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25.09.2015

18:19 Uhr

Verurteilter Kunsthändler Helge Achenbach

„Habe an Selbstmord gedacht“

Seit Juni 2014 sitzt der einst schillernde Kunstberater Helge Achenbach in Untersuchungshaft. Jetzt hat er erstmals ein Fernsehinterview geben dürfen. Darin spricht er auch über Selbstmordgedanken – und Zukunftspläne.

Der wegen Betrugs verurteilte Kunstberater Helge Achenbach hat im Gefängnis dem Sender N-TV ein Interview gegeben. dpa

„Habe an Selbstmord gedacht“

Der wegen Betrugs verurteilte Kunstberater Helge Achenbach hat im Gefängnis dem Sender N-TV ein Interview gegeben.

DüsseldorfDer seit über 15 Monaten inhaftierte prominente Kunstberater Helge Achenbach (63) hat anfangs an Suizid gedacht. „In den ersten Tagen war es wirklich ein Albtraum. Da habe ich oft an Abschied und Selbstmord gedacht“, sagte Achenbach in einem Interview des Fernsehsenders N-TV, über das die „Bunte“ vorab berichtete. Das im Essener Untersuchungsgefängnis geführte Interview wird am kommenden Mittwoch (30.9.) ausgestrahlt.

Achenbach war im März wegen Millionenbetrugs an dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Außerdem soll er 19,4 Millionen Euro Schadensersatz an die Albrecht-Familie zahlen. Beide Urteile hat er angefochten. Der einst angesehene Kunstberater war im Juni 2014 festgenommen worden. Die Kunstbestände seiner insolventen Firmen wurden inzwischen versteigert.

Er habe Hilfe beim Gefängnispfarrer, Psychologen und Beamten der Haftanstalt gesucht, sagte Achenbach über den Beginn seiner Haftzeit. Im Gefängnis putze er Toiletten, wasche Sporttrikots, singe im Gefängnis-Kirchenchor und helfe bei der Essensausgabe. Sonntags besuche er den Bibelkreis und schreibe an seinen Memoiren. „Ich fühle mich als Krimineller im Gefängnis zwischen unterschiedlichen Kriminellen“, sagte Achenbach.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Für die Zukunft hat er auch schon Pläne: Freunde wollten ihm helfen, in Düsseldorf eine alte Halle anzumieten - „so ein paar hundert Quadratmeter groß“. Dort wolle er dann junge Künstler zeigen - und ihre Werke auch verkaufen.

Von

dpa

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