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30.09.2011

00:00 Uhr

Wirtschaftsbuchpreis 2011

Von Griechenland und dem „Superstar der Bankrotteure“

VonFrank Wiebe

In ihrem Buch „Abgebrannt“ beschreiben Hanno Beck und Aloys Prinz nicht nur die Euro-Krise, sondern untersuchen dabei auch das Problem der Staatsverschuldung. Dafür gehen sie weit in die Geschichte zurück.

Buchcover von "Abgebrannt" von Hanno Beck und Aloys Prinz aus dem Hanser Verlag. Pressefoto

Buchcover von "Abgebrannt" von Hanno Beck und Aloys Prinz aus dem Hanser Verlag.

DüsseldorfWofür darf sich der Staat langfristig verschulden? Für die Bewältigung von Naturkatastrophen, für Kriege und für "wachstumsfördernde Infrastrukturinvestitionen". Diese Meinung vertreten Hanno Beck und Aloys Prinz in ihrem Buch "Abgebrannt", dass trotz seines reißerischen Titels insgesamt sehr sachlich und gut argumentiert daherkommt. Der Untertitel "Unsere Zukunft nach dem Schulden-Kollaps" und eine Banderole "USA, Griechenland, Italien ... Wer ist der Nächste?" zeigen die Aktualität.

Die Autoren versuchen, "gute" von "schlechten" Schulden zu unterscheiden. Gut ist alles, was man guten Gewissens der nächsten Generation aufbürden kann. Und das wären dann vor allem die Finanzierung außerordentlicher Ereignisse, also Katastrophen, und Investitionen, die künftig höhere Staatseinnahmen bringen oder von denen die nächste Generation noch etwas hat. Ansonsten sollte jede Generation darauf achten, dass sie ihre Schulden selbst begleicht.

Beck und Prinz gehen weit in die Geschichte zurück, um das Problem der Staatsverschuldung zu beschreiben. Sie erklären Philipp II., der Spanien im 16. Jahrhundert gleich viermal in die Pleite trieb, zum "Superstar der Bankrotteure". Und sie zitieren den französischen Finanzminister Abbé Terray, der im 18. Jahrhundert sagte: "Ein Bankrott ist alle 100 Jahre einmal für einen Staat eine Notwendigkeit, um die Bilanz wiederherzustellen."
Die Autoren weisen nach, dass die Grundidee zur "Rentenmark", mit der Deutschland 1923 die Inflation gestoppt hat, schon in Goethes Faust II zu finden ist. Sie analysieren die Staatspleite in Argentinien vor rund zehn Jahren, die vielen Anlegern noch in unangenehmer Erinnerung ist.

Als Positivbeispiele im Kleinen führen sie die Stadt Langenfeld an, die über mehr als 20 Jahre radikal ihre Schulden abgebaut hat, und einen griechischen Vizeadmiral, der aus Protest zurückgetreten ist, weil sein überschuldeter Staat noch U-Boote gekauft hat.

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