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03.03.2012

17:50 Uhr

Thomas Ruff

Fotografieren ohne Kamera

VonBettina Beckert

Thomas Ruff ist ein gefeierter Fotokünstler. Bilder nimmt er meist nicht mehr selbst auf, er lädt sie aus dem Netz herunter und bearbeitet sie. München gewährt nun einen Einblick in sein vielseitiges Gesamtwerk.

Bilder der Sonderausstellung "Thomas Ruff. Stellar Landscapes". dpa/picture alliance

Bilder der Sonderausstellung "Thomas Ruff. Stellar Landscapes".

MünchenBizarre Felsformationen, geheimnisvolle Dünen und apokalyptische Kraterlandschaften. Thomas Ruff empfängt die Besucher seiner Ausstellung im Münchener Haus der Kunst mit einem Blick in die Zukunft. Die Aufnahmen zeigen Mars, den roten Planeten, allerdings nachdem Ruff sie bearbeitet hat.

Der Fotokünstler, der weltweit in den wichtigsten Sammlungen vertreten ist, drückt seit vielen Jahren nicht mehr den Auslöser einer Kamera, sondern eignet sich sein Bildmaterial im Internet an. Auf seiner „Lieblingshomepage“, so Ruff, der der Nasa, fand er die Aufnahmen der Marssonde. Er stauchte sie, veränderte den Blickwinkel und überarbeitete sie farblich.

Die Werke seiner jüngsten Serie „m.a.r.s.“ bilden den Auftakt zu der gelungenen Retrospektive im Haus der Kunst. In den monumentalen Räumen werden die wichtigsten Werkgruppen aus 33 Schaffensjahren des 1958 geborenen Künstlers gezeigt.

Für Kurator Thomas Weski ist Thomas Ruff „der Inbegriff eines wissenschaftlichen Künstlers. Indem er das Thema in einzelne Teile zerlegt, kommt er zu einer Bildfindung, die originär ist und zugleich eine enorme Komplexität aufweist.“ Seltsam vertraut erscheinen die Werke der Serie „jepg“, die im zentralen Ausstellungsraum gehängt sind. Das ist nicht verwunderlich, denn die Vorlagen, wie ein Atompilz über dem Meer oder die einstürzenden Zwillingstürme in New York, haben sich als Bilder ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Ruff intensivierte die Pixelstruktur - bei nahem Abstand bewirkt dies eine malerische Abstraktion, von der Ferne eröffnet sich dem Betrachter das reale, fotografische Bild. Dazwischen hängen kompakte, farbintensive quadratische Aufnahmen des Saturns und seiner Monde aus der Serie „cassini“, die Ruffs lebenslanges Interesse an der Astronomie widerspiegeln.

„Fotografie oder Wissenschaft?“ Diese Frage stellte sich Ruff am Ende der Schulzeit. Er entschied sich gegen Astronomie und für die Fotografie. Die einzige Fotoklasse, die es an einer Kunstakademie gab, war die von Bernd und Hilla Becher in Düsseldorf, Ruff war einer ihrer ersten Schüler.

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