Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2012

09:34 Uhr

Thoralf Knobloch

Lakonische Malerei

Höchstens 40 Bilder verlassen jährlich das Atelier von Thoralf Knobloch. Auf ihnen herrschen gedämpfte Farben und klare Linien. Bis in die amerikanische Sammlung Rubell haben es die Arbeiten des ostdeutschen Malers geschafft. Trotzdem haben seine Preise noch erschwingliche Größenordnungen.

Thoralf Knobloch: "Dach vor Feld", 2008, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Galerie Gebr. Lehmann Dresden, Berlin

Thoralf Knobloch: "Dach vor Feld", 2008, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

BerlinDas Boot liegt kieloben im tiefgrauen Eis. Fahles Winterlicht taucht das Holz des schlichten Ruderbootes in ein warmes Ockerbraun. Blass spiegelt sich das Holz im Eis. Ein Stein mit einer Schneehaube bricht durch das Eis, dazu etwas Schilf. Sonst ist nichts zu sehen auf diesem Bild, das Ufer des Sees scheint im frostigen, winterlichen Dunst verschwunden.

Ein schlichtes Motiv, extrem sparsam gemalt in einem großen, lastenden Querformat. Klare Linien heben das Boot vom formlosen Grau in Grau des eisigen Hintergrunds ab. Das Ufer ist durch eine einzige, feste Linie angedeutet, das Schilf durch ein fast provozierend einfaches Gestrichel in Schwarz und Gelb dargestellt. Und doch entfaltet das Motiv eine fast unwirkliche Präsenz – Schönheit durch extreme Konzentration der malerischen Mittel.

Schüler der Dresdener Kunstakademie

Aus dem vergangenen Jahr stammt dieses Bild des 1962 in Bautzen geborenen, in Dresden ausgebildeten und in Berlin lebenden Malers Thoralf Knobloch. Zu sehen ist es jetzt neben rund 30 weiteren Bildern in der ersten Museumsausstellung des Künstlers im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus. Die Ausstellung unter dem Titel „Im Abseits“ ist eine Koproduktion mit der Städtischen Galerie Dresden und präsentiert einen der wichtigsten figurativen Maler aus dem Osten der Republik.

Wie seine hoch gehandelten Kollegen und Generationsgefährten Frank Nitsche und Eberhard Havekost ist Knobloch Schüler von Ralf Kerbach an der Dresdner Kunstakademie gewesen. Diese Dresdner Maler waren stets objektbezogener, realistischer als die Maler der so genannten Neuen Leipziger Schule, die stärker Anleihen am Surrealismus machten oder sich an individuellen oder historischen Mythologien abarbeiteten.

Das Foto als Ausgangspunkt

Bei Thoralf Knobloch steht immer eine Fotografie am Anfang des Arbeitsprozesses. Am Computer legt Knobloch dann den genauenBildausschnitt fest. Seine Motive sind oft unscheinbar, lakonisch: Verkehrsschilder, Tankstellen, ein Steg am See, eine Datsche im Ferienpark oder eine winterliche Flusslandschaft mit umgekippten Bäumen. Die Bilder lassen sich in der reizarmen, spröden Region im brandenburgischen Umland von Berlin orten, aber das ist ziemlich unwichtig.

Wichtig ist die Konzentration auf das Wesentlichste. Und dies schafft Knobloch im Malprozess. Immer relativ wenige Farben trägt er häufig flächig auf. Das Rot eines Verkehrsschildes, die gelben Deckel von Mülltonnen, das Blau einer Tür oder die rote Winterverkleidung eines Fensters an einem Ferienhaus – das sind die fast schon grellen, auffälligen Farbtupfer auf einer meistens gedämpften Farbpalette. Die Bilder haben klare Linien, klare Fluchten. Details werden im Malprozess oft auf Andeutungen reduziert. Was schließlich gezeigt wird, erhält eine überraschende Monumentalität.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×