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11.10.2012

14:10 Uhr

Überraschungssieg

Literatur-Nobelpreis geht an Chinesen Mo Yan

VonHelmut Steuer

Überraschung in Stockholm: Der chinesische Schriftsteller Mo Yan erhält den Literaturnobelpreis. Der Autor wurde mit seinem Novellenzyklus „Das rote Kornfeld" bekannt.

Der Gewinner des Literaturnobelpreises 2012: Mo Yan. AFP

Der Gewinner des Literaturnobelpreises 2012: Mo Yan.

StockholmDer diesjährige Literatur-Nobelpreis geht an den chinesischen Schriftseller Mo Yan. In der Begründung der Schwedischen Akademie heißt es, Mo Yan habe „mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint“. Mo Yan wurde 1955 geboren und wuchs in Gaomi in der Provinz Shandong im nordöstlichen China auf.

Diese Zeit spiegelt sich auch in seinen Büchern wider. In dem 1993 auf deutsch erschienen Roman „Das rote Kornfeld“ schildert er die Banditenkultur, die Okkupation durch Japan und die schwierigen Bedingungen für die verarmte Landbevölkerung. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen „Die Knoblauchrevolte“, „Die Schnapsstadt“ und “Der Überdruss“.

Hintergründe zum Literaturnobelpreis

Wichtigste Auszeichnung auf dem Gebiet

Bücher, die die Welt bewegen, nur Insidern bekannte Talente oder manchmal auch eine langerwartete Ehrung fürs Lebenswerk: Der Nobelpreis für Literatur sorgt immer wieder für Überraschungen. Er gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt und wird seit 1901 fast jährlich vergeben.

Der Stifter hatte Großes vor

Stifter des bedeutenden Preises ist der schwedische Industrielle Alfred Nobel. In seinem Testament hatte er ihn nach Physik, Chemie und Medizin als vierte Preiskategorie bestimmt. Nach dem Willen des auch literarisch interessierten Unternehmers soll ihn derjenige erhalten, „der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat“. Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.

Traditionelle Regeln

Der von der Schwedischen Akademie vergebene Literaturpreis ist mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (gut 1,1 Millionen Euro) dotiert. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm überreicht.
Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 von der Schwedischen Akademie in Stockholm vergeben. Die Auswahl der Preisträger läuft streng nach Tradition. Denn Zusammensetzung und Arbeitsweise der Sprach-Akademie richten sich nach Regeln, die auf die Gründung des Gremiums 1786 zurückgehen.

Erst nach 50 Jahren werden die Archive geöffnet

Die Akademie hat in der Regel 18 Mitglieder. Sie werden von der Akademie selbst auf Lebenszeit gewählt. Bis zur endgültigen Abstimmung über einen Preisträger liegt die Hauptarbeit beim Nobelkomitee mit fünf Mitgliedern. Es wird für drei Jahre gewählt. Zurzeit gehören dazu: Per Wästberg (78) als Vorsitzender, die Schriftsteller Horace Engdahl (63), Kjell Espmark (81), Katarina Frostenson (58) und Kristina Lugn (52). Über die Beratungen für den Nobelpreis muss 50 Jahre lang Stillschweigen bewahrt werden.

Langwierige Kandidatenwahl

Die Auswahl der Kandidaten verläuft schrittweise. Zuerst lädt das Nobelkomitee 600 bis 700 Personen oder Organisationen per Brief dazu ein, geeignete Literaten für das kommende Jahr vorzuschlagen. Empfehlungen können aber auch ehemalige Preisträger, Sprach- und Literaturwissenschaftler, wissenschaftliche Einrichtungen und Autorenorganisationen abgeben. Niemand darf sich selbst benennen.

Finale im Oktober

Spätestens bis zum 31. Januar müssen die Vorschläge in Stockholm vorliegen. Das Nobelkomitee erstellt Namenslisten, die in der Akademie schließlich auf fünf Kandidaten reduziert werden. Jedes Akademie-Mitglied beschäftigt sich dann mit dem Werk der Nominierten und erstellt Berichte. Anfang Oktober wird der Preisträger durch Wahl bestimmt. Er muss mehr als die Hälfte der Stimmen aller Akademiemitglieder bekommen. Das Geld für die Nobelpreise stiftete der Chemiker, Erfinder und Multimillionär Alfred Nobel (1833-1896).

„Das rote Kornfeld“ wurde von Zhang Yimou verfilmt und erhielt 1988 bei der Berlinale den Goldenen Bären. Die Schwedische Akademie vergleicht Mo Yans Romane in ihrer Komplexität mit denen von William Faulkner und Gabriel García Márquez. In seiner Heimat gilt Mo Yan trotz seiner oftmals gesellschaftskritischen Haltung als einer der führenden zeitgenössischen Schriftsteller.

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Kommentare (1)

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AndreasMoser

11.10.2012, 15:33 Uhr

Ich bitte um die Hilfe erfahrener Leser! Welches der Bücher von Mo Yan sollte ich zum Einstieg lesen? => http://mosereien.wordpress.com/2012/10/11/mo-yan-umfrage/ Danke!

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