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21.02.2014

16:31 Uhr

Vertrauen verspielt

Sachsen kündigt neuem Semperoper-Chef vor Amtsantritt

Er hat sein Amt noch nicht angetreten, da wird sein Vertrag schon wieder gekündigt: Serge Dorny wird seinen Posten als Intendant der Semperoper Dresden nie antreten. Er habe in kürzester Zeit das Vertrauen verspielt.

Der designierte Intendant der Dresdner Semperoper, Serge Dorny. Er sollte die Nachfolge von Ulrike Hessler antreten. dpa

Der designierte Intendant der Dresdner Semperoper, Serge Dorny. Er sollte die Nachfolge von Ulrike Hessler antreten.

DresdenDer neue Intendant der Semperoper verliert seinen Job in Dresden noch vor dem geplanten Amtsantritt am 1. September. Das Land Sachsen kündigte den Vertrag mit Serge Dorny mit sofortiger Wirkung. Dorny habe ihm entgegengebrachtes Vertrauen in kürzester Zeit verspielt, erklärte Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) am Freitag: „Zu unserer großen Enttäuschung hat er den Erwartungen, die wir in ihn gesetzt hatten, nicht entsprochen. Um Schaden von der Oper im In- und Ausland abzuwenden, sehen wir zu einer sofortigen Kündigung keine Alternative mehr.“

Der Belgier Dorny, Jahrgang 1962, hatte seinen Vertrag erst im Herbst 2013 unterschrieben. Seither war er damit beauftragt, die neue Spielzeit vorzubereiten. Eine Reaktion Dornys auf die fristlose Kündigung lag zunächst nicht vor.

Die Kunstministerin betonte, nach einer überzeugenden Präsentation vor einer hochkarätigen Findungskommission sei man der festen Ansicht gewesen, den richtigen Kandidaten gefunden zu haben. „Umso bedauerlicher ist es, dass Serge Dorny entgegen seinen Zusagen in den vergangenen Monaten leider kein Klima des gedeihlichen und vertrauensvollen Miteinanders mit den Mitarbeitern, sowohl in den künstlerischen als auch in den administrativen Bereichen der Oper, etablieren konnte“, erklärte von Schorlemer.

Die Ministerin stellte „sehr unterschiedliche Vorstellungen über die notwendige Kultur zur Führung eines großen europäischen Opernhauses“ fest. Dorny sei während der Vertragsverhandlungen umfassend über die Situation der Sächsischen Staatsoper und bestehende Rechte, etwa der Staatskapelle und Dritter, informiert worden.

„Trotzdem wurde in den vergangenen Monaten seiner Tätigkeit deutlich, dass Herr Dorny nicht bereit war, sich auf die vorliegenden Bedingungen einzulassen und die Entscheidungsprozesse an einem großen Repertoiretheater zu akzeptieren, sagte sie. Entscheidungen seien „unangemessen kommuniziert, die Verantwortlichen nicht eingebunden und der Betriebsfrieden dadurch nachhaltig gestört“ worden.

Dorny sollte die Nachfolge von Ulrike Hessler antreten, die im Sommer 2012 im Alter von 57 Jahren an Krebs gestorben war. Seither führt der Kaufmännische Direktor Wolfgang Rothe die Geschäfte. Dornys Vertrag war auf fünf Jahre anberaumt. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Team der Semperoper und Dirigent Christian Thielemann, hatte er bei Vertragsunterzeichnung gesagt. Gemeinsam werde man „ein neues Kapitel in der Geschichte dieses Hauses schreiben“.

Das sächsische Kunstministerium hat sich nach eigener Darstellung bemüht, Dorny einen guten Start in Dresden zu ermöglichen und diesen Prozess zu moderieren. „Diese Angebote wurden jedoch mehrfach von Herrn Dorny ausgeschlagen und führten leider nur zu einer unangemessenen Kommunikation seinerseits“, hieß es.

Dorny war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Er stammt aus Wevelgem in Belgien und studierte an der Universität und am Königlichen Musikkonservatorium in Gent. 1996 wurde er zum Generaldirektor und künstlerischen Leiter des London Philharmonic Orchestra berufen. Seit 2003 ist er für die Oper in Lyon zuständig.

Von

dpa

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