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24.02.2015

17:27 Uhr

Welfenschatz

Deutsche Stiftung soll vor US-Gericht

VonChristiane Fricke

Im März 2014 sprach sich die Limbach-Kommission aufgrund zahlreicher Fakten gegen eine Restitution des Welfenschatzes aus. Jetzt streben die amerikanischen Anspruchsteller eine juristische Auseinandersetzung in Amerika an.

Der Bostoner Anwalt Nicholas M. O'Donnell (r) und der Marburger Anwalt Markus H. Stötzel, der den Fall gemeinsam mit O'Donnells Kanzlei vertritt. Foto: Stephanie Pilick dpa

Nehmen den Kampf um den Welfenschatz wieder auf

Der Bostoner Anwalt Nicholas M. O'Donnell (r) und der Marburger Anwalt Markus H. Stötzel, der den Fall gemeinsam mit O'Donnells Kanzlei vertritt. Foto: Stephanie Pilick

BerlinVor rund drei Wochen wurde der Welfenschatz durch den Sachverständigenausschuss des Landes Berlin als national wertvolles Kulturgut deklariert. Nun strengt die Bostoner Anwaltskanzlei Nicholas M. O'Donnell zusammen mit dem Marburger Anwalt Markus H. Stötzel ein Verfahren gegen die Bundesregierung und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) vor einem US-Gericht an. Dies geht aus einer heute durch die Stiftung verbreiteten Pressemitteilung hervor.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung, reagierte überrascht und verwundert, wie aus einer stiftungseigenen Mitteilung hervorgeht. Es wäre der ausdrückliche Wunsch der Antragsteller gewesen, den Fall gemäß den Washingtoner Prinzipien zu behandeln und der Beratenden Kommission unter Leitung von Jutta Limbach vorzulegen. Diesem Wunsch habe sich die SPK vorbehaltlos gestellt und immer deutlich gemacht, jede Empfehlung der Kommission zu akzeptieren.

Im März 2014 hatte die Limbach-Kommission, die auch bei den Amerikanern in hohem Ansehen steht, in einer umfangreich begründeten Empfehlung die Position der SPK für uneingeschränkt richtig erachtet (Vgl. Handelsblatt Online v. 21.3.2014). Ihr zufolge sind die Voraussetzungen für eine Rückgabe des Welfenschatzes gemäß den Washingtoner Prinzipien in diesem Fall nicht gegeben. Dafür spreche eine Vielzahl historischer Fakten, darunter der sich im Rahmen des seinerzeit Üblichen und Erreichbaren bewegende Kaufpreis und die Tatsache, dass der Welfenschatz seit 1930 dem Zugriff des deutschen Staates entzogen war, weil er sich im Ausland befand.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, äußerte sich am Dienstag «verwundert» über die US-Klage der Bostoner Anwaltskanzlei Nicholas M. O'Donnell zum Welfenschatz. Foto: Jörg Carstensen dpa

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, äußerte sich am Dienstag «verwundert» über die US-Klage der Bostoner Anwaltskanzlei Nicholas M. O'Donnell zum Welfenschatz. Foto: Jörg Carstensen

Die nun offenbar gewordene amerikanische Haltung ruft auf deutscher Seite auch deshalb große Irritation hervor, weil der Anwalt der Antragsteller dem Stiftungspräsidenten gegenüber erklärt hatte, „auch seine Mandanten würden die Empfehlung der Beratenden Kommission akzeptieren“. Angaben der dpa zufolge machen die Kläger aber nun geltend, ihre Vorfahren hätten die wertvollen Goldreliquien aus dem Braunschweiger Dom 1935 unter dem Druck der Nazis verkaufen müssen. Der Erlös (4,25 Millionen Reichsmarkt) habe allenfalls ein Drittel des eigentlichen Wertes betragen.

Nachfahren verlangen Herausgabe

Die „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“ übernimmt eine Mediatorenrolle zwischen den Trägern der Sammlungen und den ehemaligen Eigentümern der Kulturgüter bzw. deren Erben, wenn dies von beiden Seiten gewünscht wird. Zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten kann sie Empfehlungen aussprechen. Hinter der US-Klage stehen die Nachfahren deutsch-jüdischer Kunsthändler, die seinerzeit den Welfenschatz an das "Deutsche Reich" verkauften. Sie verlangen laut dpa die Herausgabe der auf mindestens 220 Millionen Euro geschätzten Kunstwerke.

Parzinger betont, ihm sei „nicht bekannt, dass neue Fakten vorliegen, die eine andere Einschätzung des Falles ergeben würden“. Schlussendlich würde sich die SPK aber auch dieser erneuten Auseinandersetzung stellen, lässt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verlauten. Er geht im Übrigen davon aus, „dass die Ergebnisse unserer jahrelangen wissenschaftlichen Provenienzrecherchen auch ein Gericht in den Vereinigten Staaten überzeugen werden.“

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