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29.04.2011

00:00 Uhr

Verlegerin Kunstmann

Der feine Unterschied

VonRegina Krieger

"Sichtbarkeit ist das wichtigste für kleine Verlage", sagt Antje Kunstmann. Der Verlegerin gelingt das mit einem ungewöhnlichen Angebot. Im Sommer bringt sie das Buch von Philipp Lahm heraus.

Wie alles anfing: Nächte mit Bosch. Illustrationen von Michael Sowa, Antje Kunstmann Verlag Quelle: Pressefoto

Wie alles anfing: Nächte mit Bosch. Illustrationen von Michael Sowa, Antje Kunstmann Verlag

München.Ein Buch von Philipp Lahm? Dem Kapitän der Fußballnationalmannschaft, dem FC-Bayern-Außenverteidiger? Im bibliophilen und gleichzeitig so gesellschaftsaufmerksamen Kunstmann-Verlag, der Bücher von Roberto Bolaño, Pierre Bayard, Fay Weldon, Noam Chomsky und Hermann Scheer im Programm hat? "Ja, der Titel erscheint Ende August mit einer Startauflage von 100.000", sagt Antje Kunstmann.

"Der feine Unterschied" soll das Buch heißen, Untertitel "Wie man heute Spitzenfußballer wird". "Mich hat das Konzept für dieses Buch, das keine Biografie werden sollte, überzeugt", erklärt die Verlegerin bei Zigarette und Cappuccino in ihrem Münchener Büro.

Antje Kunstmann weiß genau, was sie will. Sie ist lange im Geschäft, macht Verbandsarbeit im Verlegerausschuss des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und führt den Verlag, der seit 1990 ihren Namen trägt, mit sicherer Hand. 40 bis 50 neue Bücher pro Jahr, inklusive Hörbücher, ein Stab von elf Mitarbeitern, in diesem Jahr voraussichtlich ein Umsatz von vier Millionen Euro - das sind die richtigen Dimensionen für sie.

Dass sie als Verlegerin - als Frau und Führungskraft - eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Buchlandschaft ist, kümmert sie wenig. "Warum sollte es in dieser Branche anders sein als in anderen?" antwortet sie lapidar. Humor verpflichtet - schließlich verlegt sie auch F.K. Waechter, Chlodwig Poth und Marie Marcks. Und überhaupt: "Ich habe meinen Traumberuf."

Einen Ausbau plant sie nicht. "Der Verlag hat eine gute Größe", sagt sie, "wenn man mit Inhalten handelt, ist Wachstum an sich nicht das endgültige Kriterium." Sie sieht jedes Buch, das der Verlag macht, hat fast alle der mittlerweile rund 400 lieferbaren Titel ganz gelesen und lektoriert oft selbst.

Ihre Mannschaft, die mit ihr in der Maxvorstadt in hellen, großen Räumen sitzt, in denen früher mal eine Eckkneipe war, führt sie nicht von oben, das spürt man. Sehr kollegial gehe es zu, viele seien schon lange dabei, erzählt sie selbst, aber auch, dass sie natürlich die letzte Entscheidung treffe.

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