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07.01.2005

06:02 Uhr

Panorama

„Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen“

VonBernd Ziesemer (Handelsblatt)

Die andere Geschichte Israels: Wie Wiener Kaffeehausliteraten und blutjunge Terroristen einen stolzen Judenstaat schufen

Ach, Jerusalem. Im King David Hotel dinieren langhalsige britische Damen mit jüdischen Gelehrten. Dubiose Weltverbesserer debattieren mit orthodoxen Sektierern in der Malachi- Straße. Braun gebrannte Burschen in kurzen Khakihosen warten auf den nächsten Bus in ihren Kibbuz. Durch die Stadt streifen bedeutend mehr Literaturprofessoren als Literaturstudenten. Die Geheimbündler der Irgun verstecken in den Kellern Gewehre und Handgranaten. Alle reden Jiddisch, Polnisch, Russisch, Hebräisch durcheinander.

Tante Mala und Onkel Staszek nennen ihre beiden Perserkatzen Chopin und Schopenhauer. Und der kleine Amos Oz wird sich später, viel später an diese verrückten Geschichten "von Liebe und Finsternis" erinnern wie an einen kurzen, glücklichen Traum zwischen dem Ende der Hitler-Barbarei und dem 29. November 1947: dem Tag, als der Völkerbund der Errichtung des Staates Israel zustimmte. Dem Tag, an dem arabische Mordbrenner beschlossen, die Juden "wieder ins Meer zu treiben".

In der deutschen Öffentlichkeit macht sich seit Jahren die fatale Neigung breit, Israel auf zwei Begriffe zu reduzieren: den Holocaust und den Palästinenserkonflikt. Nur wenige wissen etwas über die zionistische Bewegung, über das Palästina der zwanziger und dreißiger Jahre, über die ersten jüdischen Siedlungen, über die Anschläge gegen die britische Mandatsarmee, mit denen ein junger Terrorist (und späterer Ministerpräsident) namens Menachem Begin die Aufhebung des Einwanderungsverbots für die bedrängten Juden Europas herbeibomben wollte. Nie wieder in seinem Leben, schrieb Arthur Koestler über seine Begegnungen mit den Kämpfern Begins, habe er Menschen mit so traurigen Augen getroffen wie damals.

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