD, in der Gottschalk überwiegend prominente Gäste aus den Bereichen Lifestyle, Entertainment und Kultur empfing. In der Sendung ging es neben Unterhaltung auch um die aktuellen Themen des Tages. Gottschalk Live wurde vor der Tagesschau ausgestrahlt und sendete anfangs live aus Berlin aus einem Studio nahe dem Gendarmenmarkt. Ab April 2012 wurde die Sendung aufgezeichnet. Mangels Zuschauerinteresse wurde die Show schon am 6. Juni 2012 eingestellt.

September 2012

Am 22. Juni 2012 wurde bekannt, dass Gottschalk zum Sender RTL wechseln und dort in der Sendung Das Supertalent mitwirken wird. Vom 15. September 2012 bis zum 15./16. Dezember 2012 saß er dort neben Dieter Bohlen und Michelle Hunziker in der Jury. Im März 2013 gab er jedoch bekannt, dass er 2013 keinen Platz mehr in der Jury einnehmen werde. Durch das Ende von Gottschalk Live hat er vertraglich die Möglichkeit, auch für einen anderen Sender zu arbeiten.

2013

Am 22. Mai 2013 teilte RTL in einer Pressemitteilung mit, dass Gottschalk dem Sender erhalten bleibe und in Zukunft weitere Show-Formate moderieren werde. Zudem sicherte sich RTL eine Exklusivität gegenüber den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten.

In der erstmals am 9. September 2013 auf RTL ausgestrahlten Live-Show Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle, tritt Thomas Gottschalk mit Günther Jauch gegen mehrere Studiokandidaten, das Studiopublikum und die Fernsehzuschauer an. Moderiert wird sie von Barbara Schöneberger.

Gottschalk selber, der an diesem Montag 65 Jahre alt wird, ist sich da auch nicht so sicher. Seine einstige Visitenkarte, „Wetten, dass..?“, ist abgeschafft, das ZDF hat die Show nach einem Quoten-Sinkflug (der schon unter Gottschalk begann) Ende 2014 mit Markus Lanz als Frontmann eingestellt. Gottschalk meint, in Serienform sei das Format am Ende. „Als Event einmal im Jahr könnte es aber funktionieren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und öffnet sich mit dieser Aussage ein Hintertürchen.

So glanzvoll seine „Wetten, dass..?“-Vergangenheit auch ist, mit Alternativen auf dem Bildschirm hat der Entertainer nicht immer ein glückliches Händchen gehabt: Sei es Anfang der 90er Jahre, als er nach seinem ersten Abgang von „Wetten, dass..?“ bei RTL den Late-Night-Talk im deutschen Fernsehen salonfähig machen wollte, die Führung des Kölner Privatsenders aber an den Quoten herummäkelte. Sei es bei seinem Seitensprung in den späten 90er Jahren zu Sat.1 - umwerfenden Erfolg hatte die „Haus Party“ dort nicht.

Gottschalk lästert in Biografie: „Bohlen unterwirft alles dem Ziel, gut auszusehen“

Gottschalk lästert in Biografie

„Bohlen unterwirft alles dem Ziel, gut auszusehen“

„Kaiser Dieter“ und der Circus Maximus: In seiner Autobiografie „Herbstblond“ rechnet Thomas Gottschalk mit seinem Ex-„Supertalent“-Kollegen Dieter Bohlen ab – und erklärt, warum er nicht auf Konfrontationskurs ging.

Der größte Dämpfer erwischte ihn aber 2012, als er nach seinem zweiten Abtritt von der „Wetten, dass..?“-Bühne bei der ARD Fuß fassen wollte und mit der Vorabendshow nach einem furiosen Einstieg mit mehr als vier Millionen Zuschauern im Quoten-Nirwana unter einer Million landete. Nach rund vier Monaten wurde das Projekt beendet. Sein Versuch, an Dieter Bohlens Seite bei RTL „Das Supertalent“ aufzuwerten, honorierte das Publikum nicht, das Duett mit seinem alten Wegbegleiter Günther Jauch in der Show „Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle“ läuft dagegen besser.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×