Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.10.2012

14:38 Uhr

Vermögensanlage Kunst

Nur Idealisten können teuer kaufen

VonMatthias Thibaut

Superpreise sind keine Garantie für Investitionserfolge. Kein Kunstwerk, das für mehr als 30 Millionen Dollar verkauft wurde, ist je mit Profit weiterverkauft worden, so heißt es.

Ein Christies' Mitarbeiter hängt Lucio Fontanas „Concetto Spaziale, Attese“ auf: Die Größe und die Zahl der Schlitze bestimmen den Millionenpreis. Reuters

Ein Christies' Mitarbeiter hängt Lucio Fontanas „Concetto Spaziale, Attese“ auf: Die Größe und die Zahl der Schlitze bestimmen den Millionenpreis.

LondonAngesichts der anhaltenden Euphorie über die neue „Vermögensanlage Kunst“ und das Zusammenwachsen von Kunst- und Finanzwelt darf man eine Banalität ruhig wiederholen: Kunst ist keine Einbahnstraße zum Geldgewinn - und darf es auch nicht sein, wenn sie nicht zum Äquivalent von Goldbarren verkommen soll. Kunst erlaubt riesige Gewinne und werterhaltende Anlagen. Aber mehr Menschen in der Geschichte dürften mit ihren Kunstkäufen Geld verloren als verdient haben. Wenigen Gewinnern unter Künstlern, Werken und Sammlern stehen unzählige Verlierer gegenüber, von denen hier einmal die Rede sein soll.

Gemeint ist nicht Straßenkunst vom Montmartre-Markt, für die es keinen Wiederverkaufsmarkt gibt, sondern Kunst auf höchstem Niveau. Erfahrene Insider wie der Bilderhändler Richard Feigen oder der Londoner Renaissancespezialist Rainer Zietz haben oft beklagt, dass viele Superpreise nicht durch den Ausnahmerang der Objekte zustande kommen, sondern einfach, weil sie von Privatkäufern in Bietkämpfen „wie Kriegstrophäen“ behandelt werden.

Extrem hohe Kunstpreise sind meist schlechte Investitionen. Die Ökonomen Jianping Mei und Michael Moses haben die „Underperformance of Masterpieces“ beim Wiederverkauf in den Auktionen nachgewiesen. Sergey Skaterschikov, Verleger eines Kunstinvestment-Berichts und Vorstandsmitglied der Investmentfirma Redline Capital, präzisiert: „Kein Kunstwerk, das für mehr als 30 Millionen Dollar eingekauft wurde, ist je mit Profit weiterverkauft worden.“

Bezahlte der Hedge-Fonds-Gründer Leon Black die 120 Millionen Dollar für Munchs Meisterwerk als Investor oder passionierter Sammler? Der Unterschied ist fundamental. Kunstsammler denken erst in zweiter Linie an Werterhalt oder Gewinn. Black, der sein Geld mit Risikokapital, faulen Krediten und anderen Geldanlagen verdiente und leidenschaftlicher Sammler von Alten Meistern und Impressionisten ist, wird genau wissen, wie schwer ein solcher Kunstkauf wieder zu verflüssigen ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×