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26.05.2012

16:33 Uhr

Trotz Hypes

Die „Gunter Sachs Collection“ feiert den Triumph

VonMatthias Thibaut

Die Sammlung des einstigen Lebemanns hat die Erwartungen deutlich übertroffen. Die Sotheby’s-Auktion war ein Triumph von Hype und Nostalgie über die Regeln des Kunstmarktes. Das Beste behalten die Erben aber für sich.

Das pikante Möbelstück „Table“ von Allen Jones wurde für 1,2 Millionen Euro versteigert. dpa

Das pikante Möbelstück „Table“ von Allen Jones wurde für 1,2 Millionen Euro versteigert.

LondonVor einem Jahr entzog sich der einstige deutsche Welt- und Lebemann Gunter Sachs per Schusswaffe der Aussicht auf Siechtum und Verfall. Nun hatte seine Kunst noch einmal das Sagen, die ewig lebt und immer jung ist.

Sotheby's Marketing-strategen boten ihr ganzes Können auf, und der Erfolg gab ihnen recht: Die rasante Gesamteinnahme von über 41 Millionen Pfund für die "Gunter Sachs Collection" war einmal mehr ein Triumph von Hype und Nostalgie über die Regeln des Kunstmarkts. Es war das Doppelte der Schätzung, die Rückgänge waren gering - in der Abendauktion nur drei Prozent nach Wert und vier von 41 Losen, nur wenig schlechter in der Tagauktion mit sehr gemischtem Material.

Was Sotheby's in knapp 300 mit "Gunter Sachs Collection"- Etiketten behängten Losen anbot, war nur ein Teil der Hinterlassenschaft und keineswegs ihr innerster Kern. Es war, trotz Sotheby's werbenden Beteuerungen, auch keine wirkliche Trendsetter-Aktion: Einigen attraktiven Highlights in der Abendauktion folgte ein langer Schwanz an vergessener und durchaus vergessenswerter Kunst, die unter normalen Umständen wenig Aufsehen erregen würde und die Geschmackssicherheit des Sammlers nicht immer im besten Licht scheinen ließ. Doch nun durfte alles im Glanz seines verzauberten Lebens noch einmal aufleuchten: "Die Auktion war eine Hommage an Gunter Sachs, einen Mann, der so gern mit seiner Kunst lebte", schwärmte Sotheby's Contemporary-Chefin Cheyenne Westphal.

Nicht zuletzt profitierten von der Aufregung auch eigene Werke des Playboys. Sachs tanzte ja auf vielen Hochzeiten, war Sammler und Galerist, Filmproduzent, Bobweltmeister und Fotograf. Die Erben nutzten die Gunst der Stunde und brachten einige Arbeiten in neuen Auflagen unters Volk - etwa das im Helmut-Newton-Stil fotografierte und collagierte "Ascot" in einer 15er-Auflage im Superformat 125 x 188 cm. Das frisch gedruckte Exemplar Nummer 9 war für 8 000 bis 12 000 Pfund angeboten und kam auf erstaunliche 205 250 Pfund. "Sachs sells", witzelte der Auktionator der Tagauktion, Oliver Barker.

Das Beste behalten die Erben für sich, das Allerbeste hatte der Sammler schon lange vor seinem Tod zu verkaufen begonnen. 2006 tauschte Sachs Andy Warhol und Francis Bacon gegen eine Kalvarienbergszene von Pieter Brueghel d. J. ein - von der jetzt so wenig zu sehen war wie von den vielen Werken von Roy Lichtenstein aus der "Pop-Wohnung" im Turm-Penthouse des Palace Hotels in St. Moritz.

Warhols "Brigitte Bardot" zeigte, wie diese Vorauswahl funktioniert. Sachs gab die Serie mit den Warhol-Porträts seiner Ex-Frau 1974 bei Freund Andy in Auftrag und war einst stolzer Besitzer aller acht Exemplare. Etwa 2006 begann er, die besten zu verkaufen - auch die violettblaue "BB" mit roten Lippen, die 2007 bei Christie's 5,4 Millionen Pfund brachte. Die nun verkaufte Version war fotografisch blass, ohne Malerei und schaffte mit brutto 3 Millionen Pfund nicht einmal die Schätzung. In den höheren Preisbereichen funktioniert der Hype eben schlechter.

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