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06.02.2012

15:53 Uhr

Tiermalerei

Hühnerhund im kunsthistorischen Olymp

George Stubbs gilt als bester englischer Tiermaler des 18. Jahrhunderts. In München stehen Sammler und Liebhaber jetzt Schlange, um seine erste Ausstellung außerhalb Englands zu sehen.

George Stubbs: "Hühnerhund", um 1766. (Ausschnitt) Neue Pinakothek, München

George Stubbs: "Hühnerhund", um 1766. (Ausschnitt)

MünchenDer britische Tiermaler George Stubbs (1724-1806) erlebt derzeit scheinbar eine Renaissance. Stolze 22 Millionen Pfund zahlte ein Sammler letztes Jahr bei Christie’s für „Gimcrack on Newmarket Health“. Auch fern von England, der Heimat der „Sporting Art“, faszinieren seine lebensnahen und eindrucksvollen Pferdedarstellungen. Bereits am ersten Sonntag nach der Eröffnung der Ausstellung „George Stubbs. Science into Art“ in der Neuen Pinakothek München stand man Schlange an der Museumskasse.

Für Stubbs trifft die Erkenntnis zu, dass jede Zeit ihre ganz eigene Kunst hervorbringt. Das aufklärerische Interesse an Wissenschaft und Natur im 18. Jahrhunderts und die britische Begeisterung für Pferde sind die Koordinaten, an deren Schnittstelle er um 1760 zu dem wohl am meisten gefragten Tiermaler des britischen Adels aufstieg. Er malte kostbare Zuchthengste und siegreiche Rennpferde. Und wer wie er exakt, aber auch mit einer gewissen Bewunderung die Physiognomie und Schönheit dieser Tiere erfassen konnte, musste nicht lange warten, bis die High Society auch Porträts von Hunden in Auftrag gab.

George Stubbs: "Zebra", 1763. (Ausschnitt) Yale Center for British Art, Paul Mellon Collection

George Stubbs: "Zebra", 1763. (Ausschnitt)

Ein Zebra macht Schule

Wissenschaftskreise hingegen schätzten seine akribischen Darstellungen von exotischen Tieren. Seine Darstellung des Zebras der Königin Charlotte etwa wurde als genaues Abbild einer Spezies gesehen. Stubbs Talent lag darin, diesen edlen Geschöpfen ohne dramatische Pose, ohne Schauattitüde einen großen Auftritt zu geben. Das gelang ihm, ganz gleich, ob er Stuten und Fohlen mit einem Hauch Romantik in die englische Landschaft einbettete oder die Kühnheit wagte, sie ganz ohne Hintergrund zu malen. Unübertroffen war zudem seine anatomische Genauigkeit. 18 Monate hatte er 1756/57 Pferde seziert, um jeden Muskelstrang und jeden Knochen präzise aufs Papier zu bringen für sein viel beachtetes Tafelwerk „Die Anatomie des Pferdes“.

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