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12.09.2016

11:43 Uhr

Deutscher Wirtschaftsbuchpreis

Die unsichtbaren Tricks des Marktes

VonTorsten Riecke

Für die beiden amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof und Robert Shiller leidet die Marktwirtschaft unter einer systematischen Schwäche: Wer nicht aufpasst, wird über den Tisch gezogen.

Robert Shiller liefert in seinem neuen Buch mit seinem Kollegen George Akerlof einen Verriss der herrschenden Wirtschaftslehre. AP

Robert Shiller

Robert Shiller liefert in seinem neuen Buch mit seinem Kollegen George Akerlof einen Verriss der herrschenden Wirtschaftslehre.

DüsseldorfDie Zweifel von Ökonomen am Erkenntnisstand ihres Gewerbes scheinen umso größer zu werden, je mehr sie sich mit ihrem eigenen Fach beschäftigen. Als die beiden amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger George A. Akerlof und Robert J. Shiller 2009 ihr Buch „Animal Spirits“ veröffentlichten, säten sie mit einer Vielzahl von Beispielen aus dem Wirtschaftsalltag Zweifel an der Weisheit des Homo oeconomicus. Die beiden Wirtschaftsprofessoren zeigten vielmehr, dass menschliche Tugenden und Untugenden wie zum Beispiel Überheblichkeit, Fairness, Angst oder Misstrauen eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben spielen. Eine Erkenntnis der Verhaltensökonomen, die spätestens nach der Finanzkrise kaum noch jemand infrage stellt.

In ihrem neuen Buch „Phishing for Fools. Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft“, das jetzt auf dem deutschen Markt erschienen ist, gehen Akerlof und Shiller noch einen Schritt weiter. Die neoklassische Markttheorie versagt nicht nur regelmäßig, wenn sich Menschen eben nicht rational verhalten. „Wettbewerbsmärkte sind von Natur aus Brutstätten von Betrug und Manipulation“, schreiben die beiden Wissenschaftler. Demnach wäre das Marktversagen kein Ausrutscher, sondern ein Systemfehler. Dass diese Fundamentalkritik aus dem Munde zweier der bedeutendsten lebenden Ökonomen kommt, macht sie zu einem Verriss der immer noch herrschenden Wirtschaftslehre.

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2007 wurde der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis zum ersten Mal verliehen und hat sich in den vergangenen Jahren als wichtigster Literaturpreis in diesem Genre etabliert. Eine Übersicht über die Gewinner und ihre Verlage:

Akerlof und Shiller benutzen für ihre Anklage den Begriff des „Phishing“ (Angelns), der im Internet im Zusammenhang mit Datenklau durch gefälschte E-Mails und Webseiten gebraucht wird. Die Ökonomen zielen aber auf alltägliche Manipulationen, sei es beim Autokauf, bei der Geldanlage, beim Immobilienkauf, dem Einsatz der Kreditkarte oder dem Kauf von Medikamenten. Überall gebe es marktimmanente Anreize, Menschen zu etwas zu verleiten, das nicht in ihrem, sondern im Interesse jener liegt, die sie an der Nase herumführen.

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Wer kennt nicht die Tricks von Autoverkäufern, die Abzocke von Finanzmaklern, die Verlockungen des Plastikgeldes, auf Pump zu leben, oder die hohlen Marketingversprechen großer Pharmakonzerne? „Das Problem ist nicht, dass die Welt voller schlechter Menschen ist“, schreiben die Autoren. Vielmehr bringe der freie Markt „Manipulation und Täuschung hervor“, wenn sich Unternehmen lehrbuchartig selbstsüchtig und eigennützig verhielten. Wie Zauberer täuschen die „Phisher“ ihr Publikum damit, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Produktmerkmal lenken und so von Mängeln ablenken.

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