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07.10.2016

17:32 Uhr

Deutscher Wirtschaftsbuchpreis Shortlist

Cher Wolfgang, lieber Michel

VonDonata Riedel

In einem gemeinsamen Interview-Buch wollen die Finanzminister-Kollegen Wolfgang Schäuble und Michel Sapin ihr kompliziertes Verhältnis klären.

Die Finanzminister-Kollegen Michel Sapin und Wolfgang Schäuble AP

Bei Griechenland unterschiedlicher Meinung

Die Finanzminister-Kollegen Michel Sapin und Wolfgang Schäuble

Zumindest in einem sind sich Wolfgang Schäuble und Michel Sapin völlig einig: Ökonomen und die Ökonomie als Wissenschaft halten der deutsche und der französische Finanzminister für schwer überschätzt. "Die Ökonomen glauben, sie könnten die richtigen politischen Entscheidungen treffen. Aber bei allem Respekt: Sie können es nicht", findet Schäuble. Und Sapin meint: "Es gibt Nobelpreisträger, die vehemente Euro-Gegner sind, und andere, die entschieden für den Euro sind." Weshalb er dem Urteil von Ökonomen grundsätzlich misstraue.

Bei fast allen anderen Themen - Euro, Wirtschaftspolitik, Sozialstaat - fällt es Schäuble, dem deutschen Christdemokraten, und Sapin, dem sozialistischen Franzosen, nicht leicht, sich zu einigen. Ihr gemeinsames Buch "Anders gemeinsam" zeigt das deutlich. Moderiert von den Journalisten Ulrich Wickert, einstmals Paris-Korrespondent der ARD, und Dominique Seux, dem Wirtschaftsressortleiter von „Les Echos“, führen Schäuble und Sapin ein 253 Seiten langes Gespräch. Vorworte von Merkel und Hollande unterstreichen den regierungsamtlichen Charakter. Das Projekt kam im Herbst 2015 auf französische Initiative zustande, nachdem im Hochsommer, in der vorerst letzten Runde der Griechenland-Krise, das deutsch-französische Verhältnis ziemlich abgekühlt war.

10 Jahre  Deutsche Wirtschaftsbuchpreis : Die Sieger

10 Jahre Deutsche Wirtschaftsbuchpreis

Die Sieger

2007 wurde der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis zum ersten Mal verliehen und hat sich in den vergangenen Jahren als wichtigster Literaturpreis in diesem Genre etabliert. Eine Übersicht über die Gewinner und ihre Verlage:

Wer sich nur ein wenig für Europa und den Euro interessiert, sollte das Buch lesen. Die Passagen etwa über die EU-Gipfelnacht des 12. auf den 13. Juli 2015, in der die Griechenland-Rettung kurz vor dem Scheitern stand, taugen als lebendige Geschichtsstunde. "Wolfgang schlief, er ging ins Bett", leitet Sapin nonchalant die Erzählung ein. Doch schnell wird deutlich, dass Schäuble sich in der dramatischen Nacht zwar hingelegt hatte, aber permanent telefonierte: mit der Kanzlerin, aber auch mit anderen Euro-Finanzministern und den Griechen. Es war ja Schäuble, der maßgeblich zur Dramatik dieser Nacht beigetragen hatte, als er am 12. Juli plötzlich den Austritt Griechenlands aus dem Euro verlangte, während Sapin den Griechen gerade beim Formulieren von Reformprogrammen half.

Mit ein paar Monaten Abstand betonen nun beide Finanzminister: Die Griechen hätten es ohne Hilfe nicht hingekriegt. Und über Yanis Varoufakis, den ersten Syriza-Finanzminister - ein Ökonom übrigens -, waren sie gemeinsam genervt: Yanis dozierte nur und lieferte nichts, sagen sie. Und es war dann am Griechenfreund Sapin, dies Varoufakis beim Euro-Gruppen-Treffen in Riga klar zu sagen.

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