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15.01.2004

08:46 Uhr

Vom Leiden der Frauen

Filmtipp: Osama

VonKlaus Eder

Osama ist kein besonders attraktiver Name, außer im Afghanistan der Taliban. Kabul. Ein junges Mädchen, zwölf oder dreizehn wird sie sein, verkleidet sich als Junge und nennt sich so. Das Mädchen wird zum Jungen, weil die Taliban die Frauen unterdrücken und ihrer Mutter verbieten zu arbeiten.

Als Junge wird sie von den Taliban aufgegriffen und in eine Koran-Schule gesteckt. Ein als Junge verkleidetes Mädchen unter lauter Jungen: das führt zu einer Reihe von Szenen, bei denen wir besorgt beobachten, ob sie sie meistert. Natürlich nicht: am Ende wird sie an einen alten Lüstling verschachert. Das junge Mädchen, das die Rolle spielt, hat Regisseur Siddiq Barmak auf der Straße gefunden: ein scheues, ängstliches Wesen, von bemerkenswerter schauspielerischer Intensität.

Die Demütigungen, die das Taliban-Regime den Menschen zufügte, in ihr sind sie zusammengefasst. Viele der Taliban werden von ehemaligen Taliban gespielt. Der Film wirkt wie eine schmerzvolle Erinnerung an schlimme Zeiten - aber er zeigt nur, er erzählt vom Terror und vom Leiden, er richtet nicht. Die Bilder prägen sich ein: Tableaux der Armut und der Unterdrückung, das helle Blau der Frauenkleider dominiert. Es ist der erste Spielfilm, der in Afghanistan nach dem Sturz der Taliban gedreht werden konnte. Beim Festival in Cannes wurde er als bestes Debüt ausgezeichnet, lief weltweit bei anderen Festivals und erreicht jetzt in einer deutschen Fassung unsere Kinos. Es ist ein Film, dessen emotionaler Kraft man sich kaum entziehen kann.

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