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25.08.2015

11:13 Uhr

„TV total“-Moderator Stefan Raab

Entertainer verliert kein Wort über seinen Abschied

Die Sommerpause ist vorbei, Stefan Raab ist mit „TV total“ zurück auf dem Bildschirm. Er witzelte über Wespen und hielt ein Schwätzchen mit Arnold Schwarzenegger. Über sein nahendes Karriereende sprach er aber nicht.

Entertainer Stefan Raab wird zum Jahresende seine TV-Karriere beenden. dpa

Stefan Raab

Entertainer Stefan Raab wird zum Jahresende seine TV-Karriere beenden.

BerlinLästermaul Stefan Raab ist wieder da: Am Montagabend kehrte der 48-jährige Entertainer nach einer mehr als zwei Monate langen Sommerpause mit seiner werktäglichen ProSieben-Show „TV total“ auf den Bildschirm zurück. Über seinen Abschied vom Fernsehen, den er zum Ende des Jahres nehmen will, verlor Raab jedoch kein Wort. „Da kann's ja wieder losgehen, wir sind zurück aus der Sommerpause“, verkündete Raab lapidar zu Beginn der Late-Night-Show.

Die Einschaltquote fiel unspektakulär aus: 760 000 Zuschauer verfolgten zu später Stunde ab 23 Uhr die Sendung „TV total“. Der Marktanteil betrug 5,4 Prozent. Beim für ProSieben wichtigen jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 Jahren lag er mit 11,2 Prozent ganz ordentlich.

Danach witzelte Raab über die heimische Wespenplage, aus der er kurz eine „Lesbenplage“ machte („Ich dachte, die Frauen-Fußball-WM ist in Kanada.“). Er empfahl, sich stechen lassen zu lassen, der Effekt sei wie bei Botox. Verbrannter Kaffee helfe auch, das erkläre, warum es bei einer großen Kaffeekette keine Wespen gebe.

Vom Metzger zum Fernseh-Visionär

Lehre zum Metzger

Den Eltern gehörte eine Metzgerei in Köln-Sülz. Dort absolvierte Stefan Konrad Raab eine Ausbildung. Er studierte auch einige Semester Jura. Die Lehre als Metzger verstand er bereits als Wettbewerb – und schloss als Bezirksbester mit Auszeichnung ab. Unter seiner Führung expandierte die Metzgerei bis hin zu einer Schnitzellounge im benachbarten Düsseldorf. Regelmäßig veranstaltete er Wettbewerbe Schweinskopf-Weitwerfen.

Jingle-Produzent

Jenseits der Fleischbranche reüssierte Stefan Raab als Produzent von Jingles. 1990 machte er sich damit selbstständig. Die alte Wurstküche wurde zum Tonstudio umgebaut. Er komponierte die Anfangsmusiken für Talkshows wie Veronas Welt oder das ARD-Morgenmagazin und produzierte für Künstler wie Bürger Lars Dietrich und Die Prinzen. Auch dem Musiksender Viva machte er ein Songangebot. Die Programmverantwortlichen luden Raab stattdessen zum Casting ein. 1993 wird der Kölner Moderator von „Vivavision“.

Prinzip Provokation

Vivavision wurde zum Versuchslabor für Raabs spätere TV-Formate. In trashiger Umgebung setzten die Macher vor allem auf: Provokation. Der Produzent der Sendung, Marcus Wolter, entwickelte auch TV Total – seit 1999 läuft die Sendung auf ProSieben. In Rubriken wie „Raab in Gefahr“ brach er beim Konkurrenz-Sender RTL ein oder veralberte Branchengrößen wie Rudi Carrell in sogenannten „Raabigrammen“. Kleine Fernsehausschnitte dienten als Grundlage für Gags.

Heftig kritisiert

Mehrfach amüsierte sich der Moderator zum Beispiel über einen kleinen Ausschnitt des Hessischen Rundfunks, in dem eine 16-Jährige sich kurz äußerte. Sie hieß Lisa Loch – wegen ihres Namens empfahl Raab eine Karriere im Porno-Geschäft. Anschließend verpflichtete ihn ein Gericht zur Zahlung von 70.000 Euro Schadensersatz. „Was Raab hier macht, ist Unterhaltung nach dem Motto: Je niedriger die Schublade, desto höher die Quote“, sagte beispielsweise der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Immer wieder fiel Raab durch politisch unkorrekte Äußerungen auf.

Eurovision Songcontest

Seine Begeisterung für den heutigen Eurovision Songcontest lebte Stefan Raab schon früh aus. Für Guildo Horn komponierte und textete er 1998 „Guildo hat euch liebt“, zwei Jahre später trat er selbst mit „Wadde hadde dudde da?“ auf, er brachte den Sänger Max Mutzke zum Wettbewerb, veranstaltete später in Zusammenarbeit mit der ARD die Sendung „Unser Star für Oslo“. Bei der Castingshow wurde die damals 18-jährige Lena Meyer-Landruth entdeckt. Mit ihr gewann Stefan Raab den ersten Platz beim Grand Prix und holte den Wettbewerb nach Deutschland. 2012 stieg er offiziell aus, er habe beim Songcontest alles erreicht.

Quotenbringer seines Senders

Bundesjugendspiele für Erwachsene oder ein schier endloses Spiel ohne Grenzen: Stefan Raab entwickelte unzählige TV-Formate und gilt heute als Visionär des Privatfernsehens. Eines der ersten war die Wok-WM 2003, es folgten Stock-Car-Challenges, der Bundesvision Songcontest, das TV Total Turmspringen, Pokernächte unter dem Label seiner täglichen Sendung, die Autoball-Meisterschaften und Schlag den Raab. Fast alle Versuche gelangen mit unterschiedlich großem Erfolg: Schlag den Raab – ein Bewerber muss im direkten Wettbewerb gegen Raab überzeugen, um einen bestimmten Geldbetrag zu gewinnen – ist bis heute ein Quotenbringer am Samstagabend.

Raab und die Politik

2005 veranstaltete Stefan Raab am Vorabend der Bundestagswahl eine Gesprächsveranstaltung mit Vertretern aller Parteien. Als Co-Moderator trat N24-Mann Peter Limbourg auf. Das Televoting nahm überraschend genau das Abstimmungsverhalten junger Wahlberechtigter vorweg. Im Herbst 2012 startete „Absolute Mehrheit“: Raab versprach nicht weniger als eine Wiederbelebung der politischen Talkshow. Wieder stand Wettbewerb im Mittelpunkt: Per Telefonabstimmung konnte einer der Teilnehmer der Gesprächsrunde gewinnen. Wer bei diesen Stimmen die absolute Mehrheit erzielte, gewann einen Geldbetrag. Insgesamt gab es sechs Sendungen.

Kanzlerduell

Das Bild Stefan Raabs in der Öffentlichkeit hat sich längt gedreht. Der einstige Berufsprovokateur moderierte 2013 sogar das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD). Raab selbst schottet sich ab. Seit 2004 gibt er dem Sender RTL und der „Bild“-Zeitung keine Interviews mehr. Private Fragen beantwortet er nicht und geht gegen Berichterstattung über seine Familie auch gerichtlich vor.

Auch Nordkoreas eigenwillige Zeitumstellung um eine halbe Stunde thematisierte Raab. Sein Studiogast: Schauspieler Ralf Moeller (56), der von seinem Handy aus per Facetime eine Verbindung zum Kollegen Arnold Schwarzenegger in Kalifornien herstellte.

Raab wird am kommenden Samstag den „Bundesvision Song Contest 2015“ präsentieren, am 12. September folgt der Herbstauftakt mit dem Spektakel „Schlag den Raab“ - diese Personalityshow soll am 19. Dezember auch den Abschluss von Raabs Bildschirmkarriere bilden, bevor er die „Fernsehschuhe an den Nagel hängt“, wie Raab es vor gut zwei Monaten formuliert hatte.

Von

dpa

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