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15.11.2011

09:40 Uhr

Wiener Messen

Österreicher bleiben lieber flüssig

Die Wiener Kunstmessen locken vor allem einheimisches Publikum an. In diesem Jahr schnitten sie besser als 2008 und schlechter als im Vorjahr ab. Österreicher treten nur ausnahmsweise die Flucht in Sachwerte an.

Rudolf Koppitz: "Bewegungsstudie", Wien 1925. (Ausschnitt) Koppitz - Galerie Johannes Faber, Wien

Rudolf Koppitz: "Bewegungsstudie", Wien 1925. (Ausschnitt)

WienSeine jährliche Grandtour im internationalen Messezirkus hat Johannes Faber, genannt „Herr Vintage“, nun hinter sich; die Nachbearbeitung der jüngsten Termine steht dem Wiener Fotogaleristen dabei noch bevor. Im Anschluss an Münchens internationale Highlights-Messe galt es zügig die Auswahl zu justieren: Österreichspezifisches und zeitgenössische Klassiker für die Art & Antique Hofburg, die großen internationalen Namen für die Paris Photo (beide bis 13. November).

Einem Lockvogel hatte Faber Auftritte in beiden Metropolen zugestanden: Rudolf Koppitz’ „Bewegungsstudie“. Der Silbergelatine-Abzug, ein Vintage-Print von 1925, das heißt nah zum Aufnahmezeitpunkt entstanden, blieb Paris vorbehalten; in Wien tat es auch die spätere Fotogravüre gleichen Motivs. 145.000 versus 12.000 Euro sprechen für sich und spiegeln exakt wider, mit welcher Art von Spielbällen man als österreichischer Galerist jongliert, und auch, was man vom durchschnittlichen Messepublikum in Österreich erwarten darf und was nicht.

Eine nationale Veranstaltung

Internationale Besucher fallen auf den Kunst- und Anquitätenmessen Art & Antique auf der Hofburg und auf der Wikam im Palais Ferstel und Niederösterreich seit jeher in die Kategorie Minderheit. Nach Wien pilgert man aus dem Ausland eher zu Festwochen, zum Jahreswechsel und vielleicht zum Opernball. Nicht aber zum Besuch einer Kunst- und Antiquitätenmesse, womit Österreichs Metropole als Messestandort nur von regionaler Bedeutung ist. Eine Ausrichtung, die wiederum vom Angebot reflektiert wird: Mit einer Dominanz heimischen Kunstschaffens, mit als Newcomern vermarkteten No-Names wie zum Beispiel Kurt Freundlinger, den die Galerie Kopriva für 2.500 bis 4.500 Euro für Schnäppchenjäger auf der Wikam-Kunstmesse anbietet. Oder mit einem überrepräsentierten Establishment à la Alfons Walde oder Markus Prachensky auf der Hofburg.

Sowohl auf der Hofburg wie auf der Wikam wechselten Gemälde und Kunsthandwerk aller Epochen den Besitzer, in einer Preisklasse ab 50.000 Euro weniger oft, ab 200.000 Euro wurde es schon sehr dünn. „Abschlüsse in dieser Größenordnung werden bei uns derzeit noch verhandelt“, schildert Kunsthändlerin Sylvia Kovacek. Für sie tragen solche Messeauftritte nicht nur wesentlich zur Kundenbindung bei, sie generieren auch Neukunden.

Maria Lassnig: "Augapfel", Acryl auf Leinwand, 2010. (Ausschnitt) Kovacek & Zeter

Maria Lassnig: "Augapfel", Acryl auf Leinwand, 2010. (Ausschnitt)

Zögerliche Flucht in Sachwerte

Der Bereich Möbel bedient zunehmend klassische Einrichtungskunden, die sich singuläre Einzelstücke aus dem Angebot picken. Ganze Raum-Ensembles aus derselben Periode sind Geschichte, und der auf Barock spezialisierte Sammler eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Das Ergebnis ist eine in der Menge reduzierte aber repräsentative Bandbreite: Historische Eisenmöbel, etwa ein Paar um 1860 in England hergestellter Parkbänke (je 7.000 Euro, Kunsthandel Runge, Eferding) haben hier ebenso ihre Berechtigung wie der um 1780 gezimmerte und bemalte Bauernschrank aus dem Bregenzerwald (40.000 Euro, Walter Moskat, Wolfurt b. Bregenz) oder eine um 1750 zur Zeit Louis’ XV gefertigte Duchesse Brisée, eine zweiteilige Chaiselongue mit zeitgenössischer Stofftapezierung, ein Entwurf von Pierre Frey (Paris). Sie soll beim Kunsthaus Wiesinger aus Wels 25.000 Euro kosten.

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