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16.11.2015

12:13 Uhr

Villa Grisebach

Geplantes Kulturgutschutzgesetz beeinflusst das Angebot

VonChristian Herchenröder

Das Angebot der 250. Villa Grisebach-Auktionen füllt acht Kataloge. Von der Gotik bis zur Gegenwart spannt sich der zeitliche Rahmen. Für jedes Portefeuille ist etwas dabei. Die mittlere Gesamtschätzsumme liegt bei 23 Millionen Euro.

Emil Noldes „Helles Sonnenblumenbild“ von 1936 hat eine Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Euro. Quelle: Villa Grisebach, Berlin

Aus einer alten Sammlung in Halle

Emil Noldes „Helles Sonnenblumenbild“ von 1936 hat eine Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Euro. Quelle: Villa Grisebach, Berlin

BerlinDie Verschärfung des deutschen Kulturgutschutzgesetzes wirft ihre Schatten voraus. Sie dezimiert das Angebot an hochkarätigen Werken der Klassischen Moderne in den deutschen Herbstauktionen. Denn ein Teil der Sammler wartet ab, der andere verlagert Wertvolles ins Ausland. Das gilt auch für die Jubiläumsauktion Nr. 250 der Villa Grisebach vom 26. November 2015, in der 65 Lose ausgeboten werden. Von ihnen ist nur ein Dutzend der Güteklasse A zuzurechnen.

Wichtigstes Los ist Emil Noldes „Helles Sonnenblumenbild“ von 1936 aus altem Hallenser Besitz, das auf 1 bis 1,5 Millionen Euro angesetzt ist. Gerahmt wird dieses angenehme Bild von sechs  Aquarellen des Expressionisten, von denen eine glühende Marschlandschaft der frühen 1920er-Jahre museale Qualität hat. Sie war bis 1959 im Besitz der Nolde-Stiftung in Seebüll (Schätzpreis 250.000 bis 350.000 Euro).

Beckmann unter den Spitzenlosen

Zwei Werke von Max Beckmann, die zu den Spitzenlosen zählen, waren erst unlängst in angelsächsischen Auktionen. Das unvollendete Öl- und Kreidebildnis eines jungen Mädchens aus den ersten Jahren des Amsterdamer Exils ging im November 2010 bei Sotheby's, wo es auf 2,5 bis  3,1 Millionen Dollar geschätzt war, zurück. Die Provenienz Stephan Lackner und seine realistische Taxe von 1 bis 1,5 Millionen Dollar machen es jetzt zu einem Wunschobjekt.

Marktfrische Stillleben

Der „Holländische Radfahrweg“, 1940/42 in dem besetzen Land entstanden, war erst im Juni diesen Jahres in einer Christie’s Auktion, wo es bei einer Schätzung von 700.000 bis 800.000 Pfund durchfiel. Jetzt ist es auf 500.000 bis 700.000 Euro geschätzt. Marktfrisch ist dagegen das 1912 entstandene Beckmann-Gemälde „Stilleben mit gelben Stiefeln“, das eine moderate Höchsttaxe von 200.000 Euro hat.

Marcel Duchamps Multiple „The Box in a Valise“ von 1966 ist mit 200.000 bis 300.000 Euro beziffert. Quelle: Villa Grisebach, Berlin, VG Bild-Kunst Bonn 2015

Miniaturmuseum in einer Box

Marcel Duchamps Multiple „The Box in a Valise“ von 1966 ist mit 200.000 bis 300.000 Euro beziffert. Quelle: Villa Grisebach, Berlin, VG Bild-Kunst Bonn 2015

Kunstreiche Schachteln

Die Auktion beginnt mit Otto Modersohn und endet mit dem immer noch unterschätzten Bruno Goller. Ein moderat geschätzter später Liebermann („Die Große Seestraße in Wannsee“ (350.000 – 450.000 Euro) und eine nächtliche Straßenszene von Lesser Ury (150.000 – 200.000 Euro) gehören zu den ersten ausgebotenen Werken. Den Mittelpunkt der Auktion setzen drei  der von Marcel Duchamp als Werkdokumentation publizierten „Schachteln“, mit denen der Künstler Reproduktionen seiner Hauptwerke und Werknotizen in handliche Boxen einschloss. Das teuerste dieser Multiples ist die als Miniaturmuseum konzipierte „The Box in a Valise“ von 1966, die mit 200.000 bis 300.000 Euro beziffert ist. Konstruktivistische Werke von Laszlo Moholy-Nagy, Walter Dexel, Friedrich Vordemberge-Gildewart und ein 1930 datiertes Kandinsky-Aquarell haben Taxen bis 150.000 Euro.

Seltene Frühwerke von Karl Hofer

Von herausragender Qualität ist ein „Sitzender Akt mit blauem Kissen“ von Karl Hofer aus dem Jahr 1927, der in der Schandausstellung „Entartete Kunst“ figurierte (250.000 bis 350.000 Euro). Das apokalyptische Hofer-Gemälde „Der Rufer“ von 1938 hat eine Schätzung von 180.000 bis 240.000 Euro. Vernünftig geschätzte Ölbilder von Willi Baumeister und Ernst Wilhelm Nay beherrschen die Endphase der Auktion.

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