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13.03.2004

07:08 Uhr

Weekend Journal

Micky liegt im Sterben

VonMarkus Tschiedert (Handelsblatt)

Mit dem Film „Bärenbrüder“ endet am Donnerstag eine Ära: Es ist der letzte große Zeichentrickfilm aus dem Hause Walt Disney. Statt mit Trickfilmtechnik arbeiten die großen Hollywoodstudios nur noch mit Computeranimation.

Jetzt, 76 Jahre nachdem Walt Disney den kleinen Nager mit den roten Hotpants aus der Taufe gehoben und zum Markenzeichen seines Imperiums erkoren hat, droht das Ende aller klassisch animierten Trickfiguren. Bambi, Mickymaus, der König der Löwen – sie sind vom Aussterben bedroht. Zwar schickt der Disney-Konzern mit „Bärenbrüder“ gerade noch einmal ein aufwendig produziertes Zeichentrickabenteuer ins Rennen, doch der Film ist die letzte Zuckung eines sterbenden Unterhaltungszweigs – für viele sogar einer ganzen Kunstrichtung, die Generationen begleitete.

Vier Jahre saßen 400 Zeichner unter der Anleitung der Regisseure Aaron Blaise und Bob Walker an der Geschichte eines garstigen Indianerjungen, der in einen Bären verzaubert wird, ohne zu ahnen, dass sich zwischenzeitlich der Publikumsgeschmack drastisch verändern würde. „Zeichentrickfilme scheinen nicht mehr gefragt zu sein. Die Zuschauer sind nur noch heiß auf computeranimierte Filme“, bedauert Blaise.

Das beweisen vor allem die Einspielergebnisse. Allein das computeranimierte Unterwasserspektakel „Findet Nemo“ brachte weltweit mehr als 700 Millionen Dollar in die Kassen, während Disney mit den Zeichentrick-Versuchen „Atlantis“ und „Der Schatzplanet“ schlichtweg baden ging. „Bärenbrüder“-Produzent Chuck Williams sucht nach Gründen: „Man wollte den Markt noch ausdehnen und die letzten Filme wie handgemalte Actionfilme für Teenager konzipieren. Wir wollten mit ,Bärenbrüder’ aber wieder eine klassische Disney-Geschichte mit sprechenden Tieren und vielen Songs erzählen – und lagen richtig.“ Mit einem US-Einspielergebnis von knapp 80 Millionen Dollar ist „Bärenbrüder“ ein Achtungserfolg gelungen, doch die Zeiten, als „Bambi“, „Das Dschungelbuch“ und „Der König der Löwen“ Kassenrekorde brachen, sind vorbei.

Die Konzernspitze von Disney ließ gleich mehrere Zeichentrickstudios schließen, unter anderem das in Orlando, Florida, wo „Bärenbrüder“ entstand. Im ohnehin umsatzschwachen September wird mit „Die Kühe sind los“ Disneys letzter Zeichentrickfilm folgen. Zeichner, die nicht bereit sind, ihren Stift gegen Maus und Tastatur einzutauschen, stehen jetzt auf der Straße.

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