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26.12.2015

09:41 Uhr

Weihnachts-Tatort aus Köln

Gut gemeint, aber nicht wirklich gelungen

Heute Abend erwartet die Tatort-Fans ein komplizierter Fall aus Köln. Die Kommissare Ballauf und Schenk werden mit illegalen Waffengeschäften konfrontiert – und die Zuschauer mit einem öden TV-Krimi.

Die Schauspieler Klaus J. Behrendt (Max Ballauf, l) und Dietmar Bär (Freddy Schenk). dpa

Kölner Tatort

Die Schauspieler Klaus J. Behrendt (Max Ballauf, l) und Dietmar Bär (Freddy Schenk).

KölnEine Leiche liegt am Rheinufer. Es ist der Finanzberater Martin Lessnik. Eine heiße Spur führt zu seinem früheren Geschäftspartner Karsten Holler. Problem: Holler wurde schon vor längerer Zeit für tot erklärt, nachdem er bei einer gemeinsamen Motorradtour mit Lessnik durch die Sahara spurlos verschwunden war. Könnte Holler seinen eigenen Tod nur vorgetäuscht haben?

Und welche Rolle spielt Hollers Witwe Sarah (Dorka Gryllus)? Sie hat von ihrem Mann 3,4 Millionen Euro geerbt, die er auf einem Konto in der Schweiz gebunkert hatte. Das Nummernkonto war erst kürzlich über eine CD mit Steuerdaten aufgeflogen.

Bald kommt ans Licht, dass die Geschäfte von Lessnik und Holler nicht ganz sauber waren: Statt angeblicher Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen nach Tansania lieferten sie Gas-Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in den Iran. Das Zollkriminalamt hatte den millionenschweren vorgeblichen Tansania-Deal seinerzeit genehmigt - jetzt gerät die zuständige Beamtin Kathrin Brandt (Winnie Böwe) selbst ins Visier der Ermittler.

Tatort-Geschichte im kleinen Überblick

„Taxi nach Leipzig“

29.11.1970: Erster Krimi der Reihe: „Taxi nach Leipzig“ mit Walter Richter als Hamburger Kommissar Paul Trimmel. Ausgangslage: In der DDR wird an einem Autobahnrastplatz bei Leipzig die Leiche eines Jungen gefunden, der Schuhe aus der Bundesrepublik trug.

„Reifezeugnis“

27.3.1977: „Reifezeugnis“ von Wolfgang Petersen, der legendäre „Tatort“ schlechthin. Der Kieler Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) hat es mit dem Mord an einem Gymnasium und dem Verhältnis zwischen einer Schülerin (Nastassja Kinski) und einem Lehrer (Christian Quadflieg) zu tun.

Erste Kommissarin

29.1.1978: Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der SWF Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) ins Rennen. Auftakt: „Der Mann auf dem Hochsitz“. Bis 1980 gibt es drei Folgen.

Erster Schimanski-Tatort

28.6.1981: Erster Schimanski-„Tatort“ - Titel: „Duisburg-Ruhrort“. „Schimmi“, also Horst Schimanski (Götz George) wird Kult. Zwei Fälle kommen auch ins Kino: „Zahn um Zahn“ (1985) und „Zabou“ (1987).

Erster Odenthal-Tatort

29.10.1989: Start für Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen. Sie ist noch heute im Einsatz und damit die dienstälteste Ermittlerin der Reihe.

Deutsch-deutsche Koproduktion

28.10.1990: Der Krimi „Unter Brüdern“ ist eine deutsch-deutsche Koproduktion von DFF und ARD aus den Krimireihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“, unter anderem mit Götz George und Eberhard Feik.

Kindesmissbrauchs-Tatort

26.11.1995: Zum 25. Jubiläum läuft der Münchner Krimi „Frau Bu lacht“ in der Regie von Dominik Graf - viele Kritiker halten diesen Kindesmissbrauch-Thriller für einen der besten „Tatorte“ überhaupt.

Erster Tatort aus Münster

20.10.2002: Der Münster-„Tatort“ startet. Das Team mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gilt fortan als das mit Abstand beliebteste.

Satanismus-Krimi

04.4.2004: Im Bremer Satanismus-Krimi „Abschaum“ mit Sabine Postel und Oliver Mommsen werden 14 Todesopfer gezählt - die viertmeisten Toten in einem „Tatort“.

Proteste der alevitischen Gemeinde

23.12.2007: Der Fall „Wem Ehre gebührt“ mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in Hannover löst wegen seiner Verknüpfung von Inzest und der islamischen Glaubensrichtung der Aleviten rund um seine Erstausstrahlung Proteste der alevitischen Gemeinde aus.

Matthias Schweighöfer im Tatort

03.1.2010: „Tatort“ Nummer 751 mit dem Titel „Weil sie böse sind“ mit den Frankfurter Ermittlern Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) glänzt mit einem bitterbösen Adelsspross, gespielt von Matthias Schweighöfer.

Wiener Tatort

05.2.2012: In der Wiener Folge „Kein Entkommen“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser werden 15 Todesopfer gezählt - die drittmeisten Toten in einem „Tatort“.

Erster Schweiger-Tatort

10.3.2013: Erster „Tatort“ mit Til Schweiger. Mit dem Krimi „Willkommen in Hamburg“ setzt der Kinostar neue Maßstäbe in Sachen Action und Produktionskosten. Ein Jahr später (9.3.2014) hat der Fall „Kopfgeld“ mit 19 Leichen die zweitmeisten Toten eines „Tatorts“.

Abschied von „Franziska“ erst nach 22 Uhr

05.1.2014: Im Fall „Franziska“ stirbt die langjährige Kölner Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) bei einer Geiselnahme im Gefängnis. Die Erstausstrahlung des Gruselkrimis ist aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gelegt worden.

Tukur mit den meisten Toten

12.10.2014: Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellt einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. Experten vom „Tatort-Fundus“ zählen 51 Leichen.

Der 1000. Tatort

Voraussichtlich Ende 2016 kommt dann der 1000. „Tatort“.

Mit dem mittlerweile 64. Fall der Kölner Kommissare haben sich Regisseurin Dagmar Seume und Drehbuchautor Jens Maria Merz viel vorgenommen - vielleicht zu viel. Wer als Zuschauer nicht konzentriert zuhört, verliert schnell den Faden.

Ein Glück, dass Ballauf den Sachstand für seine Kollegen zwischenzeitlich mal kurz zusammenfasst. Das heikle politische Thema der illegalen Waffenexporte ist zu komplex, um als eine Art Nebenhandlung angefasst und kritisiert zu werden.

Stattdessen kommt die für den Kölner „Tatort“ typische Gesellschaftskritik recht klischeehaft daher: In Form eines superreichen, bösen Unternehmers, der in einem Schloss wohnt und zufällig gerade Besuch von seinem schmierigen Rechtsanwalt hat, als die Polizei vorbeikommt.

Nebenher gibt es kleinere Reibereien auf dem Revier. Schenk lässt nach wie vor kaum eine Gelegenheit aus, um gegen den Assistenten Tobias Reisser (Patrick Abozen) zu sticheln. Doch der kann mit sorgfältiger Arbeit und guten Rechercheergebnissen kontern. Im Übrigen scheint Schenk ein Auge auf die vom Zollamt ausgeliehene junge Kollegin Sabine Trapp (Anna von Haebler) geworfen zu haben. Ob sie nicht mit Tobias tauschen könnte, schlägt er Ballauf vor.

Doch auch solche Zwischenmenschlichkeiten können die Längen dieser „Tatort“-Folge leider nicht auffangen. Fazit: Gut gemeint, aber nicht wirklich gelungen.

Von

dpa

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