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05.04.2006

09:36 Uhr

Wiedereröffnung des Bernsteinmuseums

Die Faszination des versteinerten Baumharzes

Lebensechte Urzeittiere, wertvolle Kunstschätze, einzigartige Naturphänomene - mit einer spektakulären Schau wird das Deutsche Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten nahe Rostock an diesem Freitag nach zweijährigem Umbau wiedereröffnet.

HB RIBNITZ-DAMGARTEN. Auf nunmehr 1000 statt zuvor 600 Quadratmetern zeigt das Museum alles, was das versteinerte Baumharz so faszinierend macht: Von der Entstehung in prähistorischen Wäldern, über die Bedeutung, die Steinzeit-Menschen dem „Gold des Meeres“ beimaßen, bis zum Einsatz in der Schmuckgestaltung der Gegenwart.

Gleich beim Betreten des Museums nimmt der Bernstein den Besucher gefangen. Von hinten beleuchtete Steine offenbaren ihr funkelndes Inneres. Dabei wird auch mit einem Vorurteil aufgeräumt: „Viele denken, dass Bernstein immer cognacfarben ist. Dabei gibt es mehr als 200 Farben, von hellgelb bis fast schwarz“, sagt Mitarbeiterin Annegret Damaschun.

Im gesamten unteren Stockwerk wird gezeigt, wie sich der baltische Bernstein vor bis zu 50 Millionen Jahren bildete. Ein Höhepunkt dieses Ausstellungsteils ist ein Gecko, der von austretendem Baumharz eingeschlossen wurde und so lebensecht erhalten blieb - zumindest sein Kopf und ein Bein. „Das ist der erste in baltischem Bernstein gefundene Gecko“, sagt Museumsdirektor Ulf Erichson stolz. Auch ein eingeschlossener Skorpion und mehrere Insekten sehen aus, als hätte man sie erst gestern präpariert.

Im zweiten Stock zeigt das Museum, wie die Menschen im Laufe der Jahrhunderte Bernstein zu Grabbeigaben, Schmuck oder edlen Gebrauchsgegenständen formten. Das Museum kann auch auf etwa 100 wertvolle Leihgaben der Stiftung des Touristikunternehmens TUI, der ehemaligen Preussag-Stiftung, zurückgreifen. Der Stahl- und Bergbauriese Preussag war bis 1945 Träger der bis heute betriebenen Bernsteingrube Palmnicken nahe dem heutigen Kaliningrad und Haupteigner der dortigen Bernsteinmanufaktur.

Etwa 30 Stücke stammten aus einer Sammlung der Universität Göttingen, erzählt Erichson, der besonders stolz ist auf die steinzeitlichen Darstellungen von Bären, Pferden und anderen Tieren. „Ein Verkündigungsrelief aus der Zeit um 1400 aus Danzig oder Königsberg ist das älteste bekannte Bernsteinkunstwerk des Mittelalters“, sagt er. Etwa 300 Jahre später entstanden wunderschöne Bernsteinpretiosen wie ein Schachbrett und ein Schreibkasten. Das legendäre Bernsteinzimmer ist auf einer Stofftapete nachgebildet.

Jüngere Arbeiten präsentiert die dritte Abteilung des Museums, das in einem ehemaligen Nonnenkloster untergebracht ist, mit rund 80 Werken des Bernsteinkünstlers Jan Holschuh (1909-2000). „Damit verfügen wir über die bedeutendste Sammlung moderner Bernsteinplastik in Deutschland“, ist sich Erichson sicher. Der Bernsteintradition in Ribnitz-Damgarten ist eine eigene Abteilung gewidmet.

„In unserer Bernsteinschleiferei können die Besucher kleine Bernsteine für fünf Euro kaufen und selbst bearbeiten“, erklärt Mitarbeiterin Damaschun. Insgesamt werden mehr als 1500 Exponate ausgestellt. Für den Umbau des Museums stellten Bund, Land und die Stadt Ribnitz-Damgarten rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Direktor Erichson hofft, dass schon dieses Jahr mehr als 100 000 Besucher kommen.

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