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27.10.2014

11:18 Uhr

TV-Kritik zum Tatort

Das hat Kommissarin Odenthal nicht verdient

VonHeidi Trabert

Tatort-Kommissarin Lena Odenthal feiert ihr Silberjubiläum sehr ungewöhnlich: Sie kann nicht schlafen, leidet unter Panikattacken und ist einsam. Und bekommt auch noch eine Kollegin, die nervt. Zehn Millionen litten mit.

Die Schauspielerinnen Annalena Schmidt als Sekretärin Edith Keller, Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal, Andreas Hoppe als Kommissar Mario Kopper und Lisa Bitter als Johanna Stern posieren für den Jubiläums-„Tatort“ aus Ludwigshafen. dpa

Die Schauspielerinnen Annalena Schmidt als Sekretärin Edith Keller, Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal, Andreas Hoppe als Kommissar Mario Kopper und Lisa Bitter als Johanna Stern posieren für den Jubiläums-„Tatort“ aus Ludwigshafen.

Hamburg/LudwigshafenZugegeben, nach dem geradezu revoluzzerhaften Tatort-Spektakel aus Wiesbaden tritt Lena Odenthal am kommenden Sonntag mit der Folge „Blackout“ ein schweres Erbe an. Aber dass die dienstälteste Ermittlerin der Krimiserie so angeschlagen durch ihren 60. Fall taumelt, das haben weder sie noch die Zuschauer verdient. Schon gar nicht zum Jubiläum (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr).

Denn in den vergangenen 25 Jahren hat sich Lena Odenthal, einst als „weiblicher Schimanski“ gefeiert, viele Sympathiepunkte erkämpft. Immerhin gibt es vom Sender SWR ein Zückerchen: Die Zuschauer dürfen ab 21.45 Uhr selbst online auf Verbrecherjagd gehen.

Die Story aus Ludwigshafen folgt dem klassischen Whodunit-Prinzip: Ein Mann wird erdrosselt und mit KO-Tropfen betäubt tot in seiner Musterwohnung gefunden – pikanterweise mit einer Champagnerflasche im Po. Schnell geraten seine betrogene Ehefrau, der in der gemeinsamen Firma vom Rauswurf bedrohte Bruder und der beste Freund und Kompagnon in Verdacht.

Lena Odenthals spektakulärste Fälle

Die Neue

Zum ersten Mal darf Lena Odenthal am 29. Oktober 1989 ermitteln, kurz vor dem Mauerfall. Eine Serie von Vergewaltigungen beschäftigt die junge Kommissarin aus dem Sittendezernat. Als ein Überfall tödlich endet, bittet sie die Mordkommission um Hilfe. Hier ist noch eine Stelle frei... Neben Ulrike Folkerts als „weiblicher Schimanski“ brilliert Michael Mendl, der einen Verdächtigen spielt.

Die Zärtlichkeit des Monsters

Von der Jägerin zur Gejagten wird Lena Odenthal, als ihr der Mörder Carsdorff (Manfred Zapatka) Rache schwört. Sie hatte den einst gefeierten Schauspieler hinter Gitter gebracht. Nun zieht der das Netz um sie immer enger. Der am 31. Oktober 1993 erstmals ausgestrahlte Fall gestaltet sich nicht nur für die Kommissarin nervenaufreibend.

Der kalte Tod

Am 6. Oktober 1996 ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Mario Kopper steigt als Lenas Assistent in die Serie ein. Seine Chefin kann sich dem morbiden Charme eines Pathologen (Matthias Habich) scheinbar nicht entziehen. Obwohl sie überzeugt ist, dass der Mann ein Mörder ist.

Tod im All

Lunik van Deeling ist tot, der legendäre Bestseller-Ufologe wurde ermordet. Das behauptet ein  anonymer Anrufer. Oder ist das Ganze nur ein grandioser PR-Gag? Plötzlich gibt es tatsächlich eine Leiche. Die am 12. Januar 1997 erstmals ausgestrahlte Folge hat neben einer besonders schrägen Story jede Menge Gaststars aufzuweisen: Dietmar Schönherr, Nina Hagen, Anke Engelke und Ingolf Lück.

Kleine Diebe

Ein viel diskutiertes gesellschaftliches Problem führt Lena Odenthal am 3. September 2000 nach München zu ihren Kollegen Batic und Leitmayr: Klaukinder aus Osteuropa. Eines von ihnen wurde ermordet. Die Ludwigshafener Kommissarin, selbst ein Opfer der kleinen Langfinger, kann wertvolle Hinweise geben.

Leyla

Und wieder fasst der Ludwigshafener Tatort ein heißes Eisen an: Organhandel. Lena Odenthal kommt  einem Sozialarbeiter (Jürgen Tarrach) auf die Spur, der illegale Einwanderer zu Organspenden „überredet“. Doch bevor ihre Ermittlungen am 31. August 2003 erfolgreich sind, muss die Kommissarin erst das Vertrauen der 12-jährigen Leyla gewinnen. Deren Bruder ist spurlos verschwunden und auch das Mädchen schwebt in Gefahr.

Roter Tod

Eine junge Klinik-Ärztin hat sich die Pulsadern aufgeschnitten – auf dem Schreibtisch liegt ihre Kündigung. In der Klinik soll ein Patient während einer Operation mit dem HI-Virus infiziert worden sein. Alles deutet darauf hin, dass die Ärztin Beweise dafür gefunden hat und bereit war, dies an die Öffentlichkeit zu bringen. Spektakulär ist Lenas Ausraster, als sie glaubt, selbst mit dem HIV infiziert zu sein. Für diesen Tatort, erstmals ausgestrahlt am 28. Januar 2007, hagelte es die meiste sachliche Kritik: Viele Ärzte merkten an, dass der existierende Aids-Schnelltest nicht zum Einsatz kam.

Der glückliche Tod

Geschäfte rund um Sterbehilfe lassen nicht nur Lena Odenthal ratlos zurück. Während ihr Kollege Kopper aggressiv auf die illegalen Machenschaften reagiert, bringt die Kommissarin ein gewisses Verständnis auf, als sie Katja Frege (Susanne Lothar) kennenlernt. Die muss mit ansehen, wie ihre 9-jährige Tochter qualvoll stirbt.

Eine dubiose Rolle spielt zudem eine junge Frau, die in der Mordnacht ebenfalls unter dem Einfluss von KO-Tropfen orientierungslos aufgegriffen wird. Dummerweise kann sie sich aber an nichts erinnern. Dass Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) in ihren Ermittlungen bis an die eigenen Grenzen geht, sind die Zuschauer gewohnt. Doch dieses Mal kann einem die Vorkämpferin für Frauen in einer Männerdomäne fast schon leidtun.

Geplagt von Schlafstörungen, Panikattacken und Einsamkeit stolpert sie mehr oder weniger durch den Fall, bei dem nahezu jede Spur ins Nichts zu laufen scheint. Zu allem Übel ist ihr bewährter Kollege und Freund Mario Kopper im Italienurlaub.

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