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11.10.2013

06:25 Uhr

Deutscher Wirtschaftsbuchpreis

Lob des Zwischenraums

VonBodo Hombach

Daniel Zimmer gewinnt mit „Weniger Politik!“ den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2013. Die Jury lobt das Buch als Kontrapunkt gegen das immer stärker werdende Eingreifen der Politik in Märkte und Lebensbereiche.

FrankfurtZehn Kandidaten waren nominiert. Respekt für alle. Die Autoren haben gut und mit Überzeugungskraft geschrieben. Jedes ihrer Bücher ist Reiseführer durch die Unübersichtlichkeit unserer Welt. Der Erkenntnisgewinn des Lesers lohnt seine Investition an Zeit. Die Jury konnte auf höchstem Niveau entscheiden. Es tröstet die Nichtprämiierten. Der verdiente Gewinner stellt sie nicht in den Schatten. Sie haben eigenes Licht.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Daniel Zimmer ist Direktor des Center for Advanced Studies in Law and Economics der Universität Bonn, Wissenschaftler und Jurist und Präsident der Monopolkommission. Sein Buch ist aber weder Gutachten noch Abhandlung. Es ist Plädoyer und Appell. Zwischen allen Zeilen steht ein Bürger, der sich in sehr akuten Fragestellungen zu Wort meldet. Er tut es sichtlich nicht, um sich am allgemeinen Grundrauschen zu beteiligen oder Frust zu sublimieren, sondern aus nur zu begründeter Sorge um eine Fehlsteuerung des Gemeinwesens. Er hat eine dezidierte Meinung und lädt zum Diskurs.

Worum geht’s? Daniel Zimmer konstatiert eine schleichende Bürokratisierung und Bevormundung der Gesellschaft durch lobby-gesteuerte Politik: „Überall wuchern freiheitsbeschränkende Vorschriften, ohne dass ein sie verbindendes System zu erkennen wäre.“ Zimmers Prämisse: Das Gemeinwesen soll im Dienst der Menschen stehen – nicht umgekehrt. „Der Rechtsordnung kommt in diesem Konzept nicht die Aufgabe zu, die Welt nach den Vorlieben von Politikern oder Spitzenbeamten zu gestalten. Das Recht dient vielmehr den Menschen als eine Infrastruktur zur Ausübung von Freiheiten.“

In neun Schritten durchwandert Zimmer sein Thema. Er beobachtet Symptome (Anschwellende Regelwerke, sachfremder Einfluss von Interessen). Er befragt Glaubenssätze (Gleichmacherei als missverstandene Gerechtigkeit, lähmende Maximierung von Wohlfahrt). Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt, nicht als Projekt eines staatlich verfügten Sozialdesigns, sondern als vernunftbegabtes und potenziell verantwortlich handelndes Wesen.

Die Shortlist des Wirtschaftsbuchpreises 2013

Colin Crouch
Gunter Dueck
Martin Hellwig
Uwe Jean Heuser
John Lanchester
Frank Riedel
Robert &  Edward Skidelsky
Nassim Nicholas Taleb
Georg von Wallwitz
Daniel Zimmer

Die Öffentliche Hand hat oft kein gutes Händchen bei der Bereitstellung von Wohltaten. Zuviel des Guten und in flächendeckender Verbreitung erzeugt träge oder auch clevere Mitnehmer. Am Ende fordern sie wütend von der Allgemeinheit, was sie mit eigener Anstrengung erreichen könnten. Wenn Umverteiler fördern, ohne zu fordern, prägt das das ökonomische Denken der Empfänger in diesem Sinne. Politiker, die zunehmend auch hierzulande Sozialneid als wahlkampftaugliche Emotion entdecken, verstärken und nutzen das.

Dabei redet der Autor nicht einem platten Marktradikalismus das Wort. Die Aufgabe des Staates ist nicht Selbstaufgabe. Am Beispiel der Finanzkrise zeigt sich, dass die Delegitimierung der Politik ein Vakuum schafft, in das sofort die fröhlichen Zocker strömen. Mit essayistischer Schärfe legt Zimmer die gefährlichen Regelkreise offen, die sich als ein Amalgam von belohnter Charakterschwäche permanent selbst verstärken und so das gesamte System destabilisieren.

Kommentare (1)

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gamoschka

11.10.2013, 09:49 Uhr

Ich habe das Buch noch nicht gelsen, aber in diesem Kommentar sind wirklich nur Allgemeinplätze zu lesen. Auf die man gern zurückgreift, wenn komplex wird. Wer weiß/fühlt das nicht, was hier beschrieben wird. Ein paar operative Ansätze hätten nicht geschadet. Z.B. hilft Hartz IV den Bedürtigen oder bringt es sie um die Chance, für sich selbst zu sorgen. Und die Finanzmathematik hat mE den Finanzsektor eher demokratisiert durch Produkte, die auch mit kleinen Einsätzen ein Mitmachen ermöglichen. Leider müssen sich die Mitspieler/ die Aufsicht dann eben auch um die Risiken kümmern.

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