Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2013

18:08 Uhr

Tribal Art

"Die Heilige Mutter ist keine Handelsware"

VonOlga Grimm-Weissert

Massive Proteste begleiteten die Versteigerung von 70 Indianer-Masken in Paris. Das hat ihre Preise hochschnellen lassen. Eigentlich dürfen die Kultobjekte der Hopi Indianer nicht verkauft werden, weil sie Stammeseigentum sind. Außerhalb der USA ist ihr Verkauf jedoch nicht verboten.

Ausdrucksvolle Helm-Maske der Hopi-Indianer. (Ausschnitt) Hotel Drouot, Paris

Ausdrucksvolle Helm-Maske der Hopi-Indianer. (Ausschnitt)

ParisJe mehr Objekte amerikanischer Stammeskunst in Paris zur Versteigerung kommen, umso häufiger und energischer werden die Protestaktionen gegen deren Kommerzialisierung. Im Hôtel Drouot organisierte das Auktionshaus Neret-Minet Tessier & Sarrou am 12. April eine Versteigerung mit 70 „Kachina“-Masken des Indianer-Stammes Hopi. Sie brachte 931.435 Euro ein.

Gescheitertes Schnellverfahren

Davor hatte die Hilfsorganisation „Survival International“ ein Schnellverfahren beim Pariser Landgericht eingereicht, um die Auktion zu verhindern. Da der Verkauf der Hopi-Masken trotz ihres sakralen Charakters außerhalb der USA nicht verboten ist, entschied das Gericht zugunsten der Auktion. Die internationale Pressekampagne zur Unterstützung der Hopi und ihrer religiösen Symbole richtete die Aufmerksamkeit auf den Auktionstermin und den bewusst provokanten Auktionator Gilles Neret-Minet. Sein drakonisch agierendes Sicherheitsteam überwachte den übervollen Saal, in dem sich ein Dutzend Hopi-Anhänger befanden. Nach jeder Unterbrechung der Auktion wurden diese sofort hinausbegleitet.

Eigentum des Stammes

Die in Nord Arizona lebenden 18.000 Hopi Indianer verwenden die „Kachina“-Masken für ihre rituellen Tänze. Sie verkörpern den Geist ihrer Naturgötter. Im Gegensatz zu den „Kachina“-Puppen, die als Geschenke dienen, sind die Masken Gemeinschaftseigentum des Stammes und theoretisch unverkäuflich. Dennoch gelangten sie auch in Museen und Sammlungen. Die eindrucksvollen Formen und Pigment-Farben, die Motive, das Material (u.a. Leder, Federn) machen sie zu begehrten Objekten. Der französische Einlieferer hatte die 70 „Kachina“-Masken angeblich in den USA erworben.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wolfsfreund

24.04.2013, 12:37 Uhr

"Eine elegante Saalbieterin erwarb im Drouot das höchstdotierte Los, eine sogenannte „Krähen-Mutter“-Maske für 198.278 Euro. *Unter dem Beifall des Saals...*"
-----------------------------
Barbaren!

jens.bach@emaildeutschland.de

06.05.2013, 17:31 Uhr

es ist eine schande was alles bei privaten sammlern verschwindet, und die meisten kunstgegenstände werden wohl nie wieder auftachen, wo es doch so sinnvol wäre die stücke in öffentlichen museen auszustellen und der allgemeinheit zugänglich zu machen

-----------

dito barbaren!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×