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26.05.2012

01:23 Uhr

Tourauftakt in Frankfurt

Springsteen feiert Anti-Wall-Street-Party

Auf seinem neuesten Album singt Bruce Springsteen über die Wirtschaftskrise, und will deren Opfer ein Ventil geben. Jetzt auch live in Deutschland: In Frankfurt hat er den Auftakt seiner Deutschland-Tour gefeiert.

Wut auf die Wall Street prägen die Songs des neuen Springsteen-Albums „Wrecking Ball“. Reuters

Wut auf die Wall Street prägen die Songs des neuen Springsteen-Albums „Wrecking Ball“.

Frankfurt/MainNach drei Stunden und vier Minuten sinkt Bruce Springsteen völlig erschöpft rücklings auf die Bühne und winkt ab. Er bekommt einen Schwamm mit kaltem Wasser über dem Gesicht ausgewrungen. Dann geht es weiter.

Aber der Reihe nach: Es ist noch nicht ein Takt gespielt bei seiner ersten Station der Deutschland-Tour, da ertönen von den 41.000 Fans in der ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena schon lang gezogene „Bruuuuce“-Rufe.

Die Fans wissen was sie an ihrem Idol haben. Wer zu Springsteen geht, erlebt kein Konzert von der Stange. Während der seit Mitte März laufenden Tour „Wrecking Ball“ hat der US-Amerikaner bereits rund 80 verschiedene Songs gespielt. Je nach Lust und Laune.

Nach drei Stunden und zwanzig Minuten ging er: Bruce Springsteen. AFP

Nach drei Stunden und zwanzig Minuten ging er: Bruce Springsteen.

Aktuell ist „the Boss“ wütend. Wütend auf Finanzjongleure, Hedgefonds und Machtmenschen, mit denen er auf seinem 17. Album, „Wrecking Ball“ (Abrissbirne), abrechnet.

„Ich bin ein 62-jähriger Familienvater aus New Jersey, der es nicht fassen kann, wieviel in meinem Land falsch läuft“, hatte Springsteen unlängst in einem Interview gesagt. Passend zu seiner Gemütslage erscheinen Springsteen und seine 15-köpfige E-Street-Band in schwarz. Auch die Bühne ist ganz schwarz und verzichtet auf jeglichen Schnickschack.

Im ersten Drittel des Konzert unter wolkenlosem Himmel macht Springsteen seinem Ärger am meisten Luft und spielt viele Songs vom aktuellen Album. Das Stück „Death To My Hometown“ ist dabei eine Art Antwort auf „My Hometown“ von 1982, als Springsteen auf sein Heimatland noch besser zu sprechen war. „Viele Leute in den USA verlieren ihr zu Hause. Dies ist ein Lied für alle, die kämpfen“, kündigt Springsteen das Lied „Jack of All Trades“ an, in dem neben seinem Trauergesang auch Bläser, Geige, Ukulele und Pauke zu hören sind.

Kommentare (8)

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Julifrau

26.05.2012, 10:52 Uhr

Besser kann man dieses Konzert in wenigen Worten wohl nicht beschreiben. Danke für diesen Artikel.

Und vor allem Danke Bruce und deiner E-Street-Band. Es war gigantisch - wie eigentlich immer. Doch noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass wirklich jeder einzelne im Publikum dein/euer herzlich willkommener Gast ist und dieses Konzert im Endeffekt nur für ihn gespielt wird.

Es war ergreifend mitzuerleben, wie das Publikum nach 'Sunny Days' dann endgültig 'genommen' war, keiner saß mehr, die Arme waren vor Begeisterung nach oben gestreckt, und immer wieder erhalten die Bruuuuce-Rufe. Eigentlich muss es sich für die Band wie ein 'Heimspiel' in den USA angefühlt haben.

Toll zu erleben, dass diese Musik offensichtlich generationenübergreifend ist, das macht Hoffnung, dass Mehrgenerationenhäuser doch funktionieren können und klasse, dass sich der gestandene Mann Springsteen nicht von den Lichter irritieren liess, die pünktlich um 23:00 Uhr die Commerzbank-Arena samt der Zuschauer erhellte, sondern die Zugaben einfach spielte und spielte und spielte.

Und noch meinen Respekt auch vor der Leistung von Jake Clemons. Und Clarence war sowieso dabei.

Nochmals Danke! Auch an alle, die dieses Konzert möglich machten.

Sabine Wagner

udo.reuter1@t-online.de

26.05.2012, 12:56 Uhr

Ich frage mich, ob der Erstartikelverfasser besoffen oder sonst was war, das Konzert hat volle 3,5 Std. gedauert und nicht 3 Std. und 4 Minuten wie geschrieben. Die Person ist keineswegs seiner Aufgabe - für die er auch noch bezahlt wird - gewachsen, völlig dilettantisch.
Ansonsten ein Superkonzert von Springsteen mit ehrlich abgelieferter Ware, grundsolide, an dem sich viele Rockstars u. ä. mit bis zu nur 1,5 Std.-Konzerten bei gleichen oder ähnlichen kartenpreisen eine Scheibe abgucken und abschneiden können.
Ansonsten hat Sabine Wagner alles bestens kommentiert.

udo reuter

Vollo

26.05.2012, 13:35 Uhr

@Udo Reuter man muß den Artikel schon richtig lesen und verstehen können. "Nach drei Stunden und vier Minuten sinkt Bruce Springsteen völlig erschöpft rücklings auf die Bühne und winkt ab. Er bekommt einen Schwamm mit kaltem Wasser über dem Gesicht ausgewrungen. Dann geht es weiter." So war es und dann ging es tatsächlich weiter, bis fast 23:30. Der Artikel ist gut geschrieben. Im Gegensatz zu dem, was man in anderen Onlinezeitungen ließt. Der Artikel in "Welt-Online" ist dilettantisch geschrieben. Der ist einfach nur schlecht.
Hier wurde alles gesagt und es entsprach auch der Realität. Das Sahnehäubchen hat natürlich noch Sabine Wagner dem Ganzen aufgesetzt. Ein toller Kommentar.
Und der Boss wäre nicht der Boss, wenn er sich sagen lassen würde, wie lange er seine Konzerte spielen müsste. Und schon gar nicht von der angestaubten Stadt Frankfurt. Die Fans haben viel Geld dafür gezahlt und es ist sein recht, es den Fans zurück zu zahlen. In Form einer einmaligen tollen Rocknacht. Danke Bruce!

Volker Hiege


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