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07.03.2016

11:29 Uhr

Volksmusikanten

Heino ärgert sich über Tatort-Premiere

Der Sachsen-„Tatort“ hat die Szene der Volksmusikanten verärgert. Heino und einige seiner Kollegen sehen die Musikgattung und ihre Stars verunglimpft. Die Branche sei „durch den Dreck“ gezogen worden.

Der Schlagersänger wettert gegen den neuen Sachsen-„Tatort“. Die Folge fand er überflüssig. dpa

Heino

Der Schlagersänger wettert gegen den neuen Sachsen-„Tatort“. Die Folge fand er überflüssig.

BerlinDer neue Sachsen-„Tatort“ über einen Mord in der Volksmusik-Szene hat einige Schlagersänger verärgert. „Das Drehbuch kann nur ein Mann geschrieben haben, der von banalen Vorurteilen gegenüber Volksmusik geprägt ist und sich nie wirklich mit uns beschäftigt hat“, sagte Musiker Heino (77) der „Bild“-Zeitung vom Montag. „Dieser „Tatort“ war überflüssig und verhöhnt nicht nur meine Kollegen, sondern auch unsere vielen Fans.“

In dem am Sonntag ausgestrahlten ARD-Krimi „Auf einen Schlag“ - der erste Fall für die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) - drehte sich die Welt der Volksmusik um Geschäfte, alternde Stars und den schönen Schein.

„Den „Tatort“-Machern ist nichts Besseres eingefallen, als unsere Branche gehörig durch den Dreck zu ziehen. Schade, dass man uns Volksmusiker immer so negativ darstellen muss“, sagte das Schunkel-Duo Marianne (63) und Michael (66) dem Blatt.

Tatort-Autor Husmann: „Keine Verarsche der Schlagermusik“

Husmann

Bekannt als „Stromberg“-Erfinder ist Ralf Husmann auf witzige Texte abonniert. Im neuen Dresden-„Tatort“ begibt sich der Drehbuchautor auf neues Terrain - und schlägt auch ernste Töne an.

Dresden

Dresden wird nach über 15 Jahren wieder zur „Tatort-Stadt. Für ihren ersten Fall mit dem Titel „Auf einen Schlag“ ermitteln die hartnäckigen Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) als erstes weibliches Ermittlerduo der Krimireihe.
Quelle: Interview der dpa

Ein Tatort im Showgeschäft?

„Die Schlagerwelt und die Welt der Volksmusik bilden vielleicht den größtmöglichen Kontrast zu Brutalität, Blut, Gewalt und Leichen.“

Schwule Volksmusiker?

„Für mich ist die Volksmusik und die Schlagerwelt - neben dem Profifußball - eine der wenigen Arenen, wo Schwulsein immer noch ein Thema ist. Es gibt ja wenige offen schwule Volksmusiker.“

Liedtexte selbst geschrieben?

„Mir war wichtig, dass wir keine Parodie und keine Verarsche der Schlagermusik machen, sondern dass wir versuchen, so nah wie möglich an Volksmusik heranzukommen. Das Sachsenlied hat, denke ich, Ohrwurm-Potenzial.“

Wo in der „Tatort“-Familie?

Wir haben versucht, einen humorvolleren „Tatort“ zu machen, ohne dass wir nun die Kollegen aus Münster rechts überholen wollen. Mir war wichtig, dass man die Gewalt und das Brutale, was der Film ja auch hat, durchaus ernst nehmen kann. Und dass auf der anderen Seite dennoch ironische und lustige Elemente drin sind.

Weibliches Ermittlerteam?

Es sind normale, durchschnittliche Frauen, die normale, durchschnittliche Probleme haben. Die wollen auch mal nach Hause, die wollen auch mal Feierabend haben.“

Erster Ausflug ins Genre der Krimis?

Ich hab vor ein paar Jahren eine Serie gemacht, die „Dr. Psycho“ hieß. Das war der Versuch, Krimi mit Komödie zu kombinieren, ein paar Jahre vor „Mord mit Aussicht“ und ähnlichen Formaten. Insofern war der „Tatort“ für mich keine Premiere.

Drehbuchautor Ralf Husmann („Stromberg“) hatte sich für seinen ersten „Tatort“ die Volksmusik-Szene ausgesucht, weil dort nach eigenen Worten „noch Rock n' Roll drin ist“.

Der neue ARD-„Tatort“ mit dem Standort Dresden entpuppte sich für das Erste gleich als Erfolg. 9,55 Millionen Zuschauer sahen am Sonntagabend ab 20.15 Uhr den ersten Fall mit dem Ermittlerteam um die Darsteller Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Martin Brambach.

Der Marktanteil betrug 25,4 Prozent, beim jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 Jahren 22,5 Prozent. In dem Krimi „Auf einen Schlag“ ging es um den mysteriösen Mord an einem Volksmusiker. Zeitgleich kam das ZDF-Drama „Katie Fforde: Die Frau an seiner Seite“ mit 4,61 Millionen Zuschauern (12,2 Prozent) dem „Tatort“ noch am nächsten.

In der jüngeren Vergangenheit lagen andere „Tatort“-Teams mit ihren Debüt-Filmen aber auch schon besser. Spitzenreiter war vor exakt drei Jahren Til Schweiger mit dem Fall „Willkommen in Hamburg“, bei dem damals 12,74 Millionen Zuschauer einschalteten.

Der Franken-„Tatort“ brachte es mit seiner Premiere im April 2015 ebenfalls auf mehr als zwölf Millionen Zuschauer, das Frankfurter Gespann um Margarita Broich und Roland Koch im März 2015 auf 10,2 Millionen - die Nutzung der Mediatheken ist hier noch nicht eingeschlossen.

Tatort-Geschichte im kleinen Überblick

„Taxi nach Leipzig“

29.11.1970: Erster Krimi der Reihe: „Taxi nach Leipzig“ mit Walter Richter als Hamburger Kommissar Paul Trimmel. Ausgangslage: In der DDR wird an einem Autobahnrastplatz bei Leipzig die Leiche eines Jungen gefunden, der Schuhe aus der Bundesrepublik trug.

„Reifezeugnis“

27.3.1977: „Reifezeugnis“ von Wolfgang Petersen, der legendäre „Tatort“ schlechthin. Der Kieler Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) hat es mit dem Mord an einem Gymnasium und dem Verhältnis zwischen einer Schülerin (Nastassja Kinski) und einem Lehrer (Christian Quadflieg) zu tun.

Erste Kommissarin

29.1.1978: Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der SWF Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) ins Rennen. Auftakt: „Der Mann auf dem Hochsitz“. Bis 1980 gibt es drei Folgen.

Erster Schimanski-Tatort

28.6.1981: Erster Schimanski-„Tatort“ - Titel: „Duisburg-Ruhrort“. „Schimmi“, also Horst Schimanski (Götz George) wird Kult. Zwei Fälle kommen auch ins Kino: „Zahn um Zahn“ (1985) und „Zabou“ (1987).

Erster Odenthal-Tatort

29.10.1989: Start für Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen. Sie ist noch heute im Einsatz und damit die dienstälteste Ermittlerin der Reihe.

Deutsch-deutsche Koproduktion

28.10.1990: Der Krimi „Unter Brüdern“ ist eine deutsch-deutsche Koproduktion von DFF und ARD aus den Krimireihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“, unter anderem mit Götz George und Eberhard Feik.

Kindesmissbrauchs-Tatort

26.11.1995: Zum 25. Jubiläum läuft der Münchner Krimi „Frau Bu lacht“ in der Regie von Dominik Graf - viele Kritiker halten diesen Kindesmissbrauch-Thriller für einen der besten „Tatorte“ überhaupt.

Erster Tatort aus Münster

20.10.2002: Der Münster-„Tatort“ startet. Das Team mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gilt fortan als das mit Abstand beliebteste.

Satanismus-Krimi

04.4.2004: Im Bremer Satanismus-Krimi „Abschaum“ mit Sabine Postel und Oliver Mommsen werden 14 Todesopfer gezählt - die viertmeisten Toten in einem „Tatort“.

Proteste der alevitischen Gemeinde

23.12.2007: Der Fall „Wem Ehre gebührt“ mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in Hannover löst wegen seiner Verknüpfung von Inzest und der islamischen Glaubensrichtung der Aleviten rund um seine Erstausstrahlung Proteste der alevitischen Gemeinde aus.

Matthias Schweighöfer im Tatort

03.1.2010: „Tatort“ Nummer 751 mit dem Titel „Weil sie böse sind“ mit den Frankfurter Ermittlern Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) glänzt mit einem bitterbösen Adelsspross, gespielt von Matthias Schweighöfer.

Wiener Tatort

05.2.2012: In der Wiener Folge „Kein Entkommen“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser werden 15 Todesopfer gezählt - die drittmeisten Toten in einem „Tatort“.

Erster Schweiger-Tatort

10.3.2013: Erster „Tatort“ mit Til Schweiger. Mit dem Krimi „Willkommen in Hamburg“ setzt der Kinostar neue Maßstäbe in Sachen Action und Produktionskosten. Ein Jahr später (9.3.2014) hat der Fall „Kopfgeld“ mit 19 Leichen die zweitmeisten Toten eines „Tatorts“.

Abschied von „Franziska“ erst nach 22 Uhr

05.1.2014: Im Fall „Franziska“ stirbt die langjährige Kölner Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) bei einer Geiselnahme im Gefängnis. Die Erstausstrahlung des Gruselkrimis ist aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gelegt worden.

Tukur mit den meisten Toten

12.10.2014: Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellt einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. Experten vom „Tatort-Fundus“ zählen 51 Leichen.

Der 1000. Tatort

Voraussichtlich Ende 2016 kommt dann der 1000. „Tatort“.

Von

dpa

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