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05.01.2012

11:47 Uhr

Umberto Eco zum 80.

Der Meister der literarischen Raffinesse

„Der Name der Rose“ war der Durchbruch für den Schriftsteller Umberto Eco. Eigentlich Wissenschaftler, begeistert der Italiener die Welt mit mysteriös-literarischen „Schnitzeljagden“. Jetzt wird er 80 Jahre alt.

Der italienische Autor Umberto Eco auf der Frankfurter Buchmesse in 2011. dapd

Der italienische Autor Umberto Eco auf der Frankfurter Buchmesse in 2011.

RomRaffiniert und offensichtlich mit viel Spaß vermischt er Realität und Fiktion. Vor allem aber tut er dies mit erheblichem Erfolg auf dem Büchermarkt weltweit, der selbsternannte „Meister der Vernebelung“: Der Norditaliener Umberto Eco schreibt ebenso spannende wie verschlungene Romane, voller Geistesblitze und kulturhistorischer Dichte. Der millionenfach verkaufte erste Roman „Der Name der Rose“, später kongenial von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery verfilmt, brachte Eco vor gut drei Jahrzehnten einen schlagartigen Durchbruch. Am 5. Januar wird Eco 80 Jahre alt.

Fünf Romane sollten folgen, zuletzt ging es in „Der Friedhof in Prag“ um Antisemitismus und um folgenschwere Verschwörungstheorien. Umberto Eco ist einer der Großen der zeitgenössischen Weltliteratur. Einer, dem aber der Nobelpreis noch fehlt. Woran er schreibt, da hält sich Eco immer gerne bedeckt. „Er steht für Stellungnahmen, auch rund um seinen Geburtstag, leider nicht zur Verfügung“, gibt sein Verlag einen abschlägigen Bescheid.

Romane von Umberto Eco

„Der Name der Rose“

1980: Ecos Werk über mysteriöse Todesfälle in einem Benediktinerkloster wurde in zahlreichen Ländern ein Riesen-Erfolg. Der Thriller fachte die Begeisterung für das Mittelalter an und wurde zum Kultbuch.

Das Foucaultsche Pendel

1988: Inhalt des Buches: Drei Lektoren stoßen auf ein rätselhaftes Dokument aus dem 14. Jahrhundert. Sie vertiefen sich in die Materie und entwickeln zum Spaß einen Verschwörungsplan. Dieser wird ihnen zum Verhängnis.

Die Insel des vorigen Tages

1994: Ein junger Adeliger ist als Spion für Frankreich unterwegs. Er erleidet Schiffbruch, kann sich aber später auf ein anderes Schiff retten. Doch dort ist er nicht allein.

Baudolino

2000: Der Roman entführt den Leser ins 12. Jahrhundert, wo ein junger italienischer Schelm es bis an den Hof von Kaiser Friedrich I., bekannt als Barbarossa, schafft. Er wird adoptiert und kann fortan in der Geschichte des Hochmittelalters mitmischen.

Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana

2004: Das Werk wurde unter anderem wegen der autobiografischen Züge gefeiert. Als die Hauptfigur aus dem Koma erwacht, fehlt ein Teil ihrer Erinnerungen. Also begibt sich der Mann auf Spurensuche. Schritt für Schritt findet er - und mit ihm der Leser - seine Vergangenheit wieder.

Der Friedhof in Prag

2010: Ecos jüngster Roman ist prall gefüllt mit Details aus dem 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen zynische Fälscher, politische Strippenzieher, dazu gewissenlose Geheimdienste und eine gegen Juden gerichtete Verschwörungssaga.

Was ihn weltbekannt gemacht hat, war für ihn zunächst nur ein angenehmer Nebenschauplatz: Er betrachte sich hauptberuflich als Geisteswissenschaftler, das Romanschreiben betreibe er als „Amateur“, meint der Norditaliener in seinen zum 80. Geburtstag auf Deutsch erschienenen „Bekenntnissen eines jungen Schriftstellers“. Diese Reflexionen über das Schreiben und die Literatur sind zwar schon ein paar Jahre alt, doch gilt wohl immer noch: Weil er seine literarische Karriere im Alter von 50 Jahren mit dem düsteren mittelalterlichen Klosterdrama „Der Name der Rose“ begann, betrachtet sich Eco „als einen noch ziemlich jungen und sicher vielversprechenden Romancier“.

In den nächsten Jahrzehnten werde er wohl noch viele Romane verfassen. Das klingt nach Selbstironie, beschreibt aber gut den enormen Fleiß des Autors. Was er will? Er will das Leben in seiner ganzen prallen und widersprüchlichen Unauslotbarkeit darzustellen versuchen. Er will nicht nur unterhalten, sondern auch provozieren, und zählt sich dabei auch nicht „zu jenen schlechten Schriftstellern, die behaupten, sie schrieben nur für sich selbst“.

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