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06.01.2013

19:53 Uhr

Werkschau

Hamburger Kunsthalle feiert Maler Reinhart

VonChristian Herchenröder

In Hamburg feiert die Kunsthalle den unterschätzten Maler Johann Christian Reinhart. Seine Zeichnungen sind seit je Wunschobjekte für Kenner, während seine Gemälde bisher kaum bekannt sind.

Johann Christian Reinhart: Das Ölgemälde „Ansicht des Tibers an der Quelle von Acetosa“ entstand 1808. Reinhart lebte seit 1789 in Rom. © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk  Photo: Christoph Irrgang

Johann Christian Reinhart: Das Ölgemälde „Ansicht des Tibers an der Quelle von Acetosa“ entstand 1808. Reinhart lebte seit 1789 in Rom.

HamburgEs sind nicht immer nur die großen Namen, die im Ausstellungsbetrieb und auf dem Kunstmarkt Beachtung verdienen. Gerade in der deutschen Kunst des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts gibt es Künstler, die epochenprägend waren und deren Bekanntheitsgrad hinter dem ihrer anerkannten Lebensleistung zurücksteht. Einer von ihnen ist der 1761 in Bayern geborene Johann Christian Reinhart, der einem breiteren Publikum vor allem als Schöpfer radierter Tierfolgen und Ansichten von Rom und Umgebung bekannt ist. Seine Zeichnungen sind seit je Wunschobjekte für Kenner, während die Gemälde kaum bekannt sind.

Dabei hat der 1778 in Leipzig zum Kunstnovizen mutierte Theologiestudent vor allem in Rom, wo er von 1789 bis zu seinem Tod 1847 wirkte, exemplarische Ölbilder geschaffen, die einen individualistischen Typus der Landschaftsmalerei verkörpern. Wenn jetzt die Hamburger Kunsthalle in der ersten umfassenden Retrospektive den ganzen Reinhart zeigt, so weist sie mit den über 250 Exponaten auch auf den Maler hin, der höchstes Ansehen nicht nur in der römischen Künstlerkolonie, sondern auch beim bayerischen König Ludwig I. genoss, der ihm eine Leibrente gewährte und ihn 1839 zum Hofmaler ernannte.

Die chronologisch gehängte Ausstellung ist gerade deshalb so erhellend, weil hier neben einer Fülle von Zeichnungen und Radierungen nahezu das gesamte malerische Werk Reinharts Revue passiert. Der Parcours der Gemälde zeigt einen unterbewerteten Maler, der schon früh Claude Lorrains sechsbändige Mezzotinto-Folge "Liber Veritatis" verinnerlicht hat und der der Bildtradition eines Poussin und Gaspard Dughet verbunden ist. In Rom gerät er in den Bannkreis seines Landsmanns Joseph Anton Koch, von dessen bunten, kleinteilig strukturierten Landschaften sich seine Ideallandschaften grundlegend unterscheiden, obwohl auch sie dem Typus der dichterischen oder "erdichteten Landschaft" zuzurechnen sind.

Reinhart schuf Baumporträts ureigener Prägung, von denen zwei nebeneinander gehängte Beispiele aus Kopenhagen eine äußerst differenzierte Malweise erkennen lassen. Das eine Bild konterkariert undurchdringliches Dickicht mit filigran getüpfeltem Blattornament, das frei wuchernde Baumäste gliedern. Die Baumgruppe im zweiten Bild gibt dem Gehölz mehr Raum und lässt den Blick in einen Mittelgrund mit Tempelbau schweifen. Hier ist das Blattwerk mehr zeichnerisch als malerisch empfunden.

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