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07.09.2011

10:08 Uhr

Die Shortlist

Euro-Experiment außer Kontrolle

VonNicole Bastian

Der Autor Ulrich Horstmann rechnet in seinem Buch „Die Währungsreform kommt!“ mit den blumigen Vorstellungen naiver Finanzpolitiker ab. Die Mission Euro ist gescheitert, eine neue Währung muss her, sagt der Autor.

Ulrich Horstmann sagt: Die Währungsreform kommt! Finanzbuch Verlag

Ulrich Horstmann sagt: Die Währungsreform kommt!

FrankfurtEs gibt Dinge, die möchte man eigentlich gar nicht lesen, weil sie Angst machen. So geht es dem Leser bei Ulrich Horstmanns Prognose, das Geldvermögen von uns Deutschen könnte 2015 teilenteignet werden, wenn das Tempo neuer Rettungsprogramme in Europa anhält.

Erinnerungen an die Währungsreformen 1923 und 1948 kommen auf. Damals blieben jeweils nur rund zehn Prozent des ersparten Geldes übrig, so der Bankanalyst Horstmann. Übertriebene Panikmache oder ein ungeschönter Blick hinter die Kulisse des offiziellen Zweckoptimismus von Politikern und Banken?

Horstmanns Argumentation: Die Wirtschaft der Mitgliedsländer des Euros ist zu unterschiedlich. „Das fragwürdige Euro-Experiment ist gescheitert. Es war ein Fehler.“ Weil die Politik dann noch zuließ, dass zur Lösung der Probleme des kleinen Griechenlands die EU-Staaten gegenseitig für ihre Schulden haften und die Europäische Zentralbank über den Aufkauf problematischer Staatsanleihen das Vertrauen in sie verspielt hat, sieht er den Euro nun in großer Gefahr. „Mit der Rettung des Euros um jeden Preis werden drastische Währungsreformen unumgänglich gemacht.“ Deshalb geht der Autor davon aus, dass der Euro wieder durch nationale Währungen ersetzt wird.

Das ermögliche einen Neuanfang für die Staaten, ohne dass die Idee Europas sterbe, argumentiert er. Ohne Währungsreform in den kommenden Jahren seien die Schuldenprobleme nicht zu lösen in Europa. Für Sparer aber ist die Entwicklung gefährlich.

Der Titel erinnert wohl nicht zufällig an Bücher wie das des Crash-Propheten Max Otte, den Horstmann auch ausführlich zitiert. Er lässt die Ereignisse seit 2007 Revue passieren – angefangen bei einer Krise am US-Immobilienmarkt über eine globale Banken- und Finanzmarktkrise bis zu einer Wirtschafts- und schließlich einer Staatsschuldenkrise. Dabei ordnet er sie verständlich in die wirtschaftspolitischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts ein – mal, indem er referiert, häufig, indem er kommentiert und zuweilen auch provoziert.

Das liefert Denkanstöße, auch wenn so manche Kritik an übermütigen Investmentbankern, dilettantischen Politikern und einer EZB, die zunehmend von der eisernen Geldpolitik der Bundesbank abweicht, für den interessierten Leser zuvor schon an anderen Stellen zu finden war.

Auf den Untertitel „Über Versuche der Politiker, den Euro zu retten, fehlgeleitete Finanzmärkte und wie Sie Ihr Vermögen trotzdem sichern“ geht der Autor leider nur auf wenigen Seiten ein. Er empfiehlt vor allem Aktien und Immobilien als Anlage, zu einem kleinen Teil von fünf Prozent des Vermögens Gold. Und er warnt vor Investitionen in Staatsanleihen. In früheren Zeiten mit Hyperinflation seien die Besitzer von Anleihen und Sparer mit Festgeld die großen Verlierer gewesen. Besser informierte und vermögende Bürger hingegen hätten sich durch den Kauf von Sachwerten schützen können.

Ulrich Horstmann:
Die Währungsreform kommt!
Über Versuche der Politiker den Euro zu retten, fehlgeleitete Finanzmärkte und wie Sie Ihr Vermögen trotzdem sichern
Finanzbuch, München 2011,
256 Seiten, 16,99 Euro

Kommentare (4)

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anaconda

07.09.2011, 12:01 Uhr

Es gibt keine absolute Sicherheit.Weder beim Gold noch bei den Aktien und schon gar nicht bei den Immobilien.Der Staat hat auf alles und Jedes Zugriff.Jederzeit.Er kann Geld drucken,Aktien und Immobilien enteignen und Gold verbieten. Sicherlich nicht alles zugleich.Deshalb aufteilen in Bargeld,Devisen,Edelmetallen,Aktien und immobilien.Fällt das eine,steigt das andere.Vermehrt wird jedoch nichts unterm Strich

Account gelöscht!

07.09.2011, 13:35 Uhr

Muß es auch nicht. Das Vermögen einigermaßen erhalten reicht schon.

lentz

07.09.2011, 16:09 Uhr

Ich finde es ja erfreulich, kritische Artikel in Fachzeitschriften zu finden. Bezüglich des Zeitpunktes habe ich dabei allerdings den Gedanken: To little, to late.
Mein Vorstellung wäre, zum jetzigen Zeitpunkt Beiträge zur Verfügung hu stellen in der Art: Wie würde sich eine Währungsreform auf mein Geschäft auswirken? Exportmöglichkeiten nach einer Währungsreform.
Wie kann ich mein Vermögen in einer Währungsreform weitgehend schützen?
Wenn das o. g. Buch lediglich Schmarrn anbietet, wäre ggf. entsprechendes Know-How in der Redaktion vorhanden? Sonst könnte man ja auch die Herren Hankel und Co. interviewen. Die haben dieses ganze Elend bereits vor 10 Jahren zu verhindern versucht.

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