Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2012

13:23 Uhr

Villa Griesebach

Bieten, aber nur in kleinen Schritten

VonChristian Herchenröder

Bei den Herbstauktionen der Villa Griesebach wurden stattliche Preise erzielt. Das lag vor allem an einer guten Auswahl. Allerdings könnte es zu einer deutlichen Überbewertung gekommen sein.

Ein rheinischer Privatsammler sicherte sich „Kessua statuarisch“ von Willi Baumeister VG Bild-Kunst Bonn 2012

Ein rheinischer Privatsammler sicherte sich „Kessua statuarisch“ von Willi Baumeister

BerlinMit einem Gesamtumsatz von 20,2 Millionen Euro für ihre acht Herbstauktionen hat die Villa Grisebach einen schönen Erfolg eingefahren. Allein die Abendauktion mit ausgewählten Werken erzielte 10,4 Millionen Euro. Die Zeiten sind ja nicht so, dass sich eingefleischte Sammler in einem materialarmen Markt von Topstücken trennen. Sie beobachten die Preisentwicklung und registrieren genüsslich, dass ihre Künstler immer teurer werden. Angesichts dieser Lage war das Angebot des Berliner Marktführers immer noch beachtlich genug.

So ist es kein Wunder, dass manche Werke der Abendauktion am 29. November stattliche Preise erzielten, allen voran das Starlos der Auktion, Otto Muellers um 1924 entstandenes Leimfarbenbild. In gemessenem Bietgang stiegen "Zwei Mädchenakte in Dreiviertelfigur" von 600 000 auf brutto 1,4 Millionen Euro. Gekauft hat es ein norddeutscher Privatsammler.

Überhaupt wurde an diesem Abend in ungewohnt kleinen Aufwärtsschritten geboten, selbst bei Werken in sechsstelliger Preisebene. Ein Schweizer Sammler, der schon in früheren Auktionen als Euro-Fuchser in Erscheinung getreten war, setzte bei Karl Hofers 1938 datiertem Ölbild "Mädchen sich kämmend" immer nur 2 000 Euro mehr ein, bis er das Bild nach achtminütigem Bietgefecht für 346 480 Euro übernehmen konnte.

Wenig später wiederholte sich dieser Vorgang bei Karl Schmidt-Rottluffs spätem "Stilleben mit Flaschen und Blattpflanzen", das er in enervierend langsamer Bietstrecke auf 307 440 Euro hob. Das längste Bietduell des Abends galt einem charaktervollen Rückenakt der jüdischen Malerin Lotte Laserstein, der in heftigem Bietgefecht von 30 000 auf 341 600 Euro stieg.

Alte Meister: 30 Millionen Pfund für eine Kohlezeichnung

Alte Meister

30 Millionen Pfund für eine Kohlezeichnung

Die Zeichnung „Verklärung Christi“ diente Altmeister Raffael bloß als Detailstudie, zuletzt erzielte das Bild bei Sotheby's einen Preis von knapp 30 Millionen Pfund. Qualität triumphiert bei den Londoner Auktionen.

Das beste Werk der Auktion war Emil Noldes marktbekanntes, dunkel durchglühtes Aquarell "Zwei bärtige Männer (Apostel)" aus den 1930er-Jahren, das für 671 000 Euro an einen süddeutschen Sammler ging. Nolde-Aquarelle dieses Kalibers haben Anfang der 1990er-Jahre im Handel schon 800 000 DM gekostet. Nicht mehr in der Auktion war das 1913 entstandene Dix-Gemälde "Sonnenaufgang", das der Künstler 1920 dem Stadtmuseum Dresden geschenkt hatte, aus dem es die Nazis 1937 konfisziert hatten. Die Villa Grisebach vermittelte es in Absprache mit dem Einlieferer für 793 000 Euro direkt an das Museum.

Die Versteigerung begann mit 70 780 Euro für ein großformatiges Herbstbild von Otto Modersohn, sie endete mit den von amerikanischer Privatseite für Hirohi Sugimotos unscharfes Foto des S.C. Johnson Building eingesetzten 73 200 Euro. Dazwischen gab es realistische Erlöse wie die 585 600 Euro für Schmidt-Rottluffs Ölbild "Frauen am Meer" (1919), unerwartete Aufschwünge wie die knapp 100 000 Euro für eine frühe Papierarbeit von Fritz Winter aus der Serie "Triebkräfte der Erde" und Versager wie der plakative Sonnenuntergang von Max Pechstein oder die zu hoch angesetzte "Figur auf grauem Grund" von Oskar Schlemmer. Ein vernünftiger Preis sind die vom rheinischen Handel in Willi Baumeisters Spätwerk "Kessaua statuarisch" investierten 305 000 Euro. Geradezu wohlfeil blieb mit 732 000 Euro Andy Warhols Acrylbild Friedrichs des Großen aus der Daimler Kunst Sammlung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×