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08.12.2016

15:08 Uhr

Walser im Wirtschaftsclub

„Trump war einfach besser“

VonAxel Höpner

Schriftsteller-Legende Martin Walser im Handelsblatt Wirtschaftsclub: So schlimm wird es schon nicht kommen, sagt er zur Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch deutsche Rechtspopulisten machen ihm nur wenig Angst.

Der Autor las im Literaturhaus in München aus seinem Buch „Ein sterbender Mann“. Thomas Einberger für Handelsblatt

Martin Walser im Handelsblatt Wirtschaftsclub

Der Autor las im Literaturhaus in München aus seinem Buch „Ein sterbender Mann“.

MünchenDer Mann ist notorischer Optimist. Einerseits sagt Martin Walser: „Ich bin ausgestiegen aus der Rechthaberei.“ Andererseits ist er noch immer für interessante und kontroverse Debattenbeiträge gut. So war der große Saal des Literaturhauses München bei seinem Besuch im Wirtschaftsclub komplett gefüllt. 200 Gäste wurden nicht enttäuscht.

Sie hörten, dass der 89-Jährige bei den US-Präsidentschaftswahlen zum Beispiel wohl für Donald Trump gestimmt hätte. Der Schriftsteller räumte zwar ein: „Eigentlich kann man es sich nicht leisten, für Trump zu sein.“ Doch der umstrittene Politiker fasziniert ihn durchaus. „Ich könnte Hillary Clinton nicht wählen, weil der einfach besser war.“

Aus dem Leben des Schriftstellers Martin Walser

Martin Walser

...ließ und lässt sich nicht leicht vereinnahmen und schon gar nicht eindeutig verorten. Im Gegenteil, es macht ihn bis heute aus, dass er in hoher literarischer Qualität Deutschland gegen den Strich bürsten will.

Nach dem Tod von

... Siegfried Lenz, Günter Grass und Heinrich Böll ist er der letzte lebende große, deutsche Schriftsteller der Nachkriegszeit.

Die Anfänge

Walser, 1927 am Bodensee als Sohn eines Gastwirtes geboren, erlebt den Krieg als Soldat, studiert in Tübingen und wird 1953 Mitglied der Gruppe 47, die das Nachkriegsdeutschland literarisch prägt. Als 30-Jähriger schreibt Walser 1957 seinen ersten großen Roman: „Ehen in Philippsburg“.

Der „Kommunist“

Weil er sich aktiv gegen den Vietnamkrieg einsetzt, wird er selbst von seinem damaligen Freund und Verleger Siegfried Unseld als Kommunist bezeichnet. Die DDR bleibt Walser jedoch stets suspekt. Nicht einmal mit der westdeutschen DKP kann er sich anfreunden. Und die DKP sich nicht mit ihm. Für sie ist er nicht proletarisch genug, ein „Kleinbürger“.

Der Politaktivist

1961 ist es nicht etwa Günter Grass, sondern Martin Walser, der als erster deutscher Publizist eine Wahlinitiative für die SPD startet. Doch während die SPD in den achtziger Jahren auf den Status quo zwischen DDR und der Bundesrepublik pocht, mag Walser noch 1988 mit der deutschen Teilung nicht leben. 1989 tritt Walser sogar als Gastredner bei der Klausurtagung der CSU in Wildbad Kreuth auf. Bücher wie „Seelenarbeit“ und „Das fliehende Pferd“ sind inzwischen erschienen.

Der Preisträger

Für seine literarischen Leistungen und seine geistige Unabhängigkeit hat Walser die höchsten deutschen Literaturauszeichnungen bekommen: Den Hermann-Hesse-Preis 1957 zum Beispiel, den Georg-Büchner-Preis 1981 oder den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1998, den Walser nach Erscheinen des Buches „Ein springender Brunnen“ erhielt.

Der „geistige Brandstifter“

Auch in seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche, inzwischen gut 70 Jahre alt, bleibt Walser sich selbst treu. Er kritisiert, dass die deutsche Schande des Holocaust „zu gegenwärtigen Zwecken“ instrumentalisiert wird: „Ausschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung“. Der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden Ignatz Bubis wirft Walser „geistige Brandstiftung“ vor, nimmt den Vorwurf jedoch später zurück.

„Tod eines Kritikers“

2002 rechnet er in seinem Buch „Tod eines Kritikers“ mit dem Literaturkritiker Reich-Ranicki ab und löst wiederum eine große Debatte aus. Walsers neuestes Buch „Der sterbende Mann“ ist am 8. Januar erschienen.

Thekla Chabbi

...ist Sinologin und Übersetzerin mehrerer Romane des chinesischen Schriftstellers Li Er. In den neunziger Jahren war sie mit dem Schlagersänger Guildo Horn verheiratet. Sie ist Co-Autorin von „Der sterbende Mann“.

Gar so schlimm, wie viele fürchten, werde es nun nicht kommen. „Der wird das alles nicht tun" - zum Beispiel die Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen. „Es wäre grotesk in dieser Hitze eine Mauer zu bauen.“ Die US-Präsidenten, die aus dem üblichen Schema fielen wie Ronald Reagan und „der göttliche Obama“, hätten sich oft als gut erwiesen. Walser sieht sich ohnehin als „unbelehrbarer Optimist“.

Es war ein unterhaltsamer Abend mit Walser und Thekla Chabbi, der Co-Autorin seines aktuellen Romans „Ein sterbender Mann“. Mit sonorer, eindringlicher Erzählstimme las Walser aus dem Buch, Chabbi trug eine Passage vor, die sie selbst beigesteuert hat. Und auch zu Walsers Einschätzung von Trump hatte sie ihre Meinung, die sie trocken verkündete: „Ich kann diese Begeisterung nicht teilen.“

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Martin Walser glaubt, dass sich ohne Wirtschaftskenntnis kein guter Roman schreiben lässt. Im Interview sprechen er und seine Co-Autorin über ihr gemeinsames neues Buch, Suizid als Ende eines guten Lebens und Zuglektüre.

Martin Walser hatte die Sinologin in Heidelberg bei einem deutsch-chinesischen Kulturaustausch kennengelernt. Er erzählte ihr von seinem neuen Buchprojekt. Ein erfolgreicher Unternehmer scheitert, weil sein bester Freund ihn verrät und hegt Selbstmordgedanken. Ganz plausibel erschien ihr das noch nicht, und so schickte sie Walser den Internetlink zu einem Suizidforum.

Es entspann sich ein schriftlicher Dialog zwischen den beiden, in dem Chabbi ungefragt in die Rolle der Romanfigur Aster schlüpfte, Walser antwortete ihr als Protagonist Theo Schadt. So entstanden Romanpassagen. „Das kann man nicht zur Methode erheben, das wird nie wieder passieren", sagt Walser. Chabbi wollte ihre Rolle nicht überbewerten. „Den Roman hätte es sonst auch gegeben.“ Sie habe schon immer geschrieben, aber nie daran gedacht, es zu veröffentlichen.

Kommentare (4)

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Frau Lana Ebsel

08.12.2016, 15:49 Uhr

Angst machen sollten uns vor allem verblödete Idealisten, die die Wahrheit einfach nicht erkennen können. Hat doch gestern ein grüner Bürgermeister in der Talkshow bei Maischberger vorgerechnet, dass der hohe Prozentsatz von Kriminalität bei Asylbewerbern gar nicht so hoch wäre, wenn deren nicht nach Deutschland mitgekommene Familienangehörigen in die Statistik mit eingerechnet werden würden. Die Teilnehmerin von der AfD hat sich vor Verzweiflung ihre Hände vors Gesicht gelegt, denn was kann man dazu noch erwidern.

Account gelöscht!

08.12.2016, 16:38 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Account gelöscht!

09.12.2016, 14:14 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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