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13.01.2012

09:32 Uhr

„Unser Star für Baku“

Raabs Voting-Coup wird zum Erfolgsgaranten

VonAlexander Möthe

Pro Sieben und NDR suchen in „Unser Star für Baku“ den Teilnehmer für den Eurovision Song Contest. Trümpfe der Show: starke Kandidaten, Thomas D. und ein besonderes Voting-System. Das lässt auch die Sender gewinnen.

Die Jury: Alina Süggeler, Frontfrau der Band „Frida Gold“,  Thomas D. von „Die Fantastischen Vier“ und Stefan Raab (von links). Reuters

Die Jury: Alina Süggeler, Frontfrau der Band „Frida Gold“, Thomas D. von „Die Fantastischen Vier“ und Stefan Raab (von links).

DüsseldorfEr ist wieder da. Der erste Gedanke, der dem Zuschauer durch den Kopf geht, als „Unser Star für Baku“ am Donnerstagabend über den Bildschirm flackert. Ob sich das „er“ dabei auf den Vorentscheid des Eurovision Song Contest oder Stefan Raab bezieht, sei jedem selbst überlassen. Was da auf Pro Sieben startete, ist nicht nur ein erneuter Anlauf auf den Thron der europäischen Pop-Musik, es ist auch eine Attacke auf den Thron der erfolgreichsten Casting-Show. Um den balgen sich derzeit parallel bereits „The Voice of Germany“ und der Klassiker „Deutschland sucht den Superstar“. Und Raab ist mittendrin, statt nur dabei. In der Show-Serie sucht er einen Nachfolger für Lena Meyer-Landrut – ohne eben die kopieren zu wollen. Die Entscheidung darüber, wer im Rahmen des Vorentscheids Deutschland beim ESC vertritt, wird dabei wie gewohnt dem Publikum überlassen. Die Jury-Leitung und Schirmherrschaft hat Thomas D. von „Die Fantastischen Vier“ übernommen. Ihm zur Seite steht Alina Süggeler, Frontfrau der Band „Frida Gold“.

Wie angekündigt hat sich Raab aus der ersten Reihe zurückgezogen, ist nur Jury-Mitglied statt Präsident. Aus dem totalen TV-Abschied vom ESC, mitten im Kritiksturm rund um den Lena-Overkill im Vorjahr trotzig versprochen, ist aber nichts geworden. Dafür, das weiß auch der Partner NDR, ist der Mann mit dem gefühlt zahnreichsten Lächeln des deutschen Fernsehens zu wichtig für das Gesamte.

Der Sänger Thomas D. bringt den entscheidenden Hauch Seriosität und Ernsthaftigkeit hinein. dpa

Der Sänger Thomas D. bringt den entscheidenden Hauch Seriosität und Ernsthaftigkeit hinein.

Die Bühne an diesem Abend gehört dann erst einmal Steven Gätjen. Der kann zwar dem zur Sportschau abgewanderten Matthias Opdenhövel in Sachen Moderation nicht das Wasser reichen, hat aber bei den Verantwortlichen offenbar einen Stein im Brett und führt solide durchs Programm. Frischen Wind in die Sache sollte die junge, aber weitgehend unbekannte Moderatorin Sandra Rieß vom Bayerischen Rundfunk bringen. Es wird allerdings niemandem wehtun, wenn sie nach den Shows wieder dort landet. Die umjubelte Vorstellung der Juroren, denen nur eine beratende Funktion zukommt, ist Routine. Der eigentliche Star des Abends, das wird schnell klar, ist die revolutionierte Grundidee der Show. Raab promotete das Format, sich in gewohnter Manier selbst auf die Schulter klopfend, im Vorfeld aggressiv als „die Einführung der Blitztabelle in die Unterhaltung“. Schon während des Auftritts wird für den entsprechenden Kandidaten telefonisch abgestimmt. Der sieht das Ergebnis im Studio und damit nicht nur, wie abschließend die Chancen stehen.

Die Show spart sich Konserven vom „monatelangen Casting“, es geht direkt mit den ersten zehn der besten 20 Leute (Thomas D.: „Es war schwer, sich für nur 20 zu entscheiden“) los. Das Live-Feedback ist so einfach, wie zugegeben, genial. Auch wirtschaftlich: In den ersten Shows kommen je fünf Kandidaten weiter. Die Top Five, die am Ende oben stehen, triumphieren – rutscht der Favorit des Anrufers aus den Aufstiegsrängen, heißt es wieder zum Hörer greifen. Kostenpunkt: 50 Cent. Dass kostenpflichtige Abstimmungen den TV-Sendern die Taschen füllen, ist kein Geheimnis.

Kommentare (3)

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STAATSFUNK

13.01.2012, 11:44 Uhr

Es ist einfach unerträglich, dass die Zwangsgebührensender des Öffentl.-Rechtl. nicht in der Lage sind, selbständig ein Programm zu produzieren und dabei Schützenhilfe vom Privatfernsehen brauchen.

Schafft diese inkompetenten Selbstbediener des Politbüro-Funks endlich ab! Wg mit den TV-Schmarotzern!

Raab.aetzender.Typ

13.01.2012, 11:49 Uhr

Raab lacht nur, weil er üerb Steuergelder diesen EU-Migrations-Zirkus veranstalten darf und dadurch jährlich mit Geld überhäuft wird. Marionetten an der Propaganda-Front sind willig steuerbar und geniessen Promi-Status. WIderlich.

votingFreund

13.01.2012, 13:12 Uhr

Mich interessieren zwei Sachen:
1.) Warum hat sich das Voting in den letzten Sekunden nicht nochmal geändert? Es haben doch sicherlich Zuschauer bis zur letzten Sekunde angerfuen und wurden gezählt.

2.) War die Zahl der Anrufe größer als beim bisherigen Voting verfahren oder hat es sich nur anders verteilt?

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