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30.08.2016

16:04 Uhr

Rezension Hans-Werner Sinn

Alternative zur Alternativlosigkeit

VonJens Münchrath

Hans-Werner Sinn hat eine umfassende Chronik der Euro-Krise geschrieben - schonungslos offen, analytisch scharf und dabei auch noch konstruktiv.

Hans-Werner Sinn, Ex-Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, hat ein Buch über den Euro geschrieben. dpa

Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn, Ex-Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, hat ein Buch über den Euro geschrieben.

DüsseldorfWer kennt nicht Hans-Werner Sinn? Jenen ehemaligen Chef des Münchener Ifo-Instituts, der jahrzehntelang die wirtschaftspolitischen Debatten des Landes geprägt hat wie kein anderer. Nicht selten waren seine Beiträge umstritten, manchmal waren sie provozierend, ja polemisch. Aber immer waren sie ökonomisch fundiert.

Sein jüngstes Buch ist so etwas wie das wirtschaftspolitische Vermächtnis des 68- Jährigen. "Der Euro: Von der Friedensidee zum Zankapfel", hat Sinn seine Streitschrift genannt. Der Begriff "Zankapfel" klingt dabei fast verniedlichend, wenn man bedenkt, worum es hier wirklich geht: um die Frage, ob die Einführung des Euros, der das historische Projekt der europäischen Integration vollenden sollte, ein Irrweg war oder nicht.

"Es ist das wichtigste Buch, das ich je geschrieben habe", sagt Sinn selbst. Tatsächlich ist die Streitschrift einzigartig, sowohl was ihre Forschungsintensität angeht, als auch ihre politische Relevanz. Das Buch ist die umfangreichste Chronik und Analyse der Euro-Krise. Auf mehr als 500 Seiten beschreibt Sinn die Fehler der Währungsunion und vor allem auch die Fehler, die begangenen wurden, um das Projekt zu retten. Sinn schreibt schonungslos offen, analytisch scharf und untermauert seine Thesen mit einer beeindruckenden Vielfalt an Statistiken und Grafiken.

Der Euro. Von der Friedensidee zum Zankapfel.Hanser, München 2016, 560 Seiten, 24,90 Euro

Hans-Werner Sinn:

Der Euro. Von der Friedensidee zum Zankapfel.
Hanser, München 2016,
560 Seiten, 24,90 Euro

Der Euro, so Sinn, habe die südlichen Länder in eine Kreditblase getrieben. Konsumenten, Unternehmen und auch der Staat verschuldeten sich - erst mit Hilfe des Kapitalmarkts und dann, als die Pleite von Lehman Brothers die Finanzmärkte verunsicherte, mit Hilfe der Notenpresse der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Anreiz zu sparen tendierte aufgrund der mit dem Euro einhergehenden günstigen Finanzierungsbedingungen gegen null. Auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu steigern schien nicht zwingend notwendig. Die Wirtschaft und die Nachfrage boomten schließlich - wenn auch kreditfinanziert.

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Es kam, wie es kommen musste. Die Kreditblase platzte, und die Volkswirtschaften wurden gerettet - durch die unvorstellbar großen Rettungspakete der Euro-Partner und die spektakulären Aktionen der EZB.

Die große Leistung Sinns besteht darin, dass er als einer der ersten Ökonomen wirklich verstanden hat, dass die Krise viel mehr ist als nur eine Staatsschuldenkrise. Sie ist eine Folge der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften vor allem im Süden des Kontinents. Ablesen lässt sich dieses Phänomen an deren hohen Leistungsbilanzdefiziten. Land für Land analysiert Sinn in seinem Buch - die empirische Kraft seiner Thesen ist erdrückend, die scheinbare Ausweglosigkeit der Lage ernüchternd.

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