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15.05.2012

14:33 Uhr

Was darf Kunst?

Studenten wollen Schaf „Norbert“ hinrichten

Makabre Aktion in Berlin: Zwei Künstler lassen im Internet darüber abstimmen, ob ein Schaf durch eine selbstgebaute Guillotine sterben soll. Die Frage, ob Schaf „Norbert“ sterben soll, sorgt weltweit für Aufsehen

Schaf neben der Guillotine, die über zwei Millionen Euro wert ist. dpa

Schaf neben der Guillotine, die über zwei Millionen Euro wert ist.

Berlin/DüsseldorfDarf Kunst so weit gehen? Zwei Berliner Kunststudenten wollen womöglich ein Schaf mit einer originalgetreu nachgebauten Guillotine hinrichten. Im Internet rufen sie seit Wochen zu einer Abstimmung auf: „Soll dieses Schaf getötet werden?“ Dazu läuft ein Video, in dem das Fallbeil unzählige Male auf die Richtbank kracht. An diesem Donnerstag, Christi Himmelfahrt (17. Mai), läuft die Abstimmungsfrist ab.

Das Experiment, wie Iman Rezai und Rouven Materne ihre Aktion nennen, hat nicht nur in Deutschland, sondern weltweit für Aufsehen gesorgt. Bei der Berliner Justiz gingen acht Strafanzeigen an, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Im Internet brach eine Debatte über die Freiheit der Kunst und den Wert des Lebens los. Und die Künstler bekommen eigenen Angaben zufolge Briefe mit Morddrohungen unter die Tür geschoben.

Der Hype führte dazu, dass ein privater Sammler aus den USA bereit war, für „Die Guillotine“ der beiden bisher weitgehend unbekannten Studenten umgerechnet 1,75 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. So jedenfalls berichtet es die zuständige Künstleragentur. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Aber angesichts der Wahnwitzigkeiten auf dem Kunstmarkt passt auch eine solche Kapriole ins Bild.

Die unversehens zu Reichtum gekommenen Urheber, Meisterschüler der Berliner Universität der Künste, zeigen sich von dem Wirbel überrascht. „Wir haben schon gedacht, dass es in Deutschland vielleicht ein bisschen knallt, aber mit der internationalen Resonanz haben wir nicht gerechnet“, sagt Rezai. Mit ihrem Experiment wollen die Künstler die Demokratie auf die Probe stellen.

„Die Auswirkungen unserer 'demokratischen' Entscheidungen sind uns längst nicht mehr bewusst“, sagt Rezai. „Es wird permanent im Namen der Demokratie, des Friedens und der Menschenrechte die eigene sowie die Freiheit anderer beschnitten.“ Die Universität distanziert sich von der Aktion.

„In jeder Hinsicht selbstverständlich ist, dass Kunst ihre Grenze dort findet, wo Lebewesen Schaden nehmen“, betont Präsident Martin Rennert. Neu sind solche Grenzgänge allerdings nicht. Auch Theaterrebell Christoph Schlingensief hielt einem Huhn einst das Messer an die Kehle. Und erst kürzlich wurde einer Berliner Künstlerin gerichtlich verboten, in einer „Performance“ zwei Hundewelpen zu erdrosseln.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

15.05.2012, 16:24 Uhr

Besorgnis erregend allein sind die Reaktionen auf diese Provokation. Besonders abartig ist der Profitgedanke eines Kunstsammlers. Die Künstler halten dem Menschen einen Spiegel vor. Ist das Kunst? Ich glaube schon. Was ist dieses Werk wert? Den Materialwert +Arbeitszeit.

LJA

15.05.2012, 17:39 Uhr

Zwei Tage vor dem Ende der Aktion führen die NEINs mit etwa 60:40 gegenüber den JAs. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass solche Online-Umfragen leicht zu manipulieren sind.

Mintkatze

15.05.2012, 17:43 Uhr

hi Gung Bong,

also ich muss sagen, dass auch ich sowas wirklich total pervers und abartig finde. Sowas hat mit Kunst Null und nichts mehr zut tun!! Und außerdem: diese Herren Künstler zeigen hier eben, dass ihnen weder das Leben eines Tieres noch das Tierschutzgesetz heilig ist. Und eben jenes Tierschutzgesetz ist in unserem StGB verankert und verbietet solche Vorgänge!!

Von daher kann ich nur hoffen, dass diese beiden - sorry wenn ich es jetzt so schreibe - Spinner - hier dafür eine langjährige Haftstrafe bekommen. Denn sowas ist einfach totale Tierquälerei!!! Igitt kann man dazu nur noch sagen und ich fäne es gut, wenn dieses eklige Video aus dem Internet rausgenommen würde!! Da wird einem wirklich schlecht davon!!! Pfui daibel!!!

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