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26.09.2016

09:55 Uhr

Rezension Christoph Keese

Im deutschen Museum

VonAlexander Demling

Verpennt Deutschland die Digitalisierung? Vieles ist inzwischen faul im Digital-Staate Deutschland. Christoph Keese reist durch ein Land, das am Stolz auf seine Ingenieurstradition zugrunde gehen könnte.

Der einstige Journalist Keese landete mit „Silicon Valley“ einen Bestseller. „Silicon Germany“ ist nun quasi die Fortsetzung, der Sprung zurück über den Atlantik.

„Silicon Germany“

Der einstige Journalist Keese landete mit „Silicon Valley“ einen Bestseller. „Silicon Germany“ ist nun quasi die Fortsetzung, der Sprung zurück über den Atlantik.

DüsseldorfWie weit Deutschland in der Digitalisierung zurückgefallen ist, sieht Christoph Keese in seinem eigenen Garten. Ein vollautomatischer Rasenmäher namens „Indego Connect“ von Bosch soll da eigentlich seine Runden drehen, erstanden hat ihn der Vizepräsident des Axel-Springer-Verlags für stolze 1.200 Euro. Doch so autonom wie versprochen ist der Gartengehilfe gar nicht. Es braucht stundenlange manuelle Vorarbeit, bis sich der Roboter in Keeses Garten auskennt. Mit dem Smartphone kommuniziert das Gerät auch nicht und zeigt unverständliche Fehlermeldungen. Entnervt mäht der Medienmanager wieder selbst und fragt sich: „Warum kann Bosch nicht, was Google kann?“

Es ist eine Frage, die deutschen Wirtschaftsgrößen und Politikern Schweiß auf die Stirn treibt: Verschlafen wir die Digitalisierung? Unsere intuitiv bedienbaren Smartphones liefern schon heute Apple und Google, unsere selbstfahrenden Autos vielleicht bald auch. Was muss Deutschland tun, um den Anschluss ans Silicon Valley zu halten oder sogar zu einem Herausforderer der kalifornischen Tech-Avantgarde zu werden? Einem „Silicon Germany“.

Vor drei Jahren zog Keese mit anderen Springer-Führungskräften in eine WG in Palo Alto, um das Valley und seine beeindruckende Innovationsgeschwindigkeit zu verstehen. Mit den Lehren aus dieser Zeit landete der einstige Journalist Keese den Bestseller „Silicon Valley“. „Silicon Germany“ ist nun quasi die Fortsetzung, der Sprung zurück über den Atlantik in ein Land, das stolz ist auf seine Ingenieurstradition. „Vielleicht ist 'hochmütig' das passendere Wort“, unkt Keese. Denn vieles ist inzwischen faul im Digital-Staate Deutschland, wie der Autor auf seiner Bildungsreise durch die Werkshallen deutscher Mittelständler, Inkubatoren von Dax-Konzernen und Co-Working-Spaces von Berliner Start-ups herausfindet. Die Mischung aus Reportage und Analyse macht das Buch leicht lesbar und trotzdem profund.

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Der Chef der Bosch-Fabrik, aus der Keeses hilfloser Rasenroboter kam, erklärt ihm, dass Deutschland durchaus Digitalisierungspionier sei – die digitale Ladekontrolle der Gerätebatterie etwa sei eine deutsche Entwicklung.  Nachholbedarf sieht der selbstkritische Manager bei der horizontalen Vernetzung von Konzernabteilungen. Kontrollen und Befehlsketten gibt es in deutschen Unternehmen oft nur von oben nach unten. Die Versprechen, die Gartenbesitzer Keese für den Mäher begeisterten, hatte die Werbeabteilung formuliert, ohne das Gerät vorher zu sehen. Dem obsessiven Perfektionisten Steve Jobs wäre das nie passiert.

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