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15.10.2014

11:28 Uhr

Westspiel

Museumsdirektoren wollen Warhol-Verkauf stoppen

Die geplante Versteigerung von Warhol-Bildern aus der landeseigenen Spielbank empört die Direktoren der Kunstmuseen Nordrhein-Westfalens. Sie sehen einen Ansehensverlust vorher und internationale Konventionen missachtet.

Zwei fetzige Werke von Andy Warhol aus der Westdeutschen Spielbank, die für geschätzte 130 Millionen Dollar unter den Hammer kommen sollen: (von li. nach re.) "Triple Elvis" (1963) und "Four Marlon" (1966). dpa

Zwei fetzige Werke von Andy Warhol aus der Westdeutschen Spielbank, die für geschätzte 130 Millionen Dollar unter den Hammer kommen sollen: (von li. nach re.) "Triple Elvis" (1963) und "Four Marlon" (1966).

DüsseldorfDie geplante Versteigerung von Andy-Warhol-Kunstwerken durch ein landeseigenes Unternehmen stößt bei den Museumsdirektoren Nordrhein-Westfalens auf große Empörung. In einem Brandbrief an die Landesregierung fordern 26 Direktoren von Kunstmuseen im bevölkerungsreichsten Bundesland, das Vorhaben zu stoppen. Es stehe „in schroffem Gegensatz zu den internationalen Konventionen“, die „den öffentlichen Kunstbesitz zu schützen suchen“, heißt es in dem Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. „Unseres Wissens ist eine solche Vorgehensweise der öffentlichen Hand in Deutschland bisher einzigartig - im negativen Sinne.“

Es sei bemerkenswert, dass der geplante Verkauf ausschließlich finanziell begründet werde. Der Gewinn solle offenbar entweder die Verluste der Westdeutschen Spielbanken ausgleichen, dem Neubau einer Spielbank dienen, oder dem Schuldendienst des Landes NRW. Dies mache den Sachverhalt „zu einem brisanten Politikum mit erheblicher Sprengwirkung“.

Falls das Land die frühen Warhol-Werke tatsächlich in New York zur Versteigerung bringe - unter Vermeidung der deutschen Mehrwertsteuer - würde ein grundlegender Kulturwandel vollzogen, der das Image Nordrhein-Westfalens und der Bundesrepublik „als Kulturland und Kulturnation in Frage stellt“: „Die Versteigerung der Warhol-Werke ist ein Tabubruch“, sie schaffe einen „Präzedenzfall“.

Falls der Verkauf nicht mehr zu stoppen sei, müssten die Erlöse in die Kunst reinvestiert werden, so die Direktoren. „Das ist der einzige Weg, einen internationalen Ansehensverlust zu vermeiden“, heißt es in dem Schreiben an die nordrhein-westfälische Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) und die Minister.

Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder in New York bei Christie's versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro. Westspiel ist ein Tochterunternehmen der NRW-Bank.

„Triple Elvis“ von 1963 und „Four Marlons“ von 1966 sollen zu den Hauptexponaten der Herbstauktion im November werden. Der großformatige „Triple Elvis“, ein dreifacher Presley in Cowboy-Pose mit dem Revolver im Anschlag, sowie die „Four Marlons“ nach einem Foto des Schauspielers Marlon Brando, hatten Jahrzehnte im Aachener Casino gehangen. Seit 2009 schlummerten die in ihrem Wert auf Rekordhöhe gestiegenen Kunstwerke in einem Safe.

1976 wurde die Aachener Spielbank eröffnet und mit rund 100 Kunstwerken von Dalí bis Warhol geschmückt. Zur Eröffnung warf die Sängerin Daliah Lavi in Begleitung von Curd Jürgens die erste Kugel. Doch die glamourösen Zeiten des Aachener Casinos sind vorbei.

Die Erlöse von Westspiel fließen größtenteils an das Land und die Kommunen, doch weder das Finanzministerium noch die NRW-Bank wollten sich zu dem geplanten Verkauf der Warhol-Bilder äußern. Beide Bilder sind gut zwei Meter hoch und etwa 1,70 Meter breit.

Vor einem Jahr war Warhols „Silver Car Crash (Double Disaster)“ für 105 Millionen Dollar versteigert worden - Auktionsrekord für Warhol. Das Enfant terrible der Kunstszene starb 1987 mit nur 58 Jahren auf dem Operationstisch bei einem Routineeingriff.

Von

dpa

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