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21.11.2014

15:45 Uhr

Umstrittene Kunstsammlung

Angehörige erhebt Anspruch auf Gurlitt-Erbe

Mutmaßliche Nazi-Raubkunst mit neuem Zuhause: Das Kunstmuseum Bern übernimmt laut der Nachrichtenagentur dpa die Kunstwerke von Cornelius Gurlitt. Doch die Cousine des verstorbenen Kunstsammlers protestiert dagegen.

Das Kunstmuseum Bern hat sich offenbar erst nach gründlicher Prüfung entschlossen, die Kunstsammlung zu übernehmen. Reuters

Das Kunstmuseum Bern hat sich offenbar erst nach gründlicher Prüfung entschlossen, die Kunstsammlung zu übernehmen.

Berlin/Bern/MünchenDie Cousine von Cornelius Gurlitt erhebt Anspruch auf das Erbe des Kunstsammlers. Nach Angaben ihres Sprechers beantragte Uta Werner am Freitag einen Erbschein beim zuständigen Nachlassgericht. Beim Gericht war zunächst niemand für eine Bestätigung zu erreichen.

Werner werde von ihren Kinder sowie einzelnen Söhnen und Enkeln ihres Bruders Dietrich unterstützt, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag. Die betagten Geschwister Uta und Dietrich wären die gesetzlichen Erben gewesen. Dietrich Gurlitt hat bisher keine Ansprüche erhoben.

Eigentlich habe sich die Familie nur für den Fall auf das Erbe vorbereiten wollen, dass das Kunstmuseum Bern es ausschlägt. Wegen eines Gutachtens, das den Geisteszustand und damit die Testierfähigkeit von Cornelius Gurlitt anzweifelt, habe man sich aber jetzt anders entschieden, hieß es in der Mitteilung.

Offiziell erklärte das Kunstmuseum Bern nur, die „abschließende Entscheidung“ falle erst bis zum Sonntagabend auf einer Sitzung des Stiftungsrats und werde am Montag (24.11./11 Uhr) in Berlin kommuniziert. „Es kann eine Annahme oder eine Ablehnung geben“, sagte Pressesprecherin Ruth Gilgen auf Anfrage.

Auch das Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und das bayerische Justizministerium wollten die Information nicht bestätigen. Sie verwiesen auf den gemeinsamen Pressetermin mit dem Berner Museum in Berlin. Dort soll über den „weiteren Umgang“ mit Gurlitts Nachlass informiert werden, wie es in einer Einladung vom Donnerstag hieß.

Die millionenschwere Sammlung Gurlitt, die in seiner Schwabinger Wohnung und später auch in seinem Haus in Salzburg gefunden wurde, umfasst Hunderte Werke, bei denen nicht auszuschließen ist, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt. Gurlitts Vater Hildebrand war einer der Kunsthändler Adolf Hitlers.

Der am 6. Mai gestorbene Kunstsammler hatte sein komplettes Vermögen inklusive der millionenschweren Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Kurz zuvor hatte er eine Vereinbarung unterschrieben, in der er sich bereiterklärte, die Provenienzforschung an seinen Bildern sicherzustellen und betroffene Werke gegebenenfalls an die rechtmäßigen Erben, oft Nachkommen jüdischer Kunsthändler, zurückzugeben.

Das Berner Museum hatte nach der Testamentseröffnung am 7. Mai ein halbes Jahr Zeit, über die Annahme des Erbes zu entscheiden. Offiziell läuft der Termin am 7. Dezember aus.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Gutachten Schlagzeilen gemacht, wonach Gurlitt bei dem Verfassen seines Testaments nicht zurechnungsfähig gewesen sein soll. Seine Cousine Uta Werner, die eine gesetzliche Erbin gewesen wäre, und weitere Familienmitglieder hatten das Gutachten in Auftrag gegeben.

Bislang ist aber keine Entscheidung gefallen, wie mit dem Ergebnis des Gutachtens umgegangen werden soll. Beim Amtsgericht München, dem zuständigen Nachlassgericht, waren bis zum Freitag nach Angaben einer Sprecherin keine offiziellen Forderungen eingegangen.

Der Cousin Dietrich Gurlitt, der wie seine Schwester Uta Werner erbberechtigt gewesen wäre, wenn Bern nicht geerbt hätte, distanzierte sich dagegen von dem Gutachten und hatte betont, er wünsche sich, dass das Schweizer Museum das Erbe annimmt.

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Von

dpa

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