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18.06.2015

17:09 Uhr

Verkaufsstart des Romans „Grey“

„Fifty Shades of Grey“, aus Sicht des Schlägers

„Frische Perspektive“ auf ein Thema, was Millionen Leser fesselt: E.L. James' „Grey“ ist auf dem Markt und erzählt die Sado-Maso-Romanze aus Sicht des Peitschenschwingers. Der entpuppt sich jedoch als banaler Charakter.

Viel Neues erfahren Leser in „Grey“ nicht. dpa

Gleiche Geschichte, anderer Blickwinkel

Viel Neues erfahren Leser in „Grey“ nicht.

München/London„Dieses Buch ist den Lesern gewidmet, die darum gebeten... und gebeten ... und gebeten ... und gebeten haben“, steht auf einer der ersten Seiten. Und jetzt haben sie den Salat: Die Autorin E.L. James hat ihren Bestseller „Fifty Shades of Grey“ noch einmal geschrieben - dieses Mal aus Sicht des dominanten Millionärs Christian Grey. Am Donnerstag kam die englische Version mit dem schlichten Titel „Grey“ auf den Markt.

Darin will die britische Schriftstellerin die Frage beantworten, wie er die Beziehung zu der devoten und zunächst jungfräulichen Studentin Anastasia Steele empfindet, was er dabei fühlt, wenn er ihr den Hintern versohlt. „In Christians eigenen Worten, durch seine Gedanken, Betrachtungen und Träume bietet E.L. James eine frische Perspektive auf die Liebesgeschichte, die Millionen Leser auf der ganzen Welt verzaubert hat“, heißt es im Klappentext.

Alle Infos zu „Fifty Shades of Grey“

Die Autorin

E. L. James ist das Pseudonym der britischen Autorin Erika Leonard. Sie lebt in London und ist Mutter von zwei Söhnen. „Fifty Shades of Grey“ war ihr erster Roman. Ursprünglich schrieb sie die Geschichte als Fanfiction zur „Twilight“-Saga.

Die Handlung

Die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) lernt bei einem Interview den 27-jährigen Unternehmer und Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan) kennen und fühlt sich von ihm angezogen. Christian die Kontrolle über Anas Gefühlswelt. Als sie ihn näher kennenlernt, erfährt sie, dass seine sexuellen Neigungen Bondage, Dominanz und Sadismus beinhalten. Ana lässt sich darauf ein mit Hoffnung, Christian auch emotional näher zu kommen.

Musical-Adaption

Die Musical-Parodie „49 1/2 Shades of Grey“ feierte im vergangenen Jahr in Hamburg Premiere. Die Regisseurin Gerburg Jahnke inszenierte ein Musical-Persiflage auf den Erotik-Bestseller.

Soundtrack zum Buch

Bereits Mitte September 2012 erschien der Soundtrack zur Buchtrilogie in Deutschland. Klassische Musik spielt im Buch eine größere Rolle, die Autorin E.L. James selbst hat die Stücke für das Album ausgewählt.

Film-Budget

Die Macher der Verfilmung von „Fifty Shades of Grey“ hatten ein Budget von circa 40 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Vorverkaufsrekorde

Der Vorverkauf zu Fifty Shades of Grey begann am 11. Januar 2015 in den Vereinigten Staaten. Innerhalb einer Woche wurde mehr Tickets verkauft als 2012 „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ erzielte. Außerdem waren die Vorführungen am Eröffnungstag sowie für das Valentinstag-Wochenende innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft.

Fortsetzungen

Nach einer Testvorführung in New York City am 6. Februar 2015 verkündete die Regisseurin Taylor-Johnson, dass es zwei Fortsetzungen geben wird und dass der zweite Teil bereits 2016 in die Kinos kommen soll.

„Christian ist ein vielschichtiger Charakter, und die Leser waren schon immer fasziniert von seinen Wünschen, seinem Antrieb und seiner schwierigen Vergangenheit“, schrieb James auf Instagram, als sie ihr neues Buch ankündigte. Außerdem wisse jeder, der einmal eine Beziehung gehabt habe, dass jede Geschichte zwei Seiten haben.

Die sieht dann bei Christian Grey beispielsweise so aus: „Romantik mache ich nicht, Schätzchen“, „Ich mag meine Frauen in Röcken - ich mag sie zugänglich“, „Blümchensex? Ob ich das hinkriege?“, „Sie hat perfekte Brüste“ oder: „Sie hat wahrscheinlich noch nie einen erigierten Penis gesehen.“

Boom der Erotik-Branche: Sexspielzeug statt Tupperware

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Sexspielzeug statt Tupperware

Boom: Kaum eine Branche hat sich zuletzt so sehr gewandelt wie das Geschäft mit Sexzubehör.

Wenn Christian nicht daran denkt, wann und wie er mit der süßen Anastasia den Geschlechtsakt vollziehen kann, schlägt er sich bei seiner Arbeit (er ist schließlich Multimillionär) mit Senatoren und NGO's rum - was reiche Unternehmer eben so machen. In seiner Freizeit trinkt er Bier mit seinem Bruder Elliot oder holt seine Schwester vom Flughafen ab. So weit, so banal.

Wer gehofft hatte, wirklich etwas über den Mann zu erfahren, der Anastasia in seinem Sado-Maso-Spielzimmer von Höhepunkt zu Höhepunkt befördert, der wird über weite Strecken enttäuscht. Zwar bekommt die geneigte Leserin nun mit, welche Alpträume den Millionär mit der traumatischen, von Gewalt geprägten Kindheit quälen, dass er gerne am Klavier sitzt und Bach spielt, dass seine Ex-Geliebte Elena ihm immer noch SMS schreibt, seine andere Ex-Geliebte Leila ziemlich durch den Wind ist und die Anrufe seiner Adoptivmutter ihn manchmal nerven. Bevor er zum Treffen mit Anastasia aufbricht, packt er zwei Kondome ein. Das, was die Autorin über Grey enthüllt, ist also recht dürftig.

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