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14.01.2005

08:11 Uhr

Willensstarker Überflieger

Howard Hughes: Flieger, Frauen, Fluchten

VonClaudia Pless (Handelsblatt)

Hollywood feiert sich selbst: Der Film „ Aviator“ erzählt die Geschichte des wahnwitzigen Filmmoguls Howard Hughes. In dem von Martin Scorseses inszenierten Film spielt Leonardo DiCaprio die Hauptrolle.

Der junge Howard Hughes.

Der junge Howard Hughes.

Strotzend vor Selbstbewusstsein schreitet ein junger Kerl in sportlicher Kleidung eine große Treppe hinunter. Unter ihm brodelt die Menge, feiert im schwulstigen Dekor des „Cocoanut Grove“-Nachtklubs. Der Jüngling steuert auf einen gut genährten Geschäftsmann zu und stellt ihm lächelnd eine gewagte Forderung: Er will zwei zusätzliche Kameras für eine Luftschlacht-Szene in dem Film „Hell’s Angels“.

Fassungslos fixiert Studioboss Louis B. Mayer den dreisten Jungspund. Denn der hat für das bombastische Kriegsspektakel bereits 24 Kameras im Einsatz. Dann holt Mayer tief Luft und lacht so herzhaft, dass die Nähte seines eleganten Zweireihers zu platzen drohen.

Das war Hollywood 1927. Drei Jahre später lacht niemand mehr über Howard Hughes. Der willensstarke Überflieger hat gerade Filmgeschichte geschrieben. „Hell's Angels“ war damals der teuerste Film, der je produziert worden war. Er kam erst mit 36-monatiger Verspätung in die Kinos. Umso durchschlagender war sein Erfolg: Das Publikum feiert begeistert das Mammutwerk. Hauptdarstellerin Jean Harlow wird über Nacht zum Superstar.

Hughes’ Aufstieg vom belächelten Emporkömmling zum milliardenschweren Unternehmer und legendären Liebhaber berühmter Filmdiven ist eine typische amerikanische Helden-Saga. Der Stoff ist wie geschaffen für die Traumfabrik, die sich gern selbst feiert.

Das bildgewaltige Filmepos „Aviator“ (Deutsch: Flieger) erzählt die aufregenden Anfangsjahre des risikofreudigen Flug- und Filmpioniers, von den späten 20ern bis zum Ende der 40er-Jahre. Es ist die Geschichte eines geheimnisvollen, introvertierten Exzentrikers mit dann unvorstellbarer Macht. Er versuchte, Politiker zu beeinflussen. Die schönsten Frauen lagen ihm zu Füßen. Und doch war er innerlich zerrissen.

Leonardo DiCaprio verkörpert in Martin Scorseses neuem Meisterwerk den Film- und Flug-Großindustriellen, der zwar große Pläne hatte, aber schon als junger Mann von Zwangsneurosen und Angstphobien geplagt wurde. So authentisch ist der Schauspieler, dass Cate Blanchett, die Hughes’ große Liebe Katherine Hepburn darstellt, schmunzelnd bemerkt: „In manchen Momenten spielt Leonardo nicht mehr – er ist Howard Hughes.“

Dessen Leben war atemberaubend. Der gebürtige Texaner ist erst 18, als er nach dem Tod seiner Eltern 1922 die Ölbohrfirma „Hughes Tools“ erbt und mit einem Schlag Multimillionär wird. Doch Flugzeuge interessieren den Technikfan ungleich mehr als die Erdölgeschäfte: Mit 14 war er zum ersten Mal in ein Cockpit gestiegen.

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