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25.03.2006

15:00 Uhr

Wie ein britischer General den modernen Krieg sieht

Clausewitz für heutige Politiker

VonFrank Wiebe

Keines der führenden Länder in Europa hat heute so viel Erfahrung mit dem Krieg wie Großbritannien. Hinzu kommt, dass die Briten sehr eng mit den USA, der größten Militärmacht der Welt, zusammenarbeiten. Wenn ein britischer General, der 40 Jahre lang gedient hat - darunter im Golfkrieg Anfang der 90er-Jahre, in Bosnien und in Nordirland -, ein dickes Buch über den Krieg schreibt, dann steckt in diesem Wälzer eine Menge wertvolles Wissen.

DÜSSELDORF. Sir Rupert Smith hat ein solches Buch unter dem Titel "The Utility of Force" geschrieben. Und er stellt provozierende Thesen auf. Zum Beispiel heißt es gleich zu Beginn: "Krieg gibt es nicht mehr." Gemeint ist hier der große Krieg zwischen den Staaten - Smith nennt ihn "Industrial War", weil meist die wirtschaftliche Übermacht die Entscheidung brachte. Er spricht von einem "Paradigmenwechsel" hin zu einem kleinen Krieg "innerhalb eines Volks", der ganz anderen Gesetzen gehorcht: Die Unterstützung der Bevölkerung zählt mehr als die Bewaffnung, der Feind ist schwer zu identifizieren, Kriegsziele sind nur mit Mühe zu definieren, der Konflikt tendiert dazu, ohne Entscheidung endlos weiterzulaufen.

Smith stellt fest, dass die meisten Armeen dieser Welt, die übergeordneten politischen Strukturen und das Kriegsrecht noch aus der alten Zeit stammen, die Aufgaben aber längst der neuen Zeit angehören. Soldaten führen heute keine Panzerschlachten mehr. Sie haben andere Jobs, auf die sie schlecht vorbereitet sind: Bekämpfung des Terrorismus oder der Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen etwa, Friedenserhalt oder-erzwingung, Kontrolle von Flüchtlingsströmen, Schutz der Umwelt oder von Energiequellen, Wasser oder Nahrungsmitteln; die Sicherung einer Fußballweltmeisterschaft erwähnt der Brite nicht.

Das Thema ist für Politiker hochaktuell - aber auch für Unternehmen: Jüngst hat etwa EADS bekannt gegeben, sich stärker als bisher auf Heimatschutz und Terrorismusabwehr zu konzentrieren. Auch deutsche Autoren haben sich schon damit beschäftigt: Der Berliner Politologe Herfried Münkler hat 2002 in seinem Werk "Die neuen Kriege" die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der heute typischen Konflikte analysiert.

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