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14.01.2013

11:10 Uhr

„Wetten,dass..?“

Gottschalk kassierte Millionen für Schleichwerbung

Dubiose Geschäfte der Gottschalk-Brüder: Für Millionensummen hat die Firma Dolce Media von Thomas Gottschalks Bruder Christoph laut „Spiegel“ Produktplatzierungen von Firmen bei „Wetten, dass..?“ möglich gemacht.

Erst der Ausstieg bei „Wetten, dass..?“, dann die Quotentalfahrt mit „Gottschalk Live“, Kritik an seinem Job bei RTLs „Supertalent" und nun die Schleichwerbungs-Vorwürfe: Entertainer Thomas Gottschalk im freien Fall. dpa

Erst der Ausstieg bei „Wetten, dass..?“, dann die Quotentalfahrt mit „Gottschalk Live“, Kritik an seinem Job bei RTLs „Supertalent" und nun die Schleichwerbungs-Vorwürfe: Entertainer Thomas Gottschalk im freien Fall.

DüsseldorfLobpreisung der neuen A-Klasse von Mercedes oder schöne Worte über ein Solardach von Solarworld zwischen Promi-Smalltalk und Wetten bei Deutschlands größter Unterhaltungsshow: Der „Spiegel“ berichtet, dass die Firma Dolce Media von Thomas Gottschalks Bruder Christoph über Jahre hinweg Unternehmen bei „Wetten, dass..?“ Schleichwerbung betreiben ließ und dafür Millionen kassierte.

Dem Magazin lägen Informationen vor, dass die Firma Dolce Media entsprechende Verträge über die eigentlich verbotene Schleichwerbung mit den Unternehmen Daimler-Chrysler (heute Daimler) und Solarworld abgeschlossen hätte.

Das Magazin berichtet weiter, dass aus den Verträgen, die 2003 geschlossen wurden, hervorgehe, dass die redaktionelle Unabhängigkeit des ZDF untergraben wurde. Das wäre ein Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag.

Die Papiere enthielten sogar detaillierte Regieanweisungen. So wurde die Anmoderation zu einem präsentierten Mercedes A-Klasse im Vorfeld geregelt. Auch aus welcher Perspektive das Fahrzeug gezeigt werden soll und wo Showmaster Gottschalk zu stehen hat, um den Blick auf das Auto nicht zu verdecken.

Ein anderer Abschnitt regelt, wie lange das Auto in der Sendung zu sehen sein soll: 45 Sekunden, so der „Spiegel“. Daimler-Chrysler ließ sich das laut den Verträgen, die dem Magazin vorliegen, 1,25 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Gottschalks Karrierestationen

Ab 1971

Freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk (BR), ab 1973 Sprecher der „Abendschau“-Nachrichten.

1976

Gottschalk wird beim BR Festangestellter und heiratet seine Thea. Erfolg mit witzigen Radiomoderationen bei „Pop nach acht“.  

1977

Er moderiert die Sendung „Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit bei der ARD läuft.

1982

Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm „Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen. Zudem wechselt Gottschalk zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort „Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow.

26. September 1987

Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“ als Nachfolger von Frank Elstner.

1990

Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show. 1992/1993 pausiert er bei „Wetten, dass..?“

1995 bis 1997

Neben „Wetten, dass..?“ moderiert er „Gottschalks Hausparty“ bei Sat.1.

1999

Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma Dolce Media GmbH in München.

3. Dezember 2011

Gottschalk moderiert zum letzten Mal „Wetten, dass..?“. Es ist seine 151. Show.

23. Januar 2012

Die Vorabendshow „Gottschalk live“ startet in der ARD.

September 2012

Thomas Gottschalk sitzt in der aktuellen „Das Supertalent“-Staffel von RTL in der Jury neben Michelle Hunziker und Dieter Bohlen.

Die Firma von Christoph Gottschalk, Dolce Media, wollte laut „Spiegel“ keine Auskunft zu den Vorwürfen geben – aufgrund „ausdrücklicher Verschwiegenheitsklauseln“, wie es in dem Bericht heißt. Daimler beruft sich auf Klauseln in dem Vertrag, die gewährleisten sollten, dass der Rundfunkstaatsvertrag voll eingehalten würde, so das Magazin weiter. ZDF lässt mitteilen, dass keine „unzulässige Einflussnahme“ stattgefunden hätte.

Dolce Media wollte zu Details der Verträge nichts sagen, weil es „ausdrückliche Verschwiegenheitsklauseln“ gebe. Auch Thomas und Christoph Gottschalk haben bisher nicht persönlich Stellung genommen. Anders die betroffenen Unternehmen: Daimler-Konzernsprecher Jörg Howe sprach von einem „aus damaliger Sicht ganz normalen Vorgang“.

In den Verträgen habe explizit gestanden, dass „Dolce Media aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit dem ZDF“ gewährleiste, dass der Rundfunkstaatsvertrag sowie die Werbe- und Sponsoringrichtlinien des ZDF voll eingehalten würden. „Darauf mussten wir uns verlassen.“

Frank Asbeck, Chef der Solarenergiefirma Solarworld, der rund eine Million Euro zahlte, um in der „Wetten, dass..?“-Staffel 2010/2011 Kooperationspartner zu werden, redet im „Spiegel“ Klartext: „Man zahlt für die Sendesekunden.“

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

14.01.2013, 10:06 Uhr

Wie haben denn da die Kontrollinstanzen der ARD geschlafen-oder mitkassiert????

chcae

14.01.2013, 10:59 Uhr

Sorry, aber wo bitte ist der Skandal? Die gesamte TV-Branche wusste doch von den Placement-Aktivitäten - und dazu existieren zahlreiche Artikel aus den letzten 10 Jahren

RumpelstilzchenA

14.01.2013, 11:06 Uhr

Die Öffentlich-Rechtlichen sind nichts weiter, als ein korrukter Hühnerstall.

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