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21.03.2014

17:01 Uhr

Welfenschatz

Keine Empfehlung für eine Rückgabe

VonLucas Elmenhorst

Der Welfenschatz soll in Berlin verbleiben. So lautet die Empfehlung der Limbach-Kommission, die dafür gute Gründe zusammengetragen hat.

Armreliquiar des Hl. Laurentius aus dem Welfenschatz, Ende 12. Jahrhundert. (Ausschnitt) bpk / Kunstgewerbemuseum, SMBStiftung Preußischer Kulturbesitz,

Armreliquiar des Hl. Laurentius aus dem Welfenschatz, Ende 12. Jahrhundert. (Ausschnitt)

BerlinNun hat die Limbach-Kommission den wohl komplexesten und bislang vom Wert her größten Restitutionsfall entschieden – und wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters mitteilte, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz keine Rückgabe des Welfenschatzes empfohlen. Rechtlich gesehen ist die Empfehlung korrekt, sie zeigt jedoch ein Dilemma auf.

Eigentumsansprüche bei Restitutionsforderungen sind auf dem Rechtsweg wegen der inzwischen eingetretenen Verjährung meist nicht durchsetzbar. Deshalb kann seit 2003 die Limbach-Kommission zu Fragen der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz, angerufen werden. Ihre nicht bindenden Empfehlungen trifft sie auf der Grundlage der „Washingtoner Erklärung“ von 1998, mit der sich die Bundesrepublik verpflichtet hatte, bei NS-Kunstraub nach „fairen und gerechten Lösungen“ zu suchen. Jetzt hatte die Kommission über die Rückgabe des Welfenschatzes aus dem Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu entscheiden (siehe Handelsblatt vom 1. November 2013), die die Erben der am Verkauf beteiligten jüdischen Kunsthändler seit 2008 fordern.

Nicht unter Druck verkauft

Kaum ein anderer Restitutionsfall ist derart gut mit historischen Dokumenten belegt. Und dennoch scheint nach allem, was wir derzeit wissen, hier der bislang singuläre Fall vorzuliegen, dass auch ein Geschäft dieser Dimension von jüdischen Kunsthändlern im Juni 1935 nicht unter dem Druck der NS-Verfolgung zustande gekommen ist.

Beim Welfenschatz handelt es sich um das wohl bedeutendste Konvolut spätmittelalterlicher sakraler Goldschmiedekunst im Museumsbesitz, den der damalige preußische Staat 1935 für 4,25 Millionen Reichsmark von jüdischen Kunsthändlern erwarb. Sein heutiger Wert ist kaum zu beziffern, er würde deutlich über 200 Millionen Euro liegen. Den Namen erhielt der im Auftrag von Heinrich dem Löwen um 1175/1180 geschaffene und ursprünglich zum Braunschweiger Dom gehörende Reliquienschatz von den Welfen als ihren letzten Besitzern, die ihn im Herbst 1929 kurz vor dem berüchtigten „schwarzen Freitag“ für den damals unerhörten Rekordpreis von 7,5 Millionen Reichsmark an ein Konsortium von vier jüdischen Kunsthändlern verkauften. Zuvor hatten die Welfen lange Zeit vergeblich für 30 Millionen Reichsmark einen Käufer gesucht.

Verkaufsbemühungen nach dem Börsencrash

Da der Kunstmarkt als Folge des Börsencrashs daniederlag, gab es seit 1929 in Deutschland außer dem Preußischen Staat keine Kaufinteressenten. Nach einer nur teilweise erfolgreichen Verkaufstournee 1930 mit Ausstellungen im Frankfurter Städel und verschiedenen Museen in den USA, bei der rund 40 der 82 Stücke verkauft wurden, lagerten die Kunsthändler die verbleibende wertvollere Hälfte des Schatzes in Amsterdam ein.

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