Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.10.2012

10:52 Uhr

Die Shortlist

Blaupause für ein stabiles Europa

VonHans Christian Müller-Dröge

In ihrem Buch „Das Gesetz der Krise“ rechnet Susanne Schmidt schonungslos mit der Finanzwelt ab. Damit schafft sie es auf die Shortlist des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises.

DüsseldorfErst zwei Jahre ist es her, dass Susanne Schmidts preisgekröntes Buch – „Markt ohne Moral“ – erschienen ist. Doch die Ökonomin sah sich schnell gezwungen, erneut zur Feder zu greifen: Zu wenig hat sich ihrer Meinung nach zum Guten gewendet im Finanzsystem, zu gefährlich ist das Zögern der Politik, zu dreist das Verhalten der Großbanken. Susanne Schmidt ist ungeduldig, das merkt man ihr an – ungeduldig und ärgerlich. Jetzt legt sie erneut eine glasklar argumentierende Streitschrift vor. Doch anders als die meisten Krisen-Bücher ist das Werk der "überzeugten Europäerin" mehr als eine Anklage gegen Banker und Politiker, sondern immer auch eine überzeugende Blaupause für ein – politisch wie wirtschaftlich - stabileres Europa.

Buchcover: „Das Gesetz der Krise“ von Susanne Schmidt. PR

Buchcover: „Das Gesetz der Krise“ von Susanne Schmidt.

Sechs verschiedene Krisenherde hat Schmidt ausgemacht. Dabei wehrt sie sich jedoch von Anfang an gegen die These, dass Euro- und Währungskrise andere Ursachen hätten als der Finanzkollaps der Jahre 2007 und 2008: „In einer konzertierten Vernebelungsaktion ist es der Banken-Lobby gelungen, den Eindruck zu erwecken, als hätten wir es mit drei verschiedenen Krisen zu tun“, schreibt Schmidt. Zwar hätten viele Staaten natürlich zu lange zu viele Schulden gemacht. Doch der sprunghafte Anstieg der letzten Jahre liege - abgesehen vom Fall Griechenland – allein an der Bankenrettung nach der Lehman-Pleite.

Schmidts scharfe Analyse kreist um einen zentralen Punkt: die Erpressung der Staaten durch die Banken. Seit Lehman hätten Politiker und Zentralbanker so große Angst vor den Folgen von Bankpleiten, dass sich die Institute immer sicher sein könnten, am Ende doch wieder gerettet zu werden. „Für diese faktische Garantie, für diese Lebensversicherung durch den Steuerzahler bezahlen die Institute keinen Cent“, schreibt Schmidt. Überhaupt habe sich das Problem des „too big to fail“ weiter verschärft: Durch die vielen Fusionen seien die einzelnen Institute nun noch schwergewichtiger. Gleichzeitig habe die implizite Staatsgarantie kaputte „Zombie-Banken“ ohne funktionierendes Geschäftsmodell geschaffen, „die künstlich am Leben erhalten werden“.

Schmidt plädiert dafür, bei der Neuregelung des Bankensektors konsequent zu bleiben – und die Erpressungsversuche der Branche zu ignorieren. „Es muss wieder möglich sein, dass ein Institut pleitegeht, ohne dass die Welt zusammenbricht“, schreibt sie. Natürlich habe das einen Preis, nicht nur für die Aktionäre der Banken, sondern auch für die Allgemeinheit. Dennoch: „Eine etwas verminderte Wachstumsrate in Kauf zu nehmen ist ein unvergleichlich viel kleineres Übel, als jeden Tag mit einem neuen Ausbruch der Finanzkrise rechnen zu müssen.“

Für die Bankenregelung der Zukunft legt sie einen Zehn-Punkte-Plan vor, der der Branche gar nicht gefallen dürfte: So fordert sie etwa, dass Kundeneinlagen künftig allein zur Finanzierung des klassischen Bankgeschäfts verwendet werden dürfen und nicht mehr für das Investment-Banking. Dieses würde Schmidt ohnehin am liebsten per Gesetz von den Instituten abtrennen.

Wenn es um die Staatsschuldenmisere der südlichen EU-Staaten geht, gibt sich Schmidt deutlich zahmer – schließlich sieht sie den Kontinent hier doch auf einem guten Weg. Kritik übt sie dennoch, besonders an den deutschen Institutionen: So gibt sie der Bundesregierung eine Mitschuld am Einbruch der griechischen Konjunktur und wirft ihr vor zu ignorieren, dass „zu rigides staatliches Sparen zu einer dramatischen und sich selbst verstärkenden Negativspirale führen kann“. Und auch im Streit zwischen EZB und Bundesbank wird schnell deutlich, auf welcher Seite ihre Sympathien liegen – auf Mario Draghis nämlich.

Susanne Schmidt:
Das Gesetz der Krise. Wie die Banken die Politik regieren
Droemer, München 2012, 240 Seiten, 19,99 Euro

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.11.2012, 12:23 Uhr

Die gute Frau hat interessante Denkanstösse, leider hat die Politik keinerlei Interesse diese auch nur ansatzweise umzusetzen, lieber nimmt sie den Steuerzahler weiter aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×