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14.05.2012

13:36 Uhr

Van Ham Kunstauktionen

Sensationszuschlag nach sieben Minuten

VonChristiane Fricke

Bei Van Ham in Köln kam es am vergangenen Samstagabend zu einem denkwürdigen Bietgefecht. Zahlreiche Russen wetteiferten um das monumentale Bilderpaar. So kamen die beiden günstig geschätzten Wirtshausszenen auf erstaunliche 500.200 Euro inklusive Aufgeld.

Paar großer Porzellangemälde mit Wirtshausszenen, 1852, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Sankt Petersburg. VAN HAM Kunstauktionen

Paar großer Porzellangemälde mit Wirtshausszenen, 1852, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Sankt Petersburg.

KölnIm Kölner Auktionshaus Van Ham wurden am frühen Abend des 12. Mai zwei monumentale Porzellangemälde zu einem Aufsehen erregenden Preis versteigert. Der Hammer fiel nach nur sieben Minuten bei 410.000 Euro zugunsten der Mayfair Gallery Limited aus London. Die beiden in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Sankt Petersburg gefertigten Bilder waren auf eindeutig zu günstige 10.000 bis 12.000 Euro geschätzt worden. Sie kamen erst am Ende der 613 Lose starken Kunstgewerbe-Offerte an die Reihe.

Man vermutet, dass sich die Vorlagen, zwei Gemälde des belgischen Genremalers Hendrick Joseph Dillens (1812-1872), in der Petersburger Eremitage befanden. Es gab aufgrund dessen viele und vor allem großzügige Vorgebote russischer Bieter. Damit war ein hartes Bietgefecht vorprogrammiert. Die beiden sehr fein und realistisch gemalten Wirtshausszenen wurden von ihrem Vorbesitzer aus der Nähe von Aachen in den 1970er-Jahren im Aachener Kunsthandel erworben.

20 Bieter allein am Telefon

Mati Sinai, Inhaber des Londoner Antiquitätengeschäfts, bewerkstelligte den Kauf gemeinsam mit einem Kollegen. Dabei schien ihm angesichts des Preises – 500.200 Euro inkl. Aufgeld – ein wenig mulmig zu werden. „Es wird nicht einfach sein, diese beiden Gemälde zu einem entsprechenden Preis weiter zu verkaufen“, mutmaßte er. Aber sie seien „einzigartig“.

Mindestens 25 Bieter, darunter 20 am Telefon rangen um das Bildpaar, das schon allein wegen seiner Größe singulär ist. Dabei herrschte ein für solche Auktionen eher untypisches unruhiges Durcheinander. Während Van Ham-Mitarbeiter in Mannschaftsstärke an die Telefone eilten, liefen russische Bieter nervös herum oder führten anregende Unterhaltungen mit ihren Nachbarn. Anfangs waren auch belgische Händler mit im Rennen. Sie stiegen jedoch bald wieder aus.

„Wir rechneten mit einem sechsstelligen Ergebnis, jedoch nicht mit einem so hohen“, sagte Markus Eisenbeis, Auktionator und Inhaber von Van Ham, nach der Auktion. Große Porzellangemälde kämen gewöhnlich in London zur Auktion und erzielten dann umgerechnet zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Die Russen seien nach einer eher zurückhaltenden Phase in 2010/2011 seit Herbst 2011 wieder sehr aktiv.

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